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Zu Pfingsten trägt die Madonnenstatue blau: Gerhard Sand, Verwalter von Schloss Hofhegnenberg, präsentiert das Marienbildnis, das dem Feuer trotzte. 

Der 30-Jährige Krieg im Landkreis 

Als der Schwedenkrieg in die Region Fürstenfeldbruck kam

Für historisch Interessierte ist der 23. Mai 2018 ein besonderer Tag: An diesem Datum jährte sich der Prager Fenstersturz und damit der Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges zum 400. Mal. Auch die Menschen im Landkreis Fürstenfeldbruck bekamen die blutige Auseinandersetzung um die Hegemonie im Heiligen Reich Deutscher Nation und in Europa am eigenen Leib zu spüren.

Fürstenfeldbruck – Der Dreißigjährige Krieg zwischen 1618 und 1648, im Volksmund als „Schwedenkrieg“ bekannt, bedeutete einen tiefen Einschnitt in der deutschen Geschichte. Er begann als Religionskrieg zwischen der Katholischen Liga und der Protestantischen Union. Ein Krieg, dessen Auswirkungen die Bevölkerung auf deutschem Boden um sechs Millionen dezimierte. Ein Krieg, der auch über das Brucker Land Tod und Elend brachte – und vor keiner Haustür halt machte.

Auslöser war der Prager Fenstersturz, in dem der Aufstand der protestantischen böhmischen Stände gipfelte. Fenstersturz deswegen, weil zwei königliche Statthalter sowie der Kanzleisekretär von den Aufständischen aus dem Fenster 17 Meter in den Burggraben geworfen wurden.

Zuerst wurden die Steuern erhöht

Danach begann das Hauen und Stechen. In den ersten Kriegsjahren blieben Bayern und somit auch der Landkreis von den Kriegshandlungen verschont. Die Untertanen mussten lediglich höhere Steuern zahlen, damit die hohen Herren ihre Auseinandersetzungen finanzieren konnten. Das änderte sich aber schlagartig mit dem Kriegseintritt des schwedischen Königs Gustav Adolf im Jahr 1630, der die Kräfteverhältnisse zugunsten der Protestanten grundlegend verschob.

Nun beginnt die Zeit des Schreckens

Als Gustav Adolf 1632 bei Rain am Lech den berühmten Liga-Feldherren Tilly geschlagen hatte, war der Weg für seine Truppen nach Altbayern geebnet. Noch im selben Jahr wurde München kampflos eingenommen. Auch für die Menschen im Landkreis Fürstenfeldbruck begann nun eine Zeit des Schreckens und der Grausamkeit.

Tagebuch des Abtes wichtigste Quelle

Insgesamt ist die Quellenlage aus der damaligen Zeit recht dürftig. Ein Großteil der ohnehin raren schriftlichen Unterlagen wurden bei den zahlreichen Brandschatzungen vernichtet. Das wichtigste erhaltene Zeugnis der Kriegshandlungen und deren Folgen für die Region ist das Tagebuch des damaligen Abtes von Andechs, Maurus Friesenegger. „Daraus kann man auch viel für den Landkreis ableiten“, sagt Kreisheimatpfleger Toxi Drexler.

Exzesse jeglicher Art

In den Jahren 1632 bis 1634 sowie von 1646 bis 1648 traf die Wucht des Dreißigjährigen Krieges die Region um Fürstenfeldbruck unmittelbar. Es war der 17. Mai 1632, als die Schweden auf Befehl Gustav Adolfs erstmalig in Bruck einfielen, das Kloster Fürstenfeld plünderten und Teile des Klostergebäudes in Brand steckten. „Die Schweden hausten übel in der Gegend und begingen Exzesse jeglicher Art“, heißt es in der von Otto Bauer publizierten Ortschronik von Fürstenfeldbruck.

Beim Angriff der Schweden auf Bruck soll unter anderem der Pfarrvikar von Pfaffing und Bruck, Pater Sigismund Barth, auf der Amperbrücke erschossen worden sein. Zudem gerieten zwei Mönche des Klosters in Geiselhaft, im Dezember 1633 dann noch einmal sieben Konventualen.

