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Das Brucker Rathaus.

Fürstenfeldbruck

Abschied nach vielen Jahren: Was Stadträten in Erinnerung bleibt

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
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  • Stefan Reich
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Sie saßen zwischen 42 und sechs Jahre im Stadtrat. Nun endet für 13 Politiker ihre Zeit als Mandatsträger. Einige blicken auf die lange Zeit zurück und verraten, ob sie mit Wehmut oder Zufriedenheit gehen.

FürstenfeldbruckDie letzte Sitzung der laufenden Amtsperiode hätte den Rahmen bieten sollen für eine Verabschiedung der ausscheidenden Stadträte. Immerhin 13 der 40 Mandatsträger werden dem neuen Stadtrat nicht mehr angehören. Nun aber gibt es corona-bedingt nur noch einen Ferienausschuss, in dem für Zeremoniell kein Raum ist.

Ulrich Schmetz

42 Jahre gehörte Ulrich Schmetz dem Stadtrat an. Würde er sich mit all den Erfahrungen nochmal darauf einlassen? „Ich würde es genauso wieder machen. Aber jetzt muss man den Jüngeren Platz machen.“ Schmetz war 25 Jahre alt, als er sich 1972 für die SPD erstmals zur Wahl stellte. 1978 gelang der Einzug in den Stadtrat. Von da an saß er im Planungsausschuss, kümmerte sich vor allem um die Themen Bauen und Wohnen. Dass die Stadt einst einen Teil ihrer Wohnungen verkaufte, findet er bis heute nicht richtig. Auch hätte er gerne erreicht, dass die Stadt nun die niedrigen Zinsen nutzt, um wieder mehr Wohnungen zu bauen. „Was passiert, ist ein Tropfen auf den heißen Stein.“

Zu den Meilensteinen des Stadtrates in den letzten vier Jahreszehnten zählt Schmetz die Entscheidung zum Erwerb des Klostergeländes. „Das hat uns mehrere Wahlperioden beschäftigt.“ Zu den wichtigsten Aufgaben für künftige Stadträte zählt er die Konversion des Fliegerhorstes und die Entwicklung von Aumühle und Lände. „Beim Architekten-Wettbewerb zur Aumühle bleibe ich auch weiterhin in der Jury.“ Als AWO-Vorsitzendem und Mitglied in drei Stiftungsräten und 27 Vereinen werde ihm sicher nicht langweilig.

Walter Schwarz

Schmetz hatte seinen Rückzug schon lange angekündigt, sein Fraktionskollege Walter Schwarz war nochmal auf einem hinteren Listenplatz angetreten. Seine Bilanz nach 22 Jahren fällt gemischt aus: viel angestoßen, aber bei zu wenigen Themen auch noch als Stadtrat die Umsetzung erlebt. Die letzte Phase war geprägt von Auseinandersetzungen mit OB Erich Raff. Die hätten, so Schwarz, in unterschiedlichen Auffassungen zu seinem persönlichen Lieblingsthema ihren Ursprung: den Sportstätten.

Schwarz war ab 1970 SPD-Gemeinderat in Emmering. Nach einem Umzug kandidierte er 1996 für den Brucker Stadtrat und zog 1998 als Nachrücker ein. Als ehemaliger Eishockey- und Fußballspieler sah er bei den Sportanlagen, nachdem bis 2001 viel Energie in das Klosterareal geflossen sei, einen großen Nachholbedarf. Er habe erreicht, dass ein Sportbeirat gegründet und ein Gesamtkonzept erstellt worden sei. Doch das Konzept für das Sportzentrum im Westen sei wieder gekippt worden und für den Fliegerhorst gebe es noch gar kein Detailkonzept. Jenseits des Themas Sport harre auch die von ihm angestoßene und 2014 beschlossene Errichtung des Westparks seit Jahren der Umsetzung, beklagt Schwarz. Erfolgreich beantragt habe er unter anderem die Einführung regelmäßiger Finanzberichte der Verwaltung an den Stadtrat und mehrmals die Erhöhung der Gewerbesteuersätze.

