Theresa Hannig erhielt für ihre ersten Werke mehrere Auszeichnungen. Sie handelten von dystopischen Zukunftsgesellschaften. Jetzt wagt sie sich literarisch auf neues Terrain – und kehrt damit zurück in ihre Heimat.
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Theresa Hannig erhielt für ihre ersten Werke mehrere Auszeichnungen. Sie handelten von dystopischen Zukunftsgesellschaften. Jetzt wagt sie sich literarisch auf neues Terrain – und kehrt damit zurück in ihre Heimat.

Fürstenfeldbruck

Mysteriöse Familiengeschichte vom Land

  • Ulrike Osman
    VonUlrike Osman
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Als Science-Fiction-Autorin hat sich die Bruckerin Theresa Hannig einen Namen gemacht. Doch diesem Etikett fühlt sie sich nicht verpflichtet, wie ihr neuer Roman beweist. „Meister und König“ ist gerade erschienen. Eine Theater-Fassung für die Neue Bühne Bruck ist bereits in Arbeit.

Fürstenfeldbruck – Von Science-Fiction zum Mystery-Thriller: Die Brucker Autorin Theresa Hannig hat ihr drittes Buch geschrieben. Im Gegensatz zu den beiden Vorgängern spielt „König und Meister“ (erschienen im Verlag Edition Roter Drache) nicht in der Zukunft, sondern im Hier und Heute – in einem fiktiven Dorf bei Bruck. Es geht um eine Familiengeschichte, die es in sich hat.

Wieso der Genre-Wechsel? Theresa Hannig winkt ab. Sie mag sich keine Etiketten aufkleben lassen, auch wenn es in der Welt der Verlage und Buchhandlungen nun mal Usus ist. „Ich schreibe, was mich interessiert“, sagt die 36-Jährige. Der Wechsel von einer Kategorie in die andere passierte ungeplant. „Die Geschichten, die ich im Kopf habe, suchen sich ihre Art, wie sie erzählt werden wollen.“

Wertstoffhof und Bankautomat

Entwirft sie in ihren ersten beiden Romanen eine beängstigende Zukunftswelt, in der allumfassendes Datensammeln zum völligen Verlust der Freiheit führt, geht es in „König und Meister“ weder um Politik noch um Gesellschaftskritik. Der Leser findet sich im Dorf Peining wieder, einem typischen Ort im Münchner S-Bahnnetz. Die kleinen Geschäfte im Zentrum sind schon lange eingegangen, die alten Bauernhöfe haben Doppelhäusern Platz gemacht. „Es gab keinen Grund mehr, zum Kirchplatz zu spazieren, wo sich vormals besagte Geschäfte befunden hatten. Jetzt gab es hier nur noch den Wertstoffhof, das alte Rathaus und einen einsamen Bankautomaten, der mit seinem zerkratzten Display und den von der Dorfjugend abgeschabten Knöpfen wie ein Urtier aus grauer Vorzeit wirkte“, beschreibt Hannig, die selbst in Kottgeisering aufgewachsen ist.

In diesem Peining also lebt der pensionierte Grundschulrektor Frank König. Er will seiner Tochter Ada etwas Wichtiges sagen, doch bevor es dazu kommt, haben die beiden einen Autounfall. Während „der König“ auf der Intensivstation im Koma liegt, versucht die junge Frau das Geheimnis zu ergründen – und bekommt es bald mit einem „verbrannten Mann“, einer verwirrten alten Frau und einem alles überschattenden Walnussbaum zu tun.

Bissiger Humor in düsterer Geschichte

„Es ging mir um die Frage, was Menschen ausmacht, wie sie sich verändern und ob man einen anderen Menschen jemals wirklich kennen kann“, erzählt Hannig. Im Zentrum steht das Thema Schuld – was löst sie aus, auch noch Jahre später?

Zum Lesevergnügen wird die spannende Story auch dank des großen Einfühlungsvermögens, mit dem die Autorin ihre Figuren beschreibt. Und trotz der düsteren Geschichte blitzt immer wieder Hannigs bissiger Humor auf („Diese Warterei machte Karin wahnsinnig. Was gab es denn Wichtiges an einem Bewusstlosen herumzuwurschteln, was genau in dem Moment gemacht werden musste, in dem sie zu Besuch kam?“).

Lesungen, um das neue Buch bekannt zu machen, kann die Autorin vorläufig coronabedingt nur online machen. Doch im Herbst soll „König und Meister“ als Theaterstück in der Neuen Bühne Bruck gezeigt werden. Das Skript ist fertig, die Besetzung noch offen. Hannig hofft, dass die Pandemielage bis zum Herbst einen normalen Spielbetrieb zulässt. „Eine Online-Premiere mit drei Leuten im Zuschauerraum fände ich traurig.“

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