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50 Jahre S-Bahn: Ärger gab es schon damals

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Eröffnungsfahrt der S-Bahn zum zweigleisigen Betrieb zwischen Freiham und Weßling. Foto ist aufgenommen am Bahnhof Germering. 

Erstbefahrung der Strecke 28. Mai 197
Eröffnungsfahrt der S-Bahn zum zweigleisigen Betrieb zwischen Freiham und Weßling. Foto ist aufgenommen am Bahnhof Germering. Erstbefahrung der Strecke 28. Mai 197 (hier als Beispielfoto) © Stadtarchiv Germering

Tarifchaos bei der S-Bahn, überforderte Mitarbeiter und genervte Fahrgäste: Was für so manchen Pendler nach heutigem Alltag klingt, gab es schon ganz zu Beginn des Münchner S-Bahn-Zeitalters vor 50 Jahren.

Fürstenfeldbruck – Das S-Bahn-Verbund-System, das das Münchner-Umland mit der Stadt verbindet, ist gerade einmal seit vier Tagen in Betrieb. Mit viel Pomp eröffneten am Freitag, 26. Mai, 1972, Vertreter der Bundesbahn und des Münchner Verkehrsverbunds (MVV) gemeinsam mit den lokalen Bürgermeistern die neue Verbindung mit einer Sternfahrt zum Marienplatz.

Die Idee für das Verbundsystem gab es laut Deutscher Bahn schon vor dem Zweiten Weltkrieg. Beschlossen wurde es allerdings erst Mitte der 1960er-Jahre. Mit der Vergabe der Olympischen Spiele an die Stadt München am 25. April 1966 „zündete an diesem Tag der Turbo“, so die Bahn. Nur 50 Tage nach der Vergabe begann der Startschuss für das Projekt Verbundsystem.

So berichtete das Tagblatt vor 50 Jahren über die ersten Erlebnisse von Fahrgästen mit der S-Bahn.
So berichtete das Tagblatt vor 50 Jahren über die ersten Erlebnisse von Fahrgästen mit der S-Bahn. © mm

Ende April 1972 nahm die S-Bahn-München dann ihren Betrieb auf. Nicht ganz einen Monat später folgte das Umland. Aber es lief nicht alles rund: „Verbundfahren ist wenig erfreulich“, erklärte damals ein Schichtarbeiter gegenüber dem Fürstenfeldbrucker Tagblatt. Grund war das unübersichtliche Zonensystem. Auch ein Anruf bei einer Informationsstelle schaffte keine Abhilfe. Und die Schalterbeamten in Fürstenfeldbruck bestätigten: „Pausenlos bitten Fahrgäste um Auskunft und wir wissen über manche auftretende Probleme oft auch nicht Bescheid“. Doch damit nicht genug. Der S-Bahn-Tunnel am Hauptbahnhof stellte sich als Nadelöhr heraus, wodurch es schwierig war, den geplanten 30-Minuten-Takt einzuhalten.

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Trotz allem bewährte sich die neue Verbindung. Mit 430 000 Fahrgästen pro Tag wurde die Bahn schon im ersten Jahr fast doppelt so häufig genutzt wie ursprünglich prognostiziert. Bis heute hat sich die Zahl noch einmal verdoppelt. Auch die Taktung der Züge ist heute mit 20 beziehungsweise zehn Minuten deutlich höher. Zwei große Tarifreformen in den Jahren 1999 und zuletzt 2019 sollten zudem für eine „einfachere und klarere Tarifstruktur“ sorgen, so die Münchner Verkehrsgesellschaft. Zumindest laut MVV-Kundenbarometer ist das auch gelungen.

Übrigens: Wäre der Schichtarbeiter 1972 richtig beraten worden, er hätte laut Fachabteilung des MVV für eine Monatskarte von Fürstenfeldbruck nach München umgerechnet 25,10 D-Mark bezahlen müssen. Heute unvorstellbar.  pat

Auch interessant: Geschichte und Umstände der drei S-Bahn-Linien im Landkreis FFB.

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