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Vom Verteidiger zum Stadionsprecher: Seit seinem Karriereende vor acht Jahren kommentiert Sebastian Dengg die Spiele der Fursty Razorbacks. Dabei wollte er eigentlich nur einmal aushelfen. 

Fürstenfeldbruck

Als Stadionsprecher bleibt er Teil des Teams

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Eigentlich sollte Sebastian Dengg nur einmal als Stadionsprecher bei den Footballern der Fursty Razorbacks aushelfen. Daraus wurden acht Jahre. Und obwohl er jüngst wieder aufhören wollte, stand Dengg in den Playoffs wieder auf dem Sprecherturm.

Fürstenfeldbruck – Wer in der Nähe des Ländestadions wohnt, kennt auf jeden Fall die Stimme von Dengg. Mit einem lang gezogenen „First Dooown“ kündigt der von allen nur „Sam“ genannte Stadionsprecher an, dass die Brucker TuS-Footballer wieder genug Raumgewinn erzielt haben, um im Ballbesitz zu bleiben. Die Fans antworten darauf mit einem lautstarken „Razorbacks“.

Der heute 38-Jährige war selbst von 1999 bis 2011 bei den Brucker Wildschweinen aktiv. Als Verteidiger war er oft die letzte Bastion, wenn ein gegnerischer Ballträger durchgebrochen war. Die Motive für sein Karriereende beschreibt Dengg als eine Mischung aus beruflichen und körperlichen Gründen. „Am Ende konnte ich auf dem Feld nicht mehr so, wie ich wollte.“ Auch als Trainer hörte er auf.

Und so kam eines Tages das erste Razorbacks-Spiel, bei dem er komplett ohne Amt und nur als Zuschauer im Ländestadion war – dachte er zumindest. „Ich hatte es mir gerade mit einem Bierchen auf der Tribüne bequem gemacht, als unser damaliger Abteilungsleiter Tobias Kraatz auf mich zukam.“ Der damalige Stadionsprecher war erkrankt. Kraatz redete auf Dengg ein, dass er doch einspringen solle – „nur einmal“. Doch dabei sollte es nicht bleiben.

Bei fast jedem Spiel auf dem Sprecherturm

Von da an stand der ehemalige Verteidiger bei fast jedem Spiel auf dem Sprecherturm. Bekannt ist er vor allem für seine Emotionen, die er bei seinem Job an den Tag legt – was aber nicht immer bei allen gut ankam. „Vor vier Jahren gab es mal ein Spiel gegen Landsberg, als ich mir ein bissl Kritik von den gegnerischen Fans anhören musste“, sagt Dengg und untertreibt dabei fast ein wenig. Das bissl Kritik umfasste neben Vorwürfen, dass er nicht unparteiisch sei, auch die Drohung, „mich vom Sprecherturm zu schlagen“. So weit kam es freilich nicht. Überhaupt glaubt Dengg, dass zum Football auch Emotionen dazu gehören. „Ich bin immerhin Heim-Stadionsprecher und kein Fernsehreporter, der noch etwas unparteiischer sein sollte.“

Und als solcher hat er zuletzt eine Adelung erhalten, und zwar von keinem geringeren als Jan Stecher, Football-Experte beim Fernsehsender Sat 1. Dessen Sohn spielt beim Razorbacks-Nachwuchs, weshalb der Papa zuletzt immer wieder mal den Platz neben Dengg einnahm und die Razorbacks-Partien co-kommentierte. „Das war das erste Mal, dass ich mit einem Profi und einem ausgesprochenen Football-Experten da oben stand“, sagt Dengg. Und der gab dem Brucker Sprecher positives Feedback für seinen Job. „Da macht das ganze natürlich gleich noch mehr Spaß“, freut sich Dengg.

In erster Linie übt er das Amt als Stadionsprecher aber für die Mannschaft aus. „Ich fühle mich immer noch als Teil der Jungs da unten auf dem Feld“, sagt er. Und denen ist es wichtig, dass ihr ehemaliger Verteidiger die Spiele kommentiert. So wichtig sogar, dass sie Dengg nun bekniet haben, als dieser nach der Geburt seines Kindes kürzer trat. Und der ließ sich unter einer Bedingung breitschlagen: „Ich habe gesagt, dass ich wieder den Stadionsprecher mache, wenn wir die Playoffs erreichen.“ Gesagt, getan. Und so schallte es nach der Vorrunde also wieder durch Bruck: „First Dooown...“ Und die Fans antworteten: „Razorbacks!“

Die Serie

stellt in unregelmäßigen Abständen Stadion- und Hallensprecher vor, die in allen Sportarten die Zuschauern am Mikro auf dem Laufenden halten.

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