Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet

Lebensgefahr! Heute nicht an Isar aufhalten - selbst wenn es nicht regnet
Rainer Langhans und Brigitte Molnar. foto: weber

In Bruck

Alt-68er spricht über Verstand und Irrationales

Sind wir alle Faschisten, weil unser Betriebssystem so ausgelegt ist, dass wir des Menschen Wolf sein müssen?

Fürstenfeldbruck –  Oder sind wir von kindlichen Traumata geprägt, die sich bei einer Zuwendung nach Innen auch therapieren lassen? Solche Fragen beherrschten ein sogenanntes Streitgespräch, zu dem die Münchner Autorin und Therapeutin Brigitte Molnar ihren Schwabinger Bekannten Rainer Langhans nach Fürstenfeld eingeladen hatte.

Der 76-Jährige war einst als Bewohner der Bürgerschreck- und Polit-WG „Kommune 1“ in Berlin bekannt geworden. Später arbeitete er als Schauspieler, stand mal den Grünen, dann den Piraten nahe und tauchte sogar im Dschungel-Camp eines Privatsenders auf. Heute lebt er mit fünf Frauen in einem Harem genannten gemeinsamen Haus.

Molnar hat unter dem Titel „Auch Zaubern ist erlaubt“ einen Wegweiser zur Selbstheilung verfasst, in Langhans’ neuestem Werk (beziehungsweise dem eines Ghostwriters) hat er seinen Worten nach „Bewusstseinsströme“ aufgezeichnet.

Der immer noch viel jünger wirkende Alt-68er bestritt den Großteil des Abends. Oft schien er mit geschlossenen Augen zu meditieren, aber wenn er zum Mikrofon griff, entwickelte er eine düstere Philosophie vom Menschsein. Er selbst fand nach schwieriger Kindheit erst 1968 einen Bezug zur Umwelt: „Plötzlich waren viele so verrückt wie ich.“ Der Rausch von „Love and peace“ – die Studentenproteste erwähnte er nicht – war aber bald vorbei und löste sich auf in „Therapie-Geschichten“, in New-Age-Bewegung, in sexueller und drogengestützter Ekstase.

Aufklärung und die „humanistische Blase“ ist für Langhans eine Sackgasse. „Wir müssen über den Verstand hinausgehen, wieder in das Irrationale, Faschistoide.“ Denn der Mensch sei ein Tier, das frisst oder gefressen wird.

In dieser Logik gilt ihm US-Präsident Donald Trump als Aufklärer: „Er klärt uns über unseren Egoismus auf, er sagt: Doch, wir sind so schlimm.“ Dennoch ist Langhans nicht ohne Hoffnung. Mit dem Internet gebe es erstmals ein Werkzeug zwar nicht zur revolutionären Veränderung der Verhältnisse, aber zur Bewusstseinsänderung des Menschen. Wenn jeder alles von jedem wisse „werden wir alle eins“.

Therapeutin Molnar fand solche Thesen zum Schaudern. Sie führt den Zustand der Welt auch auf Fehlleistungen des Gehirns zurück, in dem Erinnerungen an eine schlimme Kindheit und Eindrücke von der Außenwelt auf denselben Nervenbahnen transportiert werden. So erklärt sie das heutige Verhalten eines türkischen Ministerpräsidenten „in Stress-Situationen“ mit dessen Traumata aus der Zeit als Straßenkind.

Wenn man alles richtig verstanden hat, liegt die Genesung in einer ganzheitlichen Verbindung von Innerlichkeit und Bestehen in der Welt. „Ich möchte die Meditiererin, die auch taffe Geschäftsfrau ist.“(op)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

A 96: Brückenschlag zur Kaserne
Die Arbeiten zum sechsstreifigen Ausbau der Lindauer Autobahn inklusive einer Lärmschutzgalerie bei Germering liegen voll im Plan. Wegen des Neubaus der Brücke am Ende …
A 96: Brückenschlag zur Kaserne
Ludwig aus Gernlinden
Stephanie und Stefan Baumgartner aus Gernlinden sind zum ersten Mal Eltern geworden. Ludwig Leonhard hatte es eilig: „Er kam zehn Tage früher und die Geburt dauerte nur …
Ludwig aus Gernlinden
Chiara aus im Landkreis
Melanie und Pierre Bußjäger sind rundum glücklich: Kürzlich erblickte ihre süße Chiara das Licht der Welt. Am Tag ihrer Geburt wog sie 3230 Gramm und war 49 Zentimeter …
Chiara aus im Landkreis
Zuschuss für Kirchenverwaltung
Der Adelshofener Gemeinderat gewährt der Kirchenverwaltung Luttenwang-Grunertshofen einen Zuschuss in Höhe von 5000 Euro. 
Zuschuss für Kirchenverwaltung

Kommentare