Gabriele Fröhlich

Mit einem klaren persönlichen Fazit verzichtete Gabriele Fröhlich auf eine erneute Kandidatur. „Ich bin nicht unbedingt zum Politiker-Dasein geboren“, sagt die 63-Jährige. Die Architektin hatte sich 2002 erstmals für die Freien Wähler aufstellen lassen, aber nur, um deren Liste aufzufüllen. Danach brachte sie sich aber vor allem zu Stadtentwicklungsthemen in die FW-Ortsgruppe ein. Von der wurde Fröhlich dann, als 2008 der als Bürgermeisterkandidat vorgesehene Franz Neuhierl krankheitsbedingt ausfiel, ins Rennen geschickt. Oberbürgermeisterin wurde sie freilich nicht, aber Mitglied im Stadtrat und dessen Planungsreferentin. Doch 2013 verließ sie die FW-Fraktion nach einem Streit um die Spitzenkandidatur für 2014. Uli Schmetz lotste sie zur SPD, auf deren Liste sie als Parteilose antrat. Trotz ungünstigem Listenplatz wurde Fröhlich gewählt. Aber als Teil einer größeren Fraktion und ohne das jetzt den Grünen zugesprochene Amt der Planungsreferentin habe sie „bei Weitem nicht mehr so viel bewirken können“.

Und mit dem Dauerzoff, der zuletzt im Stadtrat geherrscht habe, habe sie sich nicht wohlgefühlt. Dennoch sei sie „dankbar für das, was ich in den zwölf Jahren bewegen konnte“. Als ihren persönlichen Erfolg sieht Fröhlich vor allem das Nachnutzungskonzept für den alten Standort des Graf-Rasso-Gymnasiums.

Beate Hollenbach

„18 Jahre sind genug“, sagt Beate Hollenbach. Die frühere Geschäftsführerin der Ökumenischen Nachbarschaftshilfe ließ sich nicht mehr auf die CSU-Liste setzen. In dieser Zeit habe sie viel gelernt. Alt-OB Sepp Kellerer habe ihr einmal gesagt, als sie wieder ungeduldig gewesen sei: „Es gibt Dinge, die muss man aussitzen.“ Und auch, dass nicht immer sachliche, auf ein Ziel gerichtete Teamarbeit funktioniert. „Diese Arbeitsweise hat in den vergangenen sechs Jahren gar nicht mehr funktioniert.“ Hollenbach hat stets versucht, mit anderen Fraktionen und Bürgern zu sprechen, auch wenn es nicht immer Lob gegeben habe. Als Personalreferentin war ihr wichtig, die München-Zulage noch einzuführen. Auch für die Bauhof-Mitarbeiter hätte sie gerne mehr erreicht, doch das scheiterte an der Gewerkschaft. Jetzt freut sich die zweifache Großmutter auf Zeit mit ihren Enkelinnen und auch darauf, nicht mehr jeden Tag nach dem Terminkalender auszurichten.

„Das hat mich zunehmend gestört.“ Statt Sitzungen warten nun Kajak-Fahren auf Allgäuer Seen, Bergsteigen, Walken und Radfahren.

Herwig Bahner

Nach vier Wahlkämpfen für die CSU kandidierte Herwig Bahner diesmal für die FDP – da Klaus Wollenberg das einzige Mandat errang, bedeutete das nach 30 Jahren das Aus. Im Groll oder enttäuscht geht Bahner nicht. Er sei sein halbes Leben Stadtrat gewesen, sagt der 60-Jährige. „Es ist Zeit geworden.“

