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Der Frosch-Retter: Markus Fleischmann.

Frosch-Drama: Bergretter sucht acht Stunden ein Plüschtier

Gröbenzell - Kurioser Notfall: Knapp acht Stunden war Bergführer Markus Fleischmann am Wilden Kaiser unterwegs – in steilstem Gelände. Auf der Suche nach einem Frosch aus Plüsch.

Der Münchner Bergführer Markus Fleischmann, 33, hat sich gründlich vorbereitet: auf den verrücktesten Einsatz seines Lebens. Zwei 55-Meter-Seile nimmt er mit zur „Hinteren Goinger Halt“ am Wilden Kaiser, Steigklemmen, Bandschlingen, seinen Helm – und das Phantombild. Fleischmanns Informationen sind spärlich: Er weiß nur, dass der Vermisste hunderte Meter tief in die Schlucht gestürzt ist. Gesundheitszustand? Unklar. Glubschäugig, klein, grün, so beschreiben die Auftraggeber die Zielperson. Und die Auftraggeber erwähnen noch was: „Frosch“, sagen sie, der Abgestürzte hört auf den Namen „Frosch“.

Es kommt noch absurder: Die Zielperson, nach der Fleischmann suchen sollte, ist ein Frosch, sagen die Auftraggeber. Sagen Doris (53) und Jürgen (54) Bellmann aus Gröbenzell im Kreis Fürstenfeldbruck. Die Zielperson sei ein Plüsch-Frosch. Das Lieblingsschmusetier des Ehepaars. Wenn die beiden streiten, dann versöhnen sie sich mit Froschs Hilfe wieder, erzählt Doris Bellmann. „Was hast Du?“, „Warum redest Du nicht?“. Solche Dinge sagt das Tier dann. Er sagt es natürlich nicht wirklich: Die Ehefrau oder der Ehemann schlüpfen in seine Rolle. Wie beim Bauchreden. Das Plüschtier ist der Hauspsychologe der Bellmanns. Ein magisches Wesen. Seit die vier Kinder aus dem Haus sind, haben sie es bei jeder Reise dabei. „Frosch“ war schon am Roten Platz in Moskau, an der Nordsee sowieso. Und kürzlich in Österreich. Dort, wo das Plüschtier-Drama geschah.

Auf dem Gipfel will Doris Bellmann noch ein Foto machen, von ihrem Mann und dem Frosch, wie sie auf 2192 Meter Höhe sitzen. Beim Aufstehen rutscht Jürgen Bellmann ab, das Tier stürzt in die Tiefe. Die Bellmanns suchen zwei Tage, aber sie finden ihren Glücksbringer nirgends. Sie sind traurig, haben aber einen Plan. Sie alarmieren den Alpenverein. Und landen bei Bergführer Fleischmann, dem Froschretter für alle Fälle. Die „Operation Quak“ beginnt. Ein paar Tage später, 10 Uhr, steigt der Münchner in die Wand ein. Er sucht stundenlang, aber kein Stofftier weit und breit. Um 14 Uhr noch immer kein Lebenszeichen von „Frosch“. „Gscheit steil“, sagt der Bergprofi, sei das Gelände dort gewesen. Der 33-Jährige seilt sich ab, 40 Meter tief, langsam wird die Zeit knapp, es dämmert schon. Fleischmann startet einen letzten Versuch – und findet das Tier. „Der Frosch grinste mir entgegen, angelehnt an ein kleines Fleckerl Schnee“, erzählt er. Um 17.30 Uhr ruft er in Gröbenzell an. Frosch geborgen, meldet er. Die Bellmanns sind aus dem Häuschen.

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

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Die Kosten der Aktion: 425 Euro hat die Familie an Markus Fleischmann gezahlt – und noch 400 Euro gespendet. Bestens angelegtes Geld, findet das Ehepaar. Inzwischen sitzt „Frosch“ wieder in der Küche. Nur seinen Schal hat er nicht mehr, den hat er im Gebirge verloren. Irgendwo. Ansonsten aber ist die Welt wieder in Ordnung – für Mensch und Plüschtier.

Stefan Sessler

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