Die Führungsriege: Beirat Werner Nau, Vorsitzende Rita Multerer, Vize Alfred Wagner, Schriftführerin Sandra Scheiel, Schatzmeisterin Margit Pesch

Keimzelle von Unser Land

25 Jahre Brucker Land – Pioniere des Öko-Gedankens

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Regionalität, Klimaschutz, Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen für Menschen, Tiere und Pflanzen – heute sind diese Themen in aller Munde. Vor einem Vierteljahrhundert war das noch ganz anders. Die Gründer der Solidargemeinschaft Brucker Land waren Pioniere.

FürstenfeldbruckEine Gruppe Landwirte begann damals mit umweltfreundlichem Getreideanbau, um die Schadstoffbelastung der Flüsse Amper und Maisach zu reduzieren. Parallel dazu starteten im Rahmen der katholischen Erwachsenenbildung Vortragsveranstaltungen zu ökologischen Fragen. Aus diesen beiden zunächst unabhängigen Initiativen formierte sich die Solidargemeinschaft. Sie wollte „über den Bauch an den Kopf der Menschen“ herankommen, hieß es damals. Regionale Lebensmittel sollten Botschafter der Idee sein, regionale Strukturen zu erhalten.

Das erste Lebensmittel von Brucker Land war ein Bauernbrot

Das erste Lebensmittel, das auf der Basis der kontrollierten Brucker-Land-Richtlinien auf den Markt kam, war ein Bauernbrot. Heute prangt das wohlbekannte Logo – blauer Himmel, weißes Wölkchen, grüne Tanne – auf weit über 70 Produkten bis hin zum Tierfutter. Der Verbraucher hat damit die Garantie, dass alle Rohstoffe aus dem Landkreis stammen und auch hier verarbeitet wurden.

Bild aus den Anfangsjahren: Ludwig Dinkel (l.) mit Gründungsmitglied und Bäcker Franz Höfelsauer sowie seiner Frau.

Dass die Brucker-Land-Pioniere es schafften, den Handel mit ins Boot zu holen, war zum großen Teil das Verdienst der Mitbegründerin und langjährigen Vorsitzenden Elsbeth Seiltz. Mit viel Überzeugungsarbeit gelang es ihr, dass die regionalen Supermärkte Regalfläche für die Brucker-Land-Produkte zur Verfügung stellten. Nicht nur ihr schien dieser Weg erfolgversprechender als die Gründung eigener Läden. „Wir wollten den Verbraucher dort abholen, wo er ist, und das ist nun mal im Supermarkt“, sagt die heutige Vorsitzende Rita Multerer (48).

Brucker Land war die Keimzelle von Unser Land

Schnell wurde die Idee in anderen Landkreisen aufgegriffen. Inzwischen hat sich aus der Brucker Keimzelle das Netzwerk Unser Land entwickelt, dem zehn Solidargemeinschaft mit über 300 Erzeugerbetrieben in elf Landkreisen – inklusive München und Augsburg – angehören.

Für die Vermarktung der Produkte wurde eine eigene GmbH gegründet, während sich die Solidargemeinschaft als Verein der Bewusstseinsbildung und Verbraucherinformation widmet. Dazu dienen Projekte wie Kinderkochkurse, gemeinsame Aktionen mit Schulen, Streuobstsammlungen, Radtouren zu Erzeugerbetrieben und das Anlegen von Blühflächen in Zusammenarbeit mit Landwirten, Kommunen und Gartenbesitzern. Die Brucker-Land-Geschenkkörbe werden nicht nur von Bürgermeistern gern überreicht. Eine Erfolgsgeschichte schreibt auch das Projekt Sonnenäcker – ein Angebot an kleinen Pachtflächen für den privaten Gemüseanbau.

Brucker Land und Amazon Prime

Dass die Gesellschaft heute ökologisch sensibler ist als vor 25 Jahren, zeigte sich zuletzt beim Bienen-Volksbegehren. Diesen Trend beurteilt man bei Brucker Land positiv, sieht sich aber gleichzeitig in einer schwierigeren Marktsituation. „Es gibt jetzt einfach mehr Konkurrenten“, sagt Rita Multerer. Deshalb sagte man auch nicht nein, als Amazon Prime auf die Unser-Land-GmbH zukam und einige Produkte in sein Lebensmittelangebot aufnehmen wollte. „Ich sehe das positiv“, so Multerer. „Jeder bestellt doch bei Amazon – und ausgerechnet uns sollte man die Zusammenarbeit ankreiden?“ Die Produkte würden nicht außerhalb des Netzwerk-Gebiets verkauft, sondern nur in München ausgeliefert – „teilweise sogar mit dem Fahrrad“. Im Grunde sei das nichts anderes als der Lieferservice eines regionalen Supermarktes. Preislich habe man keine Kompromisse gemacht, auch am bewährten Brucker-Land-Konzept sei nicht gerüttelt worden.

Das Jubiläum wird am Wochenende gefeiert. Die Bürger sind zu einem Sommerfest am Sonntag, 7. Juli, von 11 bis 17 Uhr auf den Hof der Familie Dinkel in Malching (Maisach) eingeladen.

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