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Die Partei „Die Partei“ hatte Axel Lämmle beim Abschied ein Plakätchen gewidmet.

Im Stadtrat Fürstenfeldbruck

Abschied mit bitterem Nachgeschmack

Der Abschied des SPD-Politikers Axel Lämmle aus dem Brucker Stadtrat liegt schon einige Wochen zurück. Trotzdem sorgt er immer noch für Diskussionen. Kritiker werfen OB Raff vor, nicht angemessen gehandelt zu haben.

Fürstenfeldbruck – Lämmle hatte dem Stadtrat ehrenamtlich 15 Jahre lang angehört. Im Aufsichtsrat der Brucker Stadtwerke saß Lämmle zwölf Jahre. Er polarisierte, gehörte aber auch zu den stadtbekannten Gesichtern der Brucker Politik. In beiden Gremien jedoch gab es bei der Verabschiedung kein offizielles Wort des Dankes oder der Anerkennung. Von einem Geschenk ganz zu schweigen.

Aufs Tapet kam das Thema jetzt erneut im Stadtrat, wo Walter Schwarz (SPD) das Vorgehen namentlich im Aufsichtsrat kritisierte. Lämmles Tätigkeit sei in keiner Weise thematisiert worden. „Diese Tatsache hat mich sehr gestört.“ Tags darauf fügte Schwarz an: „Bei jedem Verein bekommt man einen Blumenstrauß oder eine Flasche Wein.“ Lämmle dagegen habe nichts dergleichen bekommen. „So was gehört sich nicht.“ Auch OB Erich Raff, der Vorsitzende des Aufsichtsrates, hätte „über seinen Schatten springen müssen“, findet Schwarz.

Svenja Bille von der Brucker SPD hatte sich schon Anfang Juni via Leserbrief zu Wort gemeldet. Trotz aller Härte der Auseinandersetzung sei das Verhalten des OB bei der Verabschiedung Lämmles nicht zu entschuldigen, schrieb sie. Ein Abschiedsgeschenk wäre angesichts der vielen Jahre ehrenamtlicher Tätigkeit angemessen gewesen, fand sie. Auch der Stadt- und Kreisrat Jan Halbauer (Grüne) hat den offiziellen Abschied als unwürdig erlebt, wie er auf Nachfrage sagte. Er bedauert, dass der OB kein einziges Wort verlor.

Andere Beobachter wiederum schildern die vielen Wortmeldungen aus den Fraktionen zu Lämmles Abschied, der damit sehr wohl umfassend gewürdigt worden sei. Angesichts der schweren Vorwürfe Lämmles gegen OB Raff sei dessen Zurückhaltung sehr verständlich, hieß es.

Das sagt der OB

Raff selbst betont, dass es ja sehr wohl die offizielle Verabschiedung samt Beschlussfassung gegeben habe. In Anbetracht der teils auch persönlichen Vorwürfe gegen ihn selbst noch am Tag der Verabschiedung sei er davon ausgegangen, dass Lämmle kein Dankeswort von ihm erwarte. Er habe den Eindruck gehabt, dass Lämmle auch keinerlei Wert darauf lege, von ihm etwas geschenkt zu bekommen, so Raff. Also habe er auch darauf verzichtet.

Klare Regelungen im Umgang mit Abschieden aus dem Stadtrat gebe es nicht – übrigens genau wie im Kreistag, wo die Praxis freilich dann doch eine andere ist. Hier hatte Lämmle bei seinem Abschied vor wenigen Jahren ein kleines Präsent (Schreibset mit Kreis-Wappen und Namenszug) erhalten, obwohl er dem Gremium nur vier Jahre (und das keineswegs als Frontmann) angehört hatte. Bei den Abschiedsgeschenken werde immer auf die Dauer der Zugehörigkeit geachtet, sagte eine Sprecherin der Kreisbehörde auf Nachfrage.

Die Geschenke seien eine freiwillige Sache, aber doch wichtig – und das ganz unabhängig von der politischen Position eines zu Verabschiedenden. Es gehe um die über den Tag hinaus und jenseits persönlicher Befindlichkeiten zu beurteilende Wertschätzung einem demokratisch gewählten Politiker gegenüber, sprich um Anerkennung, so die Sprecherin. „Außerdem sollen die Geschenke auch eine Erinnerung an uns sein.“ Axel Lämmle selbst hätte ein paar Worte zum Abschied schon erwartet, wie er am Mittwoch auf Nachfrage sagte. Mehr nicht.  rat/st

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