Das Landratsamt-Gebäude von außen.
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Der Kreisausschuss kam im Landratsamt zusammen.

Frostige Atmosphäre

Corona-Krise: So will der Landkreis Fürstenfeldbruck Geld sparen

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
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Weil am Horizont eher düstere finanzielle Aussichten stehen, bemüht sich der Kreistag um Einsparungen. Ziel ist es, die Gemeinden und Städte nicht über Gebühr zu belasten.

Fürstenfeldbruck – Als jetzt der Kreisausschuss zusammenkam, herrschte eine eher kühle Atmosphäre im großen Sitzungssaal im Landratsamt – und das ist nicht im übertragenen Sinne gemeint, sondern wortwörtlich. Bei Außentemperaturen von unter Null Grad wurde coronabedingt am Anfang maximal gelüftet und zwischendurch (jede halbe Stunde) auch immer wieder. Mehrere Kreisräte und auch der Landrat trugen daher die ganze Sitzung über ihre Anoraks. Der Landrat hatte sich zu Beginn der Sitzung sogar noch schnell eine Decke aus seinem Büro geholt.

Wie der Landrat berichtete, sei die Kreisbehörde personell wegen Corona stark reduziert. Der eigentlich schon im Ruhestand weilende Vize-Kämmerer beispielsweise wurde deshalb kurzerhand reaktiviert.

Externe Einflüsse

Inhaltlich hängt der Haushalt und die Frage der Kreisumlage, die die Gemeinden zahlen müssen, noch von externen Einflüssen ab. Unklar ist etwa, wie viel sich der Bezirk von den Landkreisen holt und unklar ist ebenso, wie viel Geld der Freistaat dem Landkreis („Schlüsselzuweisung“) zukommen lässt. Ziel der Kreisräte ist es, die Kreisumlage für das Jahr 2021 auf um die 47 Punkte festlegen zu können, womit die allermeisten Gemeinden nach Auskunft von Gemeindetags-Chef und Maisachs Bürgermeister Hans Seidl leben könnten. Hintergrund: Wegen der Pandemie werden den Kommunen Einnahmen in erklecklicher Höhe wegbrechen.

Der Landkreis aber braucht von den Städten und Gemeinden mehr als 140 Millionen Euro, um seine laufenden Aufgaben – Investitionen werden über Kredite finanziert – erfüllen zu können. Der Spielraum ist dabei angesichts der gesetzlichen Rahmenbedingungen nicht besonders groß.

Trotzdem Klimaschutzmanager

Trotzdem haben sich die Kreisräte auf einige Einsparungen geeinigt. Fürs Personal darf der Landrat beispielsweise maximal 41,3 Millionen Euro ausgeben, was einer Reduzierung von etwa drei Millionen Euro entspricht. Die zuerst anvisierte Deckelung auf 40 Millionen Euro hatte der Personalausschuss vorher schon für unmöglich („sonst müssen wir zusperren“) erklärt. Trotz der Reduzierung hält man im Kreistag aber an der Einstellung weiterer Klimaschutzmanager und Mitarbeiter im Jugendamt fest.

Zu den Einsparungen gehört nun auch die Verschiebung der über Jahre hinweg geplanten großen Jexhof-Erneuerung. Das finanziell recht aufwendige Konzept (nicht die Brandschutzertüchtigung) soll später umgesetzt werden. Ebenfalls verschoben wurde der Bau eines Notfall-Lagers für die Feuerwehr. Hier hatte ohnehin eine gewisse Uneinigkeit geherrscht. Der Landrat hofft nun, dass die Feuerwehr ihr Lager entsprechend länger im Fliegerhorst betreiben darf.

Helfen Tricks?

Gekippt wurde auch der geplante Bau weiterer Asylunterkünfte in der Brucker Hasenheide. Kurzerhand verschoben wurde ebenfalls der für 2021 geplante Kauf zweier Fahrzeuge für die Kreisfeuerwehr.

Zur Sprache kamen in der Sitzung auch einige Tricks, die dem Kreis dabei helfen könnten, die Umlage zu senken. Bei der Jugendhilfe könnte man einfach die eine Million Euro weniger ansetzen, die sie aber praktisch jedes Jahr mehr als vorher kostet, hieß es. Wenn man die Million dann doch braucht, müsse man sie eben der Rücklage entnehmen, was laut Karmasin freilich kein Sparen ist, sondern ein „passend machen“.

Insgesamt werde es nun darum gehen, den Haushalt auf die gewünschte Umlage „hinzuzaubern“. Der Etat für 2021 soll im 70-köpfigen Gesamtgremium – dann in einer Turnhalle – kurz vor Weihnachten verabschiedet werden.

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