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20 Jahre Hilfe für Drogenabhängige

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Von: Ingrid Zeilinger

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Für drogenabhängige Menschen, die auf Methadon oder andere Ersatzstoffe angewiesen sind, ist das P6 eine Institution. Was vor 20 Jahren als gemeinnütziger Verein AID begann, ist zu einer Begegnungsstätte für Suchtkranke geworden – mit neuen Herausforderungen.

Fürstenfeldbruck – Geburtsstunde für die Amperinitiative zur qualifizierten Betreuung Drogenabhängiger, kurz AID, war eine Gesetzesänderung. Nun mussten Drogenabhängige, die statt Heroin nicht süchtig machende Ersatzstoffe nehmen wollten, jeden Tag zu einem Arzt gehen. Stoff für mehrere Tage gab es nicht mehr. Hintergrund war die steigende Zahl der Drogentoten, berichtet Dr. Astrid Beck. Die Allgemeinärztin substituierte damals Abhängige, wie Kollegen auch, bis sich die Bedingungen änderten. „Alle Ärzte zogen sich aus der Substitution zurück“, erinnert sie sich. „Ich blieb als Einzige übrig.“

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So berichtete das Tagblatt von der Gründung.

Statt zehn bis 15 Patienten hatte sie auf einen Schlag 50 bis 60, die jeden Tag ihren Ersatzstoff holten – in der Praxis war das nicht zu machen. Mit ihrem Kollegen Jochen Habsch überlegte sie, wie sie den Abhängigen helfen konnte. Sie suchten ausgelagerte Praxisräume. „Aber keiner wollte an uns vermieten.“ Die Stadt stellte schließlich Räume an der Pucher Straße 6 zur Verfügung – der Name P6 war geboren.

Schnell sei ihr klar geworden, dass es mit der Methadon-Ausgabe alleine nicht getan war. Die Klienten brauchten Betreuung. Also wurde am 4. September 1998 der AID-Verein aus der Traufe gehoben mit dem Ziel, Abhängigen und Angehörigen einen Treffpunkt zu bieten.

Seitdem kommen um die 100 Abhängige jeden Morgen zu Astrid Beck oder einer Vertretung – egal ob Werktag, Weihnachten oder Wochenende. Vor ihren Augen nehmen sie den Substitutionsstoff ein. Einige gehen danach arbeiten, andere nach Hause, viele bleiben dort. Ehrenamtliche des Vereins stellen ein Frühstück bereit und unterhalten sich mit ihnen. Sogar ein Mittagessen gibt es.

Der Name ist geblieben, der Ort nicht. Denn schon bald fühlten sich die Geschäftsleute am Marktplatz vom P6 gestört. Daher zog AID auf die Lände. „Dort waren sie etwas mehr für sich“, sagt die Vorsitzende Brigitte Fremmer. Der Nachteil: In der Nachbarschaft gab es einen Getränkemarkt, an dem viele hängen blieben. Denn Alkohol verstärkt die berauschende Wirkung des Ersatzstoffes, erklärt Beck. Im P6 gibt es keinen Alkohol.

Der Verein finanzierte sich alleine aus Spenden. Das änderte sich im Jahr 2016. Damals erhielt AID die Trägerschaft für eine Kontakt- und Begegnungsstätte für Suchtkranke. Neben Drogenabhängigen kommen auch Alkoholkranke Menschen dorthin – oft mit gleichen Problemen oder von beidem abhängig. Der Vorteil: Der Bezirk Oberbayern finanziert Sozialpädagogen, die sich um die Abhängigen kümmern. Damit steigt die Qualität der Betreuung, es können auch Behördengänge und soziale Beratung angeboten werden. In diesem Jahr wurde auf 15 Plätze aufgestockt, doch es kommen mehr Menschen, berichtet Fremmer.

So wurde aus dem P6 das P6 Neo. Die Substitution läuft von 8 bis 9 Uhr, danach öffnet die Kontaktstätte Montag bis Freitag bis 15 Uhr und im Winter dienstags bis 18 Uhr. „Wir wollen vielleicht einen weiteren Abend länger öffnen“, sagt Fremmer. Auch ein Beschäftigungsprogramm soll anlaufen.

Inzwischen ist das P6 neo in Räume am Rudolf-Diesel-Ring 8 umgezogen. Seit dem Umzug des KAP der Caritas ins Hotel Hasenheide kommen auch Obdachlose dorthin. „Für die Leute ist es ein Segen, dass sie zu uns kommen können“, sagt Fremmer. Derzeit versuche man, sie in die Gruppe zu integrieren. Allerdings steigen dadurch die Kosten für die Lebensmittel – eine neue Herausforderung für AID. Mit der Entwicklung ist Gründerin Astrid Beck zufrieden. „Es ist ein enormer Fortschritt, denn durch das Fachpersonal können wir bei der Therapievermittlung helfen.“ So gibt es eine enge Zusammenarbeit mit dem Kbo-Isar-Amper-Klinikum und Suchtberatungsstellen.

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