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Die Betreiber weisen mit einem Wortspiel auf die Gebührenerhöhung und auf den höheren Parkpreis bei der Stadt hin.

Erst jetzt weisen Schilder auf Verteuerung hin

Abzocke nach stiller Gebühren-Erhöhung

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Erst erhöhte sie unbemerkt die Preise, dann zockte sie Brucker Pendler ab: Die Firma, die den Parkplatz am Brucker S-Bahnhof betreibt, sieht sich schwerer Kritik ausgesetzt. Jetzt hat sie mit Schildern darauf reagiert – und meint, dass die Brucker selbst schuld seien.

FürstenfeldbruckAlfons Lutz (79) aus Emmering fuhr am Montag mit der S-Bahn nach München, um Freunde zu treffen. „Ich stellte mein Auto wie immer auf dem Parkplatz in der Oskar-von-Miller-Straße ab, warf die üblichen 1,20 Euro in den Automaten und legte das Ticket ins Auto. Bis letzten Donnerstag hatte das perfekt funktioniert.“

Was Lutz nicht wusste: die Firma Conti Park aus Berlin, die die Anlage im Auftrag der Deutschen Bahn verwaltet, hatte zum Dezember den Preis für das Tagesticket von 1,20 Euro auf 1,50 Euro erhöht. „Statt wie gewohnt ein Tagesticket in mein Auto zu legen, galt der Parkschein nur knapp über zwei Stunden“, berichtet Lutz. Bei der Rückkehr erwartete ihn daher ein Bußgeldbescheid – 30 Euro verlangte Conti Park.

Auch Anna Lutzeier (67) erging es ähnlich. Sie wollte am Montag zum Einkaufen nach München und dachte zunächst, der Zettel unter dem Scheibenwischer sei Werbung. „Erst Zuhause sah ich dann die Überraschung. An einen Bußgeldbescheid hätte ich nie gedacht.“

Lutz und Lutzeier ärgern sich besonders über die Höhe der Strafe. „Selbst ein Monatsticket kostet nur zehn Euro“, meint Alfons Lutz. „Auch die Stadt nimmt für Falschparken nur 15 Euro. Wegen eines Versehens von 30 Cent jetzt 30 Euro Strafe zahlen zu müssen, ist unverhältnismäßig.“ Anna Lutzeier stimmt zu: „30 Euro sind total überzogen.“

Unbekannte warnten vergangene Woche vor der Preiserhöhung mit einem selbst gemalten Schild.

Die Parkplatzbetreiber verlangten von den beiden Pendlern außerdem noch eine Bearbeitungsgebühr in Höhe von 1,20 Euro. „Ich kann nicht erklären, warum“, sagt Lutz. Anna Lutzeier vermutet: „Der Betrag setzt sich zusammen aus 30 Euro Strafe und der Tagesparkgebühr. Dass selbst die Firma Conti Park diese noch mit dem alten Betrag von 1,20 Euro beziffert, ist schon bizarr.“

Ähnlich wie Alfons Lutz und Anna Lutzeier ging es zum Wochenanfang vielen Bruckern. Der Parkplatz ist gerade bei Menschen beliebt, die mit der S-Bahn zum Arbeiten oder Einkaufen nach München fahren. Das Tagesticket ist dafür die ideale Option. „Für die Parker war es fast unmöglich, die Preissteigerung mitzubekommen“, klagt Anna Lutzeier. Nur die klein geschriebene Gebührenaufstellung am Automaten wies den erhöhten Betrag aus. „Wer schon seit Jahren in der Oskar-von-Miller-Straße parkt, verschwendet in der Regel keinen Blick auf eine seit Jahren unveränderte Liste. Die Menschen gehen davon aus, auf wichtige Veränderungen hingewiesen zu werden“, sagt Anna Lutzeier.

Conti Park zeigte sich von den Beschwerden zunächst unbeeindruckt. Auf Anfrage erklärte eine Sprecherin, dass die Brucker selbst Schuld seien. Die geänderte Gebühr sei am Automaten klar vermerkt, auch auf dem Ticket stehe die genaue Laufzeit. Wer nicht nachschaue, was er kauft, müsse eben mit den Konsequenzen leben. „Preissteigerung sind ja normal“, so die Mitarbeiterin vom Kundendienst. Alfons Lutz sieht das anders: „Auf so eine wichtige Änderung muss man die Kunden aufmerksam machen. Sonst stellt man ihnen eine Falle.“

Die Pendler unterdessen versuchten sich in Solidarität. Ein unbekannter Helfer brachte in der vergangenen Woche ein Warnschild am Automaten an. „Neuer Tarif: 1,50 Euro Tagesticket. Ab sofort“, steht da in großen, bunten Buchstaben. Alfons Lutz freute das: „Das ist eine gute Lösung. Es ist wichtig, dass die Menschen gewarnt werden.“ Auch Anna Lutzeier stimmte zu: „Endlich weiß jeder Bescheid. So muss das sein.“

Am Montag reagierte auch Parkplatzbesitzer Conti Park. Auf großen roten Schildern wirbt die Firma jetzt damit, dass die Tagesparkgebühr mit 1,50 Euro immer noch 50 Cent billiger sei als das das Tagesticket am nahe gelegenen Parkdeck der Stadt – so werden die Pendler nun doch noch in relativ auffälliger Manier auf die Erhöhung hingewiesen – nur halt durch die Hintertür und mit einem Seitenhieb auf Bruck.

Von Christian Masengarb

Ganz Nebenbei

Mit Wortspielen muss man vorsichtig sein. Sie müssen schon sehr gut überlegt und formuliert sein, um zu treffen. Wenn nicht, schlägt das Wortspiel sehr unsanft auf den Verursacher zurück und lässt ihn eher dumm da stehen. Ein solches Beispiel ist auf dem Foto zum nebenstehenden Artikel zu bewundern. „Tag 1,50 Euro – stadt 2 Euro“ hat der Betreiber eines Parkplatzes am Brucker Bahnhof auf sein Schild geschrieben. Das „stadt“ soll natürlich „statt“ und „Stadt“ auf einen Nenner bringen – schlimmer geht’s wirklich nimmer. 

Von Klaus Greif

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