In Höhlen am Parsberg versteckt

Aus Angst, Opfer von feindlichen Übergriffen zu werden, versteckten sich unterdessen viele Germeringer Dorfbewohner in den Wäldern und Höhlen am Parsberg. Viele vergruben ihr gesamtes Hab und Gut. Dass die Angst der Germeringer vor den schwedischen Truppen begründet war, zeigt sich bei den drei Überfällen zwischen 1632 und 1633, bei denen das Dorf in Brand gesteckt wurde. Doch nicht nur von den Schweden, sondern auch von der Gegenseite, der Katholischen Liga, ging Gefahr für die Bevölkerung aus: etwa durch die Raubzüge der Kroatischen Reiter.

Auch im westlichen Teil des Landkreises hat der Krieg seine Spuren hinterlassen. Die Gemeinde Egenhofen wurde in den 16 Jahren zwischen 1632 und 1648 gleich mehrmals geplündert und fast gänzlich niedergebrannt. 1634 fiel der Pfarrhof in Wenigmünchen den Flammen zum Opfer. „Auch Maisach wurde im Jahr 1632 gebrandschatzt“, sagt die Vorsitzende des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck, Anna Ulrike Bergheim.

Söldner suchen in Dörfern Nahrung

Obwohl sie zwar etwas entfernt von der wichtigen Verbindungsstraße von München nach Augsburg lagen, blieben auch die Dörfer der Hofmark Hofhegnenberg – Althegnenberg und Hörbach – von Raubzügen der Truppen nicht verschont. Auf der Suche nach Nahrung wichen die Soldaten von der Hauptroute ab und stahlen Vieh und Getreide. In Hörbach wurden bei den Übergriffen der sogenannte Widdumhof niedergebrannt und vier weitere Häuser zerstört. In Althegnenberg wurden drei Söldenhäuser komplett zerstört.

Wie die Madonna den wilden Reitern trotzte

Die Suche nach Dokumenten aus der Zeit des 30-jährigen Krieges ist mühsam, die Quellenlage für die Forscher dürftig. Doch im Gedächtnis der Bevölkerung ist eine Sage aus der Zeit bis heute lebendig geblieben. Sie schildert eine Begebenheit, die sich an der Grenze zum Landkreis Aichach-Friedberg nahe Althegnenberg ereignet haben soll. Ein schwedischer Reitertrupp, so wird erzählt, kam nach Hegnenberg. Die Männer kochten bei der Schloßkapelle am offenem Feuer geraubtes Geflügel. 

Dabei nahm einer der Reiter die Marienstatue vom Altar der Kapelle und warf sie ins Feuer. Drei Stunden lag die Muttergottes der Sage nach in den Flammen. Doch die Hitze und der Ruß konnten ihr nichts anhaben. Die Figur wurde nicht einmal schwarz. Das ärgerte den Soldaten so, dass er die Madonnenstatue wieder aus dem Feuer riss und unter lästerlichen Schmähworten weg warf. Danach befiel ihn panischer Schrecken. In aller Eile rafften die Schweden ihre Habseligkeiten zusammen und zogen davon. Die Marienfigur aber kam zurück an ihren angestammten Ort. Dort steht sie bis heute. Vier Mal im Jahr wird die Madonna umgezogen. Jetzt, zu Pfingsten, trägt sie ein blaues Kleid. Das Schloss Hofhegnenberg befindet sich heute in Privatbesitz. Das Gelände ist nur während eines Weihnachtsmarktes für die Öffentlichkeit zugänglich.

Immer wieder Unfälle

Besonders hart traf der Dreißigjährige Krieg die Bevölkerung in der Region 1634 sowie gegen Ende der Kämpfe von 1646 bis 1648. Bruck, Egenhofen, Maisach und viele andere Orte wurden immer wieder überfallen und geplündert. Auch das Kloster Fürstenfeld nahmen sich marodierende Truppen mehrmals vor. Die Menschen versteckten sich in den Wäldern. Doch wer Überfälle und Brandschatzungen überstanden hatte, für den ging die Leidenszeit oft erst richtig los. 

Bis heute gepflegt und in Ehren gehalten: Der ehemalige Kulturreferent Paul Weigl in der Jesenwanger Pestkapelle.

Nicht nur die unmittelbaren Kriegshandlungen gefährdeten das Leben der Menschen während des Dreißigjährigen Krieges akut. Eine schwerwiegende Folge der Plünderungen und Verwüstungen war das Fehlen von Saatgut und Vieh. So kam es vielerorts ab den 1630er-Jahren zu Ernteausfällen. Es folgten schreckliche Hungersnöte. 