1984 verpasste er den Sprung noch, war aber als Begründer des Rathausreports nahe dran am Geschehen. 1990 wurde Bahner gewählt – der Beginn turbulenter sechs Jahre mit drei Lagern in der Fraktion. „Es war die interessanteste Legislaturperiode“, sagt er im Rückblick. Bereits nach zwei Jahren wurde er Fraktionsvorsitzender und blieb es bis zur Wahl 2014. Er habe einen Stimmungswechsel eingeleitet und mit allen gesprochen. So habe er für viele Jahre eine Befriedung des Klimas im Stadtrat erreicht. „Ich hätte gerne noch eine Lösung für die Verkehrsproblematik gehabt.“ Doch die Deichenstegtrasse war mit dem verlorenen Ratsbegehren vom Tisch. Seine Regel lautete: „Nie etwas gegen den erklärten Willen der Betroffenen entscheiden und so, dass man am nächsten Tag in den Spiegel schauen kann.“ Nun freut sich der Leiter des Bundeswehrdienstleistungszentrums am Fliegerhorst auf mehr Zeit mit der Familie und Reisen, wenn es Corona wieder zulässt.

Klaus Quinten

Mit 72 Jahren habe er jetzt ein gutes Alter, um als Stadtrat aufzuhören, findet Klaus Quinten. Vor 20 Jahren fand er es, damals aus familiären und beruflichen Gründen, schon einmal an der Zeit aufzuhören. 1984 war er mit der BBV in den Stadtrat eingezogen und blieb bis zum Jahr 2000. In dieser Zeit, erinnert er sich, „sah man sich immer einer festen Mehrheit aus CSU und Freien Wählern gegenüber“. Da habe man höchstens über die Öffentlichkeit, etwa zu ökologischen Themen, etwas bewegen können.

Das war anders ab 2014, als sich Quinten nach seiner Pensionierung noch einmal wählen ließ. „Dann gab es einen Trend zur Zersplitterung.“ Erfolge habe man als BBV in dieser Zeit aber erringen können, etwa dass nun eine Satzung zur Zweckentfremdung von Wohnraum erarbeitet werde. Der Schutz von Privateigentum, aber auch dessen Verwendung zum Wohle der Allgemeinheit sei für ihn immer eine Leitlinie gewesen. Vor seiner Stadtratspause sei vor allem der Einsatz für kleinere Kulturstätten wie das Haus 10 oder die Bildhauerwerkstatt erfolgreich gewesen. Zu seinem Bedauern nicht erfolgreich waren Quinten und die BBV bislang mit ihrem Einsatz für eine Eishalle. „Aber auch da bewegt sich ja jetzt etwas.“

Tommy Beer

Mit Wehmut scheidet Tommy Beer nach 18 Jahren aus. „Ich habe das Gefühl, es ist Zeit, dass andere drankommen“, sagt der 44-Jährige. Als Höhepunkt sieht der BBV-Politiker die Wahl von Klaus Pleil zum OB. „Das hat Spaß gemacht, da herrschte Aufbruchsstimmung, Dinge anders anzugehen.“ Umso trauriger war seine Krankheit und die Amtsunfähigkeit.

Als Jugendreferent lag Beer die Stadtjugendratswahl und die Beteiligung stets am Herzen. Es sei schwierig gewesen. Auch die interfraktionelle Zusammenarbeit hätte besser laufen können. Auch dass zuletzt immer weniger Sachpolitik gemacht wurde, störte ihn zunehmend. „Es war eine tolle Aufgabe“, sagt er im Rückblick. Die gewonnene Zeit will er seiner Familie widmen. Auch seine Stunden als Leiter des Bereichs für Kinder, Jugend und Familienhilfe bei der Caritas hat er aufgestockt. Bei der BBV bleibt er aktiv und auch eine erneute Kandidatur für den Stadtrat schließt er nicht aus.

Sie scheiden auch aus:

Jens Streifeneder (BBV, 30 Jahre), Hardy Baumann (BBV, 20), Rolf Eissele (CSU, 12), Claudia Calabro (SPD, 12), Simone Görgen (CSU, 6) und Dieter Pleil (BBV, 6).

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