Wasser ist ein Lebenselixier: Viele Leitungen sind jedoch marode.
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Wasser ist ein Lebenselixier: Viele Leitungen sind jedoch marode.

Landkreis FFB

Alte Rohre gefährden Wasserversorgung

  • Andreas Daschner
    vonAndreas Daschner
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Sauberes Wasser in beliebiger Menge immer verfügbar: In vielen Teilen der Welt träumen die Menschen davon, in unserer Region ist es eine Selbstverständlichkeit. Damit das so bleibt, müssen allerdings die Rohrsysteme instand gehalten werden – und die sind in vielen Kommunen unseres Landkreises ziemlich alt.

Fürstenfeldbruck – Stundenlang waren die Allinger und Türkenfelder in diesem Winter ohne Wasser. Schuld waren Brüche im Leitungsnetz. Derart weitreichende Auswirkungen sind in der Region zum Glück noch eher selten. Doch dass Leitungen gerade im Winter gerne mal brechen, ist eine Tatsache. So gab es zum Beispiel allein in Emmering in diesem Winter sechs Brüche, die auf die Kältegrade zurückzuführen sind.

Schuld ist nicht der Frost an sich, sondern die Phase, wenn die durchgefrorenen Böden wieder auftauen. „Dann gerät der Untergrund in Bewegung“, erklärt Gerhard Rieß von der Gemeinde Moorenweis. Ähnliches könne sogar im Sommer nach langen Trockenperioden passieren, wenn die Böden wieder Feuchtigkeit aufnehmen. „In der Branche gibt es dafür sogar den Ausdruck Sommerfrost“, sagt Rieß.

Wenn eine Hauptleitung reißt

In Moorenweis blieb man in diesem Winter zwar von derartigen Auswirkungen verschont. Dennoch mussten auch dort rund 250 Bürger eine ganze Nacht und einen halben Tag ohne Wasser auskommen. Eine Hauptleitung war gerissen, was zu Wasser- und Druckverlusten im Versorgungsgebiet führte. Wenn Rohre auch ohne Frosteinwirkung brechen, liegt meist eine Material-Ermüdung vor.

Viele Teile der Leitungsnetze im Landkreis sind alt. Fast 20 der rund 50 Kilometer langen Leitungen im Moorenweiser Untergrund wurden zum Beispiel vor 1975 erbaut. Das Rohrleitungsnetz der Stadtwerke Fürstenfeldbruck ist im Mittel 40 bis 50 Jahre alt. Beim Amperverband, der die Gemeinden Eichenau und Gröbenzell sowie die Städte Olching und Puchheim versorgt, sind es durchschnittlich 30 Jahre.

Auch in Alling, wo es am 14. Februar gleich zu drei Brüchen mit dem folgenden Ausfall der Wasserversorgung kam, sind die Leitungen mit einer Länge von insgesamt 25 Kilometern im Schnitt 40 Jahre alt. In Germering und Grafrath bringt es ein Großteil der Rohre auf 50 bis 60, die ältesten Abschnitte in der Großen Kreisstadt gar auf 70 Jahre.

Öfter als man denkt

Wasserleitungsbrüche kommen dabei häufiger vor, als es die Bürger mitbekommen. In den Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit rückt so etwas meist nur dann, wenn Hauptleitungen betroffen sind. Kommt es dann es zu einem Druckabfall, bleiben immer gleich größere Gebiete ohne Wasser. Oft können die Schäden repariert werden, während nur einzelnen Straßenzügen oder sogar gar keinen Wasserkunden der Hahn abgedreht werden muss.

So gab es in Germering alleine in den ersten knapp drei Monaten des Jahres 2021 bereits 13 Rohrbrüche – eine vergleichsweise hohe Zahl, wie Roland Schmid von den Stadtwerken Germering erläutert. So habe es 2020 zum Beispiel nur zwölf Brüche im gesamten Jahr gegeben. „Bis auf lokale Sperrmaßnahmen – eine Straße oder ein Teil einer Straße über wenige Stunden – hatten die Rohrbrüche aber keine Auswirkungen für die Germeringer Wasserkunden“, sagt Schmid.

Frostbedingte Risse können auch neuere Leitungen treffen. Diese können aber meist repariert werden. Werden alte Rohre rissig, gibt es nur eine Lösung: Sie müssen ausgetauscht werden. Damit es gar nicht erst zu großen und unangenehmen Brüchen kommt, werden in mehreren Kommunen im Kreis bereits die alten Teile des Leitungsnetzes Zug um Zug erneuert. „Bei uns werden Erneuerungen grundsätzlich zusammen mit Straßenerneuerungen durchgeführt“, sagt Egenhofens Bürgermeister Martin Obermeier für die Wasserversorgung der Schweinbachgruppe.

In Grafrath, wo man alleine in den Jahren 2013 und 2014 Wasserverluste von fast 43 Prozent durch Risse in den Leitungen hatte, ist man bereits recht weit mit der Sanierung. „Wo generell Straßenerneuerungen anstehen, erneuern wir stets auch ältere Leitungen“, sagt Bürgermeister Markus Kennerknecht.

Sanierungen sind teuer

Austausch und Sanierung maroder Leitungen ist allerdings teuer. Allein die Stadtwerke Fürstenfeldbruck investieren jährlich rund eine Million Euro in die Erneuerung ihres annähernd 200 Kilometer langen Leitungssystems. Die Kosten steigen dabei tendenziell, was laut Thomas Mösl vom Amperverband hauptsächlich mit der ständigen Kostensteigerung bei den Baupreisen zusammenhängt.

Konkret aufzuschlüsseln, inwieweit sich die Baukosten im Vergleich zu den Reparaturen von Brüchen rechnen, ist laut Kennerknecht schwierig. Die Reparatur eines Bruchs koste im Regelfall mehrere tausend Euro. „Außerdem zieht ein solcher Fall Folgeschäden nach sich“, sagt der Grafrather Rathauschef. Nicht erfasst würde außerdem die höhere Wassermenge, die die Gemeinde wegen der Verluste fördern muss, aber nicht verkaufen kann.

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