In Steinbach (Gemeinde Moorenweis) etwa wird die Ernte um 1634 nur noch auf ein Sechstel der Normalernte geschätzt. Hinzu kamen große Überschwemmungen im Landkreis, wie etwa im Jahr 1640. Die obdachlosen, unterernährten und frierenden Menschen wurden zur leichten Beute für jeden Krankheitserreger. Im Jahr 1634 etwa brach in der Gegend eine Pestepidemie aus, die viele Einwohner das Leben kostete. Zur Gefahr wurde auch die „Ungarische Krankheit“, eine Art hitziges Fieber.

 Dem Sterberegister der Pfarrei Aufkirchen ist zu entnehmen, dass die Zahl der dortigen Haushalte 1640 auf vier sank. Zum Vergleich: Anno 1611 sind noch 25 aufgeführt. Ähnlich stellt sich die Situation in Germering dar. Bis 1648 gingen die Haushalte um zwei Drittel zurück. Alleine der Pest sollen in der kleinen Ortschaft Aufkirchen 45 Personen zum Opfer gefallen sein. „Die Gegend ist fast ausgestorben“, schreibt der damalige Pfarrer von Ebertshausen, Balthasar Obermayer. 

Eigener Pestfriedhof

Weil die Kapazität der Friedhöfe in Aufkirchen und Unterschweinbach nicht mehr ausreichte, musste rund um das Ulrichskirchlein in Englertshofen gar ein weiterer Friedhof angelegt werden. In Steinbach sprechen Indizien dafür, dass es dort einen extra angelegten Pestfriedhof außerhalb der Ortschaft gab. Weil die Menschen nicht wussten, wie sie sich vor dem schwarzen Tod schützen sollten, suchten sie Zuflucht bei Gott. In vielen Orten entstanden Pestkapellen.

Teilweise stehen sie heute noch, teilweise erinnern Flurnamen an diese baulichen Zeugen erhöhter Volksfrömmigkeit. 1648 endlich besiegelte der Westfälische Friede das Ende des Dreißigjährigen Krieges. Not und Elend ließen sich nicht mit einem Federstrich von einem Tag auf den anderen beenden. Noch jahrelang darbten die Menschen. Erst unter Ferdinand Maria, ab 1651 Kurfürst, erholten sich die Dörfer langsam von den Kriegsauswirkungen. In Hörbach etwa nahm die Zahl der Anwesen bis 1671 im Vergleich zum Jahr 1629 um drei zu, in Althegnenberg blieb sie im gleichen Zeitraum konstant. Bekannt ist, dass man die großen Bevölkerungsverluste im westlichen Teil des Landkreises mit Siedlern aus Landsberg und Tirol auszugleichen versuchte.

Aus den Aufzeichnungen des Thomas Führer

Die Pest brachte den „schwarzen Tod“ im Dreißigjährigen Krieg in große Teile des Landkreises. Thomas Führer, von 1956 bis 1987 Pfarrer in Mammendorf und Vikar von Jesenwang, hat sich intensiv mit dieser Thematik beschäftigt. Er schreibt, dass 1634 in Mammendorf von August bis November 146 Personen an der heimtückischen Krankheit starben, in Nannhofen 36. Jesenwang erreichte die Pest um 1640. „Wie in Nannhofen durch ein Bettelweib die Pest eingeschleppt wurde, so soll sie in Jesenwang durch einen durchreisenden Mann ins Dorf gebracht worden sein“, so Führer. Damit sich die Epidemie nicht weiter ausbreiten konnte, wurden an den Ortseingängen Strohwische als Zeichen der grassierenden Pest aufgestellt. Kein Jesenwanger durfte den Ort verlassen, kein Auswärtiger in den Ort hinein. 

Aus den umliegenden Dörfern wurden Nahrungsmittel bis kurz vor die Sperrzone geliefert. Als „Helfer und unerschrockener Freund“ für die Jesenwanger zeigte sich Pfarrer Melchior Roming (1641 bis 1657). Er kümmerte sich um die Verteilung der Lebensmittel und um die Bestattung der Pesttoten am Südwestrand des Ortes. Diejenigen, die von der Pest verschont blieben, legten 1642 ein Gelübde ab: Nach dem Ende der Epidemie würden sie eine Votivkapelle zu errichten. 1651, als die Pest verschwand, folgten den Worten Taten. Die Kapelle steht bis heute in Jesenwang. Sie ist den sogenannten Pestpatronen Sebastian und Rochus gewidmet. Auch in Nebel bei Germering wurde damals eine Pestkapelle errichtet. Das kleine Gotteshaus ist heute völlig verschwunden. 

