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Über 500 Geldstücke umfasst die Münzsammlung, die Rolf Marquardt der Bürgerstiftung für den Landkreis in einem Fonds stiftet. Dazu kommen noch Aktien. Der Erlös des Fonds kommt dem Historischen Verein um die Vorsitzende Anna Ulrike Bergheim zu Gute.

Bürgerstiftung für den Landkreis

500 Münzen aus der Römerzeit: Neue Stiftung kommt Historikern zu Gute

  • Eva Strauß
    vonEva Strauß
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Eine Münzsammlung und ein Aktienpaket: Daraus besteht ein neuer Fonds, den die Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck gemeinsam mit ihrem Mitbegründer Rolf Marquardt ins Leben gerufen hat. Davon profitieren wird vor allem der Historische Verein.

FürstenfeldbruckDie Sammlung umfasst über 500 Geldstücke aus der römischen Kaiserzeit und aus der Epoche, als Augsburg freie Reichsstadt war und das Münzrecht hatte (1500 bis 1802). Ihren Wert schätzt Günther Bertram, Finanzvorstand bei der Bürgerstiftung, auf rund 40 000 Euro. Aber es hänge natürlich immer von der Nachfrage ab. Sprich: Die Sammlung ist so viel wert, wie jemand zu zahlen bereit ist.

Die Sammlung umfasst Münzen aus der römischen Kaiserzeit und der Epoche, als Augsburg freie Reichsstadt war. Damals besaß sie das Münzrecht und konnte selbst Geldstücke prägen.

Verkauft werden sollen die Münzen, die Marquart seit den 1960er-Jahren gesammelt hat, aber nicht. Sein Ansinnen war vielmehr, dass die Sammlung dauerhaft erhalten bleibt. „Aber weder Sohn noch Enkel sammeln“, erzählt Marquardt, der lange Jahre Leiter des Arbeitskreises für Vor- und Frühgeschichte im Historischen Verein war. So sei die Idee zu dem Fonds entstanden.

Marquardts Sammelleidenschaft wurde in den 1960er-Jahren geweckt. Damals zeigte ihm ein Arbeitskollege seine Münzen. „Und da ist mir eingefallen, dass ich noch welche von meinem Großvater habe, unter anderem einen Taler von Ludwig II.“

Anfangs interessierte er sich nur für deutsche Kleinmünzen. Doch das änderte sich, als ihm eine Bekannte einen Denar von Caracalla aus der Römerzeit geschenkt hat. „Geld war damals so etwas wie Facebook oder Instagram“, sagt Marquardt. „Die Kaiser haben dem Volk so ihre Taten und Ziele mitgeteilt.“ Vorne auf der Münze war immer der Kopf drauf und hinten eine Botschaft in Form eines Bildes wie zum Beispiel der Friedensgott. „Da wussten die Leute dann, dass dieser Kaiser nicht Krieg führen wollte.“

Über die Jahre kamen immer mehr Geldstücke zusammen: Die Sammlung umfasst Münzen mit allen Kaisern von Augustus (seit 27 v. Chr.) bis Theodosius (gestorben 450), ihren Mitregenten, Ehegattinen und Gegenkaisern.

Für die Augsburger Münzen interessierte sich Marquardt, weil er in der Stadt geboren ist. Zu dieser Sammlung gehört auch der sogenannte Batzen. Dieses Silberstück war ein beliebtes Zahlungsmittel – und darauf geht auch der Begriff „ein Batzen Geld“ oder das Sprichwort „eine gute Ausrede ist drei Batzen wert“ zurück. Wie viel ein Batzen wert war, ist schwer zu sagen. Das hängte immer von der jeweiligen Zeit ab. Um 900 bekam man beispielsweise in Bern für einen Batzen 160 Hühner oder 5,3 Kilogramm Getreide.

„Münzen können viel erzählen“, ist Anna Ulrike Bergheim, Vorsitzende des Historischen Vereins, überzeugt. Die Sammlung von Marquardt wird das aber vorerst nicht tun können. Sie landet wieder im Tresor. „Wir wollen aber eine Klasse oder ein Geschichts-P-Seminar finden, die sich damit beschäftigen und eventuell einen Bezug zum Landkreis entdecken“, erklärt Bergheim. So werde Geschichte erlebbar. Zudem ist angedacht, Teile der Sammlung in Sondersaustellungen zu zeigen.

Zweiter Teil des Fonds ist ein Aktienpaket. Das Geld, das über diese generiert wird, soll dem archäologischen Museum zugutekommen. So plane man unter anderem eine Medienstation. Der „Karin und Rolf Marquardt Fonds der Bürgerstiftung“ ist offen, das heißt, Interessierte können in ihn zustiften, sei es in Form von Geld oder Sachspenden. Das war auch ein Wunsch des Gründers.

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