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Nur wenige Brucker mit geringem Einkommen haben die Chance auf eine Sozialwohnung.

Alarmierende Zahlen 

Zu wenige Wohnungen für Geringverdiener

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Der Stadt fehlt es an Sozialwohnungen. Weniger als zehn Prozent der Stadtbewohner, denen eine günstige Wohnung zusteht, können in eine solche einziehen. Den übrigen kann die Stadt nicht weiterhelfen.

Fürstenfeldbruck – Es sind erschreckende Zahlen: Von 242 Bürgern, die 2016 eine Sozialwohnung brauchten, konnte die Stadt gerade einmal 23 unterbringen. Und das, obwohl die Betroffenen einen so genannten Wohnberechtigungsschein vorweisen können. Das heißt, ihr Einkommen liegt unter einer bestimmten Grenze, viele von ihnen haben zusätzlich eine Behinderung. Mangel herrscht vor allem an kleinen Wohnungen. Mehr als die Hälfte der Betroffenen suchte eine Bleibe für eine Person. Viele davon sind Rentner.

Der Bedarf an Sozialwohnungen ist in einer Stadt, in welcher der Quadratmeterpreis bei durchschnittlich 10,60 Euro liegt (Stand September 2016; Tendenz steigend), natürlich noch höher. Allein 2016 führten die Mitarbeiter der Verwaltung 1786 Beratungsgespräche.

„Das Problem ist, dass bei vielen Wohnungen die Bindung ausläuft“, erklärte Stadtbaurat Martin Kornacher in der jüngsten Stadtratssitzung. Wenn die Frist von 20 bis 25 Jahren abläuft, kann der Vermieter die Räume für mehr Geld auf dem freien Markt anbieten. Viele Inhaber verkaufen die Wohnungen. So passiert etwa bei der GBW, die etliche Apartments in Bruck an einen privaten Investor übergeben hat.

Bereits jetzt sind viele Bindungen obsolet. 2006 gab es in der Stadt noch 920 öffentlich geförderte Wohnungen, 2013 waren es rund 600. „Bis 2023 sind von den ehemaligen Sozialwohnungen nur noch wenige übrig“, prognostizierte Kornacher. Voraussichtlich etwa 300.

Ein Problem ist auch, dass am Fliegerhorst die Frist für viele Apartments ausläuft, die der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) gehören. Der günstige Wohnraum war ursprünglich für Brucker geschaffen worden, die in Fursty tätig sind. „Die Stadt hat bei Staatssekretär Jens Spahn darum gebeten, die Verbilligungen aufrecht zu erhalten – vergebens“, sagte Kornacher im Stadtrat. „Schuld an der Misere ist aber auch die Tatsache, dass die Stadt jahrelang viele Sozialwohnungen verkauft hat“, sagte die Dritte Bürgermeisterin Karin Geißler (Grüne). „Wir hatten das Problem lange nicht auf dem Schirm.“

Die Stadt hat sich mittlerweile selbst auferlegt, bei jedem Neubau mindestens 40 Prozent geförderten Wohnraum zu schaffen. Auch Investoren, die Baurecht erhalten, müssen sich daran halten. So will man den Mangel auffangen. Derzeit baut die Stadt ein Haus mit Sozialwohnungen an der Parsevalstraße, das im Herbst bezugsfertig sein soll. Auch am Sulzbogen entsteht ein Gebäude. Der Vorteil, wenn die Stadt selbst investiert: Die Räume bleiben dauerhaft günstig und werden nicht nach 25 Jahren auf dem freien Markt vermietet. Eine städtische Wohnungsbaugesellschaft gibt es in Bruck momentan nicht.

Dass die Stadt Sozialwohnungen errichtet, wird immer wieder angeprangert. Kritiker befürchten, dass Bruck so Menschen aus München mit Wohnberechtigungsschein anzieht. „Das ist nicht der Fall“, sagte Kornacher. 82 Prozent der Bürger mit Anspruch auf eine günstige Bleibe kommen aus Bruck, 14 aus dem Landkreis und nur vier Prozent von außerhalb.

Hier wird momentan gebaut:

An der Schwabenstraße 2a nahe der Brauerei entstehen momentan elf Wohnungen zwischen 60 und 94 Quadratmetern – sechs große, zwei mittlere und drei kleinere mit einer Gesamtfläche von 833 Quadratmetern. Dort baut die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) ein Mehrfamilienhaus. Beim Richtfest sagte Prokurist Michael Amstein, man erfülle damit drei für die Kreisstadt immer wichtiger werdende Anforderungen: „Wir verdichten im Innenstadtbereich, wir schaffen Parkplätze und Wohnraum zu sozial verträglichen Preisen.“ 

Das neue Wohngebäude ist mit einem Aufzug ausgestattet und somit barrierefrei. Hinzu kommt eine Tiefgarage mit 35 Stellplätzen, wobei eigentlich nur 13 Parkplätze vorgeschrieben wären. Außerdem gibt es 60 überdachte Fahrrad- und Unterstandsplätze. Dadurch werden die Grünflächen im Innenhof erhalten bleiben. Die Baukosten für Tiefgarage und Wohngebäude belaufen sich auf knapp drei Millionen Euro, sagte Amstein. 

Finanziert wird das Bauvorhaben mit einem Zwei-Millionen-Euro-Darlehen bei günstigen Zinssätzen von 1,2 beziehungsweise 1,55 Prozent bei der KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und der Sparkasse. Wenn die Bauarbeiten der Firma Innovo weiter so zügig voranschreiten, dann können die Bewohner im November einziehen. Neun der elf Wohnungen sind bereits vermietet. 

Der Quadratmeterpreis beläuft sich auf zehn Euro. Nachdem Zimmerermeister Franz Schilling aus luftiger Höhe den traditionellen Richtspruch vorgetragen und das leere Weinglas an der noch nicht verputzten Hauswand zerschmettert hatte, trafen sich die Gäste zu einer Brotzeit im Rohbau. Anwesend waren Brucks amtierender Bürgermeister Erich Raff, Feuerwehrreferent Andreas Lohde, Architekt Hans Hartl, Statiker Josef Wirtz, Sparkassenvorstandsmitglied Peter Harwalik und Filialleiter Hubert Weigelt. Die WBG war vertreten durch ihren Aufsichtsratsvorsitzenden Hans Löffler sowie Gisela Görlitz, Richard Huek, Axel Kudelka, Ulf Kammholz und die Vorstandsmitglieder Helga Kriebler und Bernd Wöllnitz. 

Dieter Metzler

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