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Die grün-weißen Schilder sollen demnächst wo nötig erneuert beziehungsweise verbessert werden. Strittig sind die kleinen Zusatztafeln, wie sie hier etwa unter dem mittleren Schild links zu sehen sind.

Landkreis Fürstenfeldbruck

Alte Verbindungen verschwinden: Rad-Konzept entzweit die Gemüter

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Bei der Erstellung des Radweg-Konzepts für den Landkreis kommt es zum Zoff zwischen Fahrrad-Bewegten und der Kreisbehörde. Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) und des Bund Naturschutz beklagen, dass alte Freizeit-Routen nicht vorkommen sollen. Bekannt wurde außerdem ein Lapsus.

Fürstenfeldbruck – Mit dem neuen Radwege-Konzept soll unter anderem die Beschilderung im Landkreis einheitlicher und besser werden. Die geplante Erneuerung der grün-weißen Schilder mit Entfernungsangaben ist auch gar nicht strittig. Sehr wohl strittig sind aber die kleinen Zusatzschilder, die bisher auf besondere Freizeit-Radverbindungen hinweisen – etwa auf den Ammersee-Radweg, die Via Julia oder auf das Nahtour-Band. Das Freizeit-Radl-Konzept soll völlig erneuert, das Nahtour-Band beispielsweise bis auf die Info-Tafeln komplett ersetzt werden.

Schreiben an die Kreisräte in Sachen Radwegekonzept

Der ADFC und der Bund Naturschutz haben sich daher mit einem Schreiben an die Kreisräte gewandt, das im Planungsausschuss des Kreistags zur Sprache kam. Alles, was bisher erarbeitet wurde, werde vernichtet, warnte hier Jakob Drexler (UBV). Der ADFC und der Bund Naturschutz müssten unbedingt in das Verfahren einbezogen werden, hieß es, wobei der Radlbeaufragte des Landkreises, Sebastian Klaß, betonte, dass namentlich der ADFC bei allen Planungen dabei war.

Die Debatte im Ausschuss wurde dann in den nichtöffentlichen Teil verwiesen. Knackpunkt, wie sich hinterher herausstellte: Der in die Konzept-Verhandlungsrunden entsandte Vertreter des ADFC votierte im Landratsamt offenbar anders, als seine Kollegen im Verein es wollten, wie ADFC-Chef Adi Stumper am Dienstag gegenüber dem Tagblatt einräumte. „Unser Beschluss ist jedenfalls nicht angekommen.“ Daher habe man sich nicht anders zu helfen gewusst, als das Schreiben an die Kreisräte zu schicken. Unterzeichnet haben es Stumper und Thomas Brückner vom Bund Naturschutz.

Alltagsnetz beim Radwegekonzept ist in Ordnung

Stumper beklagt unter anderem, dass bestehende Wegweisungen abmontiert werden, dass die neun bisher bekannten Freizeitrouten nicht übernommen werden sollen und dass das Nahtour-Band wegfällt. Stumper: „Wir wollen unsere Touren aber in dem neuen Konzept wiederfinden.“ Das geplante Alltagsradlnetz sei ja völlig in Ordnung, sagte Stumper. Nicht aber die geplanten Freizeittouren.

Sebastian Klaß verteidigte in der Sitzung die Planungen. Zielwegweisungen sollen verbessert werden, es sollen Rundtouren angeboten werden, die nicht im Nichts enden, sondern etwa an Bahnhöfen. Viele der bestehenden Radwege führten außerdem mitten durch die Stadt Fürstenfeldbruck, was angesichts der Verkehrslage nicht so günstig sei. Prinzipielle Idee: Man soll sich künftig auf die Beschilderung besser verlassen können. Es werde außerdem ja nichts vernichtet, sagte eine Sprecherin der Kreisbehörde. Verbindungen würden – nach Abstimmung mit den Kommunen – nur anders ausgeschildert. Die jetzt in die Diskussion gekommenen Zusatz-Schilder sollen zudem erst in einem Jahr kommen. Demnächst erneuert werden in einem ersten Schritt die grün-weißen Tafeln.

Die Causa Jexhof beim Radwegekonzept

Für leichte Zerknirschung im Amt sorgte unterdessen gestern die von Adi Stumper aufs Tapet gebrachte Erkenntnis, dass der Jexhof bisher nicht Teil der geplanten neuen Freizeitrouten war. Das habe am fehlenden Radweg an der Straße gelegen, sagte eine Sprecherin der Kreisbehörde. Wenige Stunden danach erklärte sie, dass trotzdem sofort mit Planungen für einen Freizeit-Weg zum Jexhof begonnen worden sei – nunmehr eben über Waldwege. Hierbei muss der Nachbarlandkreis einbezogen werden.

Im Streit zwischen ADFC und Kreisbehörde will demnächst der Landrat selbst vermitteln. Adi Stumper: „Bisher kennt er ja nur die Sicht des Amtes und der Planungsfirma. Ich will ihn sensibilisieren.“ 

Die interaktive Radlkarte

findet man im Internet bei www.lra-ffb.de

Ganz Nebenbei: Finde den Jexhof

Wer da draußen schon mal mit dem Radl unterwegs war, weiß es: Viele Wege führen zum Jexhof – bei weitem aber nicht alle, von denen man es vermuten könnte. So läuft man als Radler schon mal Gefahr, sich in den Tiefen der Wälder von Schöngeising zu verirren. Umso sinnvoller ist es, den Jexhof – durchaus ja auch ein Ziel überregionaler Bedeutung – in das Radl-Konzept des Landkreises einzubeziehen. Dass das bisher nicht geschah, ist ein Versehen von einer solchen Dimension, dass man schon wieder zum Schmunzeln aufgelegt ist. Schließlich betreibt den Jexhof ja der Landkreis selbst. 

Aber gut: Der Lapsus – im Amt selbst sprach man davon, dass das Weglassen des Bauernhofmuseums „keine gute Idee war“ – ist heilbar. Er war auch dem Umstand geschuldet, dass es (noch) keinen durchgehenden Radweg an der Straße gibt. Die Vergangenheitsform ist in diesem Satz deshalb angebracht, weil der Radlbeauftragte gleich gestern damit begann, eine Freizeit-Tour zum Jexhof planerisch auf den Weg zu bringen, wie am frühen Nachmittag im Amt glaubhaft versichert wurde. Jetzt hoffen alle Beteiligten in dem Streit insgesamt – wie so oft – auf ein klärendes Gespräch mit dem Landrat. 

Kleiner Spaß am Rande: Vielleicht sollte man es im Biergarten am Jexhof anberaumen. Ausschlusskriterium für die Teilnehmer: Sie müssen mit dem Radl kommen und – die neuen Freizeit-Schilder werden ja erst in einem Jahr aufgehängt – selbst hinfinden. (st)

Auch interessant: So startete das Radlkonzept

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