Die Aumühle wurde für die Stadtbibliothek extra umgebaut. Die Einweihung konnte erst im März 1990 gefeiert werden.
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Die Aumühle wurde für die Stadtbibliothek extra umgebaut. Die Einweihung konnte erst im März 1990 gefeiert werden.

In der Aumühle

30 bewegte Jahre der Stadtbibliothek

Vor 30 Jahren ist die Stadtbibliothek in die Aumühle gezogen und hat dort einiges erlebt: Der Brand kurz vor Einzug, das Hochwasser und die Rattenplage.

Fürstenfeldbruck – Die langjährige Leiterin Barbara Staude blickt auf die bewegte Zeit der Einrichtung zurück, die zu den renommiertesten Bibliotheken Deutschlands gehört. Ihren Beginn fand die Stadtbibliothek im Kellergeschoss des alten Rathauses in der Hauptstraße. Sie zog in eine kleine Villa in die Philipp-Weiß-Straße. Ab 1985 wurde der Siloturm der einstigen Aumühle zum Standort für die Stadtbibliothek umgebaut – ein stetes nicht nur räumliches Wachsen der städtischen Einrichtung begann.

„Von 200 auf 17 000 Quadratmeter“, erinnert sich die ehemalige Bibliotheksleiterin Barbara Staude an die Planungsphase – die Erfüllung des Traums einer jeden Bibliothekarin. „Ich wurde richtig in die Planungen eingebunden, das waren mit die spannendsten Jahre.“ Im Gespräch mit Karin Wimmer-Billeter im Rahmen des Erzählcafé in der Aumühle berichtet Staude aus der bewegten Geschichte der Stadtbibliothek.

Der Großbrand

Die Aumühle in Flammen: Der Großbrand im März 1989 verhinderte zunächst den Einzug.

Denn zum geplanten Einzug 1989 kam es erst einmal nicht. Es war schon alles bereit, als am Abend des 21. März 1989 das Telefon bei Staude klingelte: „Die Aumühle brennt.“ Sie habe sich sofort auf den Weg gemacht: Man habe den Brand schon von weitem gerochen. „Das Haus stand lichterloh in Flammen“, erzählt sie und die damalige Fassungslosigkeit ist noch heute zu spüren. „Wir standen alle da und haben einfach nur zugeschaut.“

Die Feuerwehr musste warten, bis der Turm heruntergebrannt war, erst dann konnte sie den Brand löschen. „Wenigstens war kurz zuvor eine Brandschutzversicherung abgeschlossen worden, so dass es zumindest eine finanzielle Sicherung gab. Trotzdem wurde am nächsten Tag erst einmal beratschlagt: Wie sollte es nun weitergehen? Es habe Überlegungen gegeben, die Bibliothek ins Klosterareal zu verlegen, aber die Bürgerschaft wollte sie in der Aumühle.

Schon damals sei klar gewesen, dass sie mit ihrer neuen Stadtbibliothek mehr vorhatten als nur einen Standort zum Bücher-Ausleihen. „Wir wollten einen Ort mit Aufenthaltsqualität“, sagt Staude. Das haben sie erreicht, auch durch das Lesecafé – eingerichtet im ehemaligen Pferdestall der Mühle und lange ein Streitpunkt. Das Café ist heute eines der Merkmale der Bibliothek, für das sie auch bekannt und ausgezeichnet worden ist.

Im März 1990 konnte die Stadtbibliothek in der Aumühle endlich eröffnet werden, und sie wurde als „Meilenstein der Kulturpolitik für ganz Bayern“ gefeiert, so der eingeladene Staatssekretär. Bald war der Erfolg der Aumühle zu sehen, rund 600 Besucher verzeichnete sie in den ersten Jahren, das war viel für eine Stadt wie Fürstenfeldbruck.

Das Hochwasser

Das Pfingsthochwasser im Jahr 1999 überschwemmte auch das Lesecafé.

1999 folgte mit dem Pfingsthochwasser die zweite Katastrophe der Aumühle: Die nahegelegene Amper überschwemmte nahezu das gesamte Erdgeschoss. „Das Wasser kam zwischen den Fugen der Bodenkacheln hoch“, erzählt Barbara Staude. Es sei bis 60 Zentimeter gestiegen. „Wir konnten nichts mehr machen, keine Computer anschalten, keine Bestellungen vorbereiten. Wir waren lahmgelegt – komplett.“

Mit dem Wasser kamen die Ratten und lebten sich in der Aumühle ein, bauten Nester. „Das vergisst man nie“, sagt Staude. „Ich kann heute noch riechen, wenn sich irgendwo eine Ratte herumtreibt.“ Sie durften das Haus nicht mehr betreten, bis der Schädlingsbekämpfer alle Tiere ausgerottet hatte.

Literweise Desinfektionsmittel verbrauchte die damalige Leiterin Barbara Staude mit ihrem Team.

Danach musste die Aumühle von oben bis unten feingereinigt werden: Wochenlang schwang sich das Bibliotheksteam jeden Tag in Schutzanzüge und wusch jedes Buch, jedes Regal ab. „Wir mussten das selbst machen, sonst hätten wir nie mehr Vertrauen in unsere Amtsräume gehabt“, erzählt Barbara Staude. „Das war eine Riesenleistung.“

Der Teamgeist

Auch für die heutige Bibliotheksleiterin Diana Rupprecht ist es der besondere Teamgeist, der die Aumühle ausmacht. Und es ist ihr ebenso ein Anliegen, aus der Bibliothek einen Treffpunkt zu machen. „Wir müssen uns als Bibliothek immer wieder neu erfinden“, sagt sie. „Dabei versuchen wir, das Alte, Traditionelle mit dem Neuen, Aktuellen zu kombinieren.“

Noch heute sind Mitglieder der ersten Stunde im Team um (v.l.) Beate Lehr, Stefanie Vielweber, Heidi Kirchhoff und Leiterin Diana Rupprecht.

Im Team gibt es immer noch Mitglieder, die seit der ersten Stunde mit dabei sind und geholfen haben, die Aumühle einzurichten. „Ich habe nie loslassen können“, sagt Architektin Heidi Kirchhoff, die als Praktikantin angefangen hat. Auch ihre Kolleginnen Beate Lehr und Stefanie Vielweber sagen: „Diese Atmosphäre gibt‘s sonst nirgendwo.“

Corona

Nach Brand und Hochwasser kam heuer die Corona-Pandemie. Nach dem ersten Lockdown im Frühling musste die Stadtbibliothek im Dezember erneut schließen. Es wird aber Online-Veranstaltungen geben und auch digitale Medien können ausgeliehen werden. Auf der Internetseite www.stadtbiblitohek-fuerstenfeldbruck.de finden sich Medientipps. Die Jubiläumsfeiern im Frühjahr fielen der Pandemie ebenfalls zum Opfer. Sie sollen im Mai nachgeholt werden. Verena Schmöller

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