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Hält die coronabedingt eingeführte Bezahlpraxis für gefährlich: Harald Haimerl aus Schöngeising wurde beim Einkaufen darauf aufmerksam, dass weder PIN noch Unterschrift gefordert werden.

In Corona-Zeiten

Betrugsgefahr: Kritik an Kartenzahlung ohne Limit

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Wer mit Karte bezahlt, musste bislang immer die PIN-Nummer eingeben oder unterschreiben. In der Corona-Krise verlangen das aber immer weniger Geschäfte.

Landkreis – Der Schöngeisinger Harald Haimerl kritisiert diese Praxis. Haimerl wurde mit der Situation erstmals im AEZ konfrontiert. „Wir hatten für 150 Euro eingekauft“, berichtet der Schöngeisinger, der sich bereits darauf vorbereitet hatte, die PIN einzugeben oder zu unterschreiben. Doch dann drückte ihm die Kassenkraft den Beleg ohne diesen Sicherheitsvorgang in die Hand. „Als ich nachfragte, hieß es, dass wegen Corona auf PIN und Unterschrift verzichtet wird.“

Das AEZ ist nicht der einzige Laden, in dem die Sicherheitsvorkehrungen abgeschaltet wurden. Auch im Toom-Baumarkt an der B471 sind Kreditkartenzahlungen ohne Unterschrift möglich – aufgrund der Corona-Pandemie, wie man an der Kasse erfährt. Vor Corona konnten generell lediglich kleine Einkäufe bis 25 Euro ohne PIN oder Unterschrift getätigt werden – und auch nur mit Karten, mit denen eine kontaktlose Zahlung durch Vorhalten der Karte am Terminal möglich ist. Diese sind mit einem entsprechenden Symbol auf der Karte gekennzeichnet.

Harald Haimerl: „Es gibt keine Sicherheit mehr“

Dass nun jede Zahlung auf diesem Wege möglich ist, verärgert Haimerl. „Gott und die Welt schauen, dass Kartenzahlungen sicherer werden, und dann werden alle Vorkehrungen gestrichen“, sagt er. Im Prinzip könne jeder mit der Karte einkaufen, der sie in die Finger bekomme. „Das ist so, wie wenn ich meine PIN auf der Karte notiere. Es gibt keine Sicherheit mehr.“

Sich an den Kartenanbieter zu wenden, hilft nichts. Das bestätigt Sparkassen-Sprecher Dirk Hoogen. „Im Zuge der Corona-Pandemie wurde das Limit für das kontaktlose Zahlen von 25 auf 50 Euro erhöht“, sagt Hoogen. Einen darüber hinaus gehenden Verzicht auf PIN und Unterschrift könne jeder Einzelhändler mit seinem Terminalbetreiber vereinbaren. Die Sparkasse sei dabei außen vor. Die Sparkassencards seien zwar grundsätzlich immer mit einem PIN versehen. „In welchem Umfang ein Einzelhändler die Eingabe am Terminal verlangt, können wir aber nicht festlegen.“

Eine Tagblatt-Nachfrage beim AEZ brachte ein ähnliches Ergebnis: „Die Spielregeln stellt der Terminalbetreiber Intercard auf“, sagt AEZ-Geschäftsführer Udo Klotz. Intercard selbst erklärt, dass man mit der Umstellung Kundenwünschen nachgekommen sei. „Zu Beginn der Pandemie wurden Händler vermehrt von Kunden angesprochen, die bei Kartenzahlungen den Kontakt mit dem zur Unterschrift vorliegenden Stift vermeiden wollten“, erklärt Firmensprecherin Kristina Bukowksi.

Zahlungsanfragen werden sekundenschnell überprüft

Kunden wie Händler würden aus hygienischen Gründen kontaktlose Zahlungen bevorzugen. Um Missbrauch oder Verwendung gestohlener Karten bestmöglich auszuschließen, würden Zahlungsanfragen der Terminals in Sekundenbruchteilen vom firmeneigenen Risiko-Management-System geprüft. Außerdem stell Bukowski in Aussicht: „Da die Corona-Infektionszahlen in der letzten Zeit gesunken sind, wird Intercard in absehbarer Zeit wieder auf das gängige Verfahren – also mit Unterschrift – umschwenken.“

So lange bleibt Haimerl zur Risikominimierung nur die Barzahlung oder der Rat von Sparkassen-Sprecher Hoogen: „Sollte einem Kunden die Karte entwendet worden sein oder er sie verloren haben, so muss er dies umgehend der Sparkasse melden und die Karte sperren lassen.“ Wenn nach der Sperrung die Karte betrügerisch eingesetzt werde, so könne sich der Kunde an das Kreditinstitut wenden.

Besteht an den Terminals eine Ansteckungsgefahr?

Ob man sich über die Bedienung eines Kartenterminals mit dem Corona-Virus infizieren kann, ist nach wie vor nicht abschließend geklärt. Beim Robert-Koch-Institut (RKI) heißt es dazu, dass sogenannte Kontaktübertragungen durch kontaminierte Oberflächen insbesondere in der unmittelbaren Umgebung der infektiösen Person nicht auszuschließen seien.

Vermehrungsfährige SARS-CoV-2-Viren könnten demnach unter bestimmten Umständen in der Umwelt nachgewiesen werden. Auf Kunststoff konnten Viren bis zu 72 Stunden lang nachgewiesen werden. Laut Robert-Koch-Institut sei die Virenlast, die nach derzeitigen Erkenntnissen mit ausschlaggebend für eine Infektion sein soll, in diesen Untersuchungen jedoch relativ gering gewesen.

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