Der Hexenbaum

An seinem Standort mitten im Feld zwischen Nebel und Germering steht heute ein Pumpenhäuschen für die städtische Wasserversorgung. Und nicht weit davon: der Hexenbaum. Ob der volkstümliche Name des Baumes mit der Pestkapelle zu tun hatte, ist nicht mehr bekannt. Während der Aufklärung entwickelte sich ein neuer Zeitgeist. Ihm fielen viele kleine Heiligtümer zum Opfer. „Aus Unvernunft vernichtete man damals viele unersetzliche historische Werte“, schrieb der verstorbene Germeringer Heimatforscher Hans Doll. Er beruft sich auf eine Regierungsverordnung von 1803: „Da alle die an den Straßen stehenden Kapellen, Martersäulen und Bildstöcke usw. als dem guten Geschmack abziehend, so sollen selbe hinweggeräumt werden.“ 

Bei Verweigerung mussten die Dorfführer mit strengen Strafen rechnen. Ein „Opfer“ dieser neuen Epoche wurde wohl auch die Pestkapelle in Nebel. Wer genau diese Kapelle erbaute und wann, ist ein bislang nicht gelöstes Rätsel. Ebenso wenig bekannt ist, wo die Pest-Toten ihre letzte Ruhe fanden. Vermutungen zufolge wurden sie zunächst beim ehemaligen Gutshof Nebel und dann letztendlich am Fuße des Parsberges beigesetzt. Nur noch ein Flurname erinnert an die Kapelle. In den Katasterblättern bis zur Flurbereinigung 1954 wurden die Grundstücke rund um das Pumpenhaus als Kapellenäcker bezeichnet.

Die Geschichte des Türmers von Maisach

Im Jahr 1632 kamen die Schweden das erste Mal nach Maisach und wüteten dort grausam. Viele Dorfbewohner wurden von den Soldaten gepeinigt. Alte Chroniken berichten aber auch von einem Türmer, der entkommen konnte. Die Erinnerung an die Schreckenszeit hält in Maisach bis heute – 400 Jahre nach Beginn des großen Schlachtens – aber auch eine Kerze wach. 

Der Türmer des Ortes war ein Schuster, der sich auf dem Kirchturm seine Werkstatt eingerichtet hatte. Als die schwedischen Truppen im Dorf ankamen, verbarrikadierte sich der Mann oben im Turm und drohte lautstark, jeden zu erschießen, der sich in seine Nähe wage. Nach der Überlieferung soll der Türmer sogar so mutig gewesen sein, dass er die Schweden verspottete. Die Söldner antworteten auf ihre Weise: Sie legten eine brennende Pechkerze an die Kirche und den Turm. Danach zogen sie weiter, um zu plündern. Dabei vergaßen sie aber, eine Wache am Turm zu postieren. Das war die Chance für den Türmer. Er ließ sich am Glockenseil herunter und kam so mit dem Leben davon.  Die Kirche brannte nieder – ebenso wie 25 weitere Häuser. Das alles geht aus den Unterlagen hervor, die Maisachs Ortsarchivar Stefan Pfannes zusammengetragen hat. 

Aus den Matrikelbüchern

Doch viele Dorfbewohner hatten in dieser schrecklichen Zeit des Krieges nicht so viel Glück wie der Türmer. Im Ortsteil Rottbach musste etwa der Lenzbauer Johannes Sondermayer seinen Widerstand gegen die Angreifer mit dem Leben bezahlen. Ebenso der Dorfbader Georg Eisenmann. Dessen Sohn Georg Schmid wurde bei Emmering von einer Kugel tödlich getroffen. Vermutlich im Wald erschlagen wurde der Unterlappacher Hirte Johann Schmid, genannt Pfaffenschneider. Weil viele Menschen das Dorf aus Angst vor den Schweden fluchtartig verlassen hatten, wurden etliche Verstorbene ohne Begleitung zu Grabe getragen, etwa Johannes Reichl aus Deisenhofen. Andere hingegen, wie der Rottbacher Mesner Johannes Weigl, wurden von den Angreifern schwer malträtiert im Wald zurückgelassen. „Er konnte sich nächtlicherweise ins Dorf schleppen und endete dort sein Leben.“ Das kann man bis heute in den Matrikelbüchern der Pfarrei nachlesen. 

1634 wiederholte sich das Martyrium der Maisacher. Die Schweden rückten erneut an. Zwar fielen in der Folgezeit die Ernten gut aus, doch gerade die Bauern hatten wenig Geld und mussten trotzdem Abgaben leisten. Ebenso die Metzger mit dem sogenannten Fleischpfennig für jedes verkaufte Pfund Fleisch. Weil zudem kaum mehr Zugtiere zur Verfügung standen, spannten sich die Menschen teils selbst vor die Wagen.

Die Chronik von Pfarrer Bauweber

 Welch Elend der Krieg brachte, lässt sich an Zahlen aus den Dörfern ablesen: Laut Chronik des ehemaligen Pfarrers Bauweber (1771-1815) wurden in Malching bis auf das Wirtshaus des Paulus Fridl und das daneben stehende Haus von Jakob Meßmer alle Gebäude zerstört. Die Haushalte in Lindach gingen bis 1848 auf vier zurück, in Germerswang blieben acht von 28 Höfen verschont. Georg Präst, Pfarrer in Rottbach von 1627 bis 1640, schreibt folgenden Zusatz in seinen Einträgen im Sterbebuch: „Mein Leser, du glaubst nicht, was und wie Großes die armen Dorfbewohner Tag und Nacht vom Feind zu erdulden hatten.“  Der Pfarrer selbst wurde drei Mal ausgeraubt und gepeinigt. 

Als dann im Jahr 1648 endlich Frieden herrschte, wurden schon bald im ganzen Land kirchliche Danklieder gesungen. Doch die Ortschaften brauchten oft Jahrzehnte, um sich von den Folgen des Krieges zu erholen. In Maisach waren drei Viertel des ganzen Dorfes verschwunden und auch in der Umgebung bot sich ein ähnliches Bild.

Die Maisacher Wallfahrtskerze

Die Maisacher Kerze

 Nicht nur den Maisachern spielten die Schweden im Dreißigjährigen Krieg übel mit, auch ihre Wallfahrtskerze wurde in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurde 1556 von der Pfarrei St. Laurentius und deren Pfarrer Hans Schnatterbeck gestiftet und nach Andechs gebracht. Die Schweden verschonten das Kloster nicht. Am 17. April 1633 fielen sie über den heiligen Berg her. Sie raubten Lebensmittel, die Klosterschätze – und die Votivkerzen. Danach machten sie sich mit ihrer Beute in Richtung Fischen am Ammersee davon. Von Polling aus aber näherten sich die Kroaten, die für die kaiserlich-katholischen Truppen kämpften. Sie überfielen die Schweden und töteten sie. Den Wagen, auf dem die Votivkerzen lagerten, brachten sie dem Kloster zurück.

Die Ladung war aber arg dezimiert, als die Mönche sie endlich wieder in Empfang nehmen konnten. Die Soldaten hatten nämlich solch unsäglichen Hunger gelitten, dass sie einen Großteil der Kerzen schlicht und einfach aufgegessen hatten. Die Maisacher Kerze war eine der wenigen, die unbeschadet wieder im Kloster ankam. Das wertvolle Original wurde dann 1699 beim großen Klosterbrand zerstört. Aber die Maisacher wollten auf ihre Wallfahrt nach Andechs nicht verzichten und stifteten eine neue. „Die heutige Kerze stammt aus dem Jahr 1782“, erklärt Martin Glaab, Sprecher des Klosters. Sie steht bis heute im Wachsgewölbe der Klosterkirche. 2006 haben die Maisacher Gläubigen auch die Tradition der Fußwallfahrten nach Andechs aufleben lassen, wie Ortsarchivar Pfannes erklärt. Vor der Ankunft der Wallfahrtsgruppe wird die Kerze jedes Mal vor dem Hauptaltar in der Kirche aufgestellt. Die restliche Zeit wird das Kleinod der Volksfrömmigkeit für Besucher nicht zugänglich in der Wachskammer des Klosters aufbewahrt. Holzkern und Wachs würden bei unsachgemäßer Behandlung oder Lagerung kaputt gehe. (Sebastian Öl)

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