Altenheim Theresianum Fürstenfeldbruck Corona
+
Spaziergänge im Garten sind weiter möglich: Mit ausreichend Abstand können sich die Bewohner auf dem Gelände im Freien bewegen.

Altenheim in Fürstenfeldbruck

30 Infizierte und fünf Todesfälle: So geht es dem Theresianum in der Krise

  • Ingrid Zeilinger
    vonIngrid Zeilinger
    schließen

30 Infizierte und fünf Todesfälle: Das Theresianum in Fürstenfeldbruck ist das von der Corona-Pandemie am stärksten betroffene Altenheim. Doch mit vereinten Kräften meistert das Team die schwere Situation. Und hat die Lage im Griff, wie es scheint.

Fürstenfeldbruck – Wie alle Alten- und Pflegeheime hatte das Theresianum, eine Einrichtung der Schwestern vom Göttlichen Erlöser, alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um das Coronavirus fern zu halten. Die Bewohner und Mitarbeiter blieben in ihren Wohnbereichen, es wurde desinfiziert und soweit möglich Abstand gehalten. Doch Anfang April erkrankte eine erste Bewohnerin im Geronto-Psychatrischen Bereich an Covid 19. Gerade dort, wo den meist hoch dementen Menschen Dinge wie Abstandsregelungen kaum zu erklären sind.

„Die erste Welle hat uns enorm zu schaffen gemacht“, sagt Einrichtungsleiter Armin Seefried im Rückblick. Die knapp 50 Gäste des Bereichs wurden alle getestet – 24 hatten das Virus. „Es ist unser großes Glück, dass uns Dr. Philipp Freytag rund um die Uhr zur Verfügung steht“, sagt Seefried. Mit Hilfe des Brucker Hausarztes wurden nach und nach alle Bewohner des Theresianums getestet – wenn sie Kontakt zu Covid-Patienten hatten, auch mehrfach. Die Ergebnisse liegen innerhalb von 24 Stunden vor, berichtet Seefried.

Theresianum in Fürstenfeldbruck: Isolationsbereich im Erdgeschoss

Im Erdgeschoss wurde ein Isolationsbereich eingerichtet und alle positiv getesteten Personen dorthin verlegt. „Man muss nicht nur die Person im Bett umziehen, sondern mit Inventar, so weit es geht.“ Denn die Menschen bräuchten Telefon, Fernseher oder ihr gewohntes Umfeld. Durch den Katastrophenschutz wurde das Haus mit ausreichend Schutzkleidung ausgestattet, so dass sich die Mitarbeiter ohne großes Ansteckungsrisiko um die Patienten kümmern können.

Fünf Menschen konnten sie nicht mehr helfen. Der erste Todesfall – eine positiv getestete Bewohnerin, die zur palliativen Begleitung im Theresianum war –, wurde am 3. April bekannt. Zuletzt meldete das Landratsamt am 24. April den Tod einer 94-jährigen Bewohnerin.

Theresianum in Fürstenfeldbruck: Auch Personal hat sich infiziert

Nach der ersten Infektionswelle habe man die Situation inzwischen gut eingedämmt, berichtet Heimleiter Seefried. „In den vergangenen Tagen gab es keine Neuinfektionen bei den Bewohnern.“ Hin und wieder werde noch ein Mitarbeiter positiv getestet. Auch Personal hatte sich infiziert. Daher sei man froh über Unterstützung aus dem Freiwilligen-Pflegepool gewesen.

Lesen Sie hier aktuelle Zahlenzur Corona-Krise im Landkreis Fürstenfeldbruck

Vier Personen unterstützen das Team des Theresianums, auch sie wurden getestet, bevor sie das Haus erstmals betraten. Nun kehren die ersten Mitarbeiter nach Quarantäne und zwei negativen Test zurück, weitere werden in den nächsten Tagen erwartet. „Sie brennen darauf, wieder zu arbeiten.“

Armin Seefried, Einrichtungsleiter

Im Haus hat die Corona-Pandemie einiges durcheinander gewirbelt. Ein Hygienekonzept gab es in der Theorie, bis alles umgesetzt war, dauerte es einige Tage. So werden Speisen nur in einem bestimmten Aufzug transportiert. Alle Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts werden umgesetzt. „Die Bewohner tragen es vernünftig mit, es gibt keine Klagen“, berichtet der Heimleiter. „Wir erklären es, und viele sind sehr gut informiert.“ Die Senioren bleiben in ihren Bereichen und werden immer vom gleichen Personal betreut. Sie essen in ihren Zimmern, können aber mit Mundschutz im Garten spazieren gehen – alleine oder mit einem Pfleger.

Theresianum in Fürstenfeldbruck: Kinder malen für die Bewohner

Besuch dürfen die Senioren nicht empfangen. Umso mehr freuen sie sich über Aufmerksamkeiten von außen. Kinder malen Bilder, Postbeamte hätten Kaffee fürs Personal und Ansichtskarten mit Freimarken spendiert, damit die Bewohner Karten schreiben können. „Da geht den Bewohnern das Herz auf“, sagt Seefried. Es sei schön, dass die Gesellschaft aufmerksam sei und Sorge für sie trage. „Denn es ist die größte Krise, die wir seit dem Krieg erlebt haben.“

Daher ist er stolz auf den Zusammenhalt seines Teams, das bei der ersten Coronawelle nicht an pünktlichen Dienstschluss gedacht habe, sondern sogar mit einem Lächeln weiter gearbeitet habe. „Das haben wir nur als Einheit und Gemeinschaft lösen können“, sagt der Chef. „Das sind meine Helden.“

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Dieser IQ-Test hat nur zwei Fragen – und verrät dennoch, ob Sie besonders intelligent sind
Dieser IQ-Test hat nur zwei Fragen – und verrät dennoch, ob Sie besonders intelligent sind
Darf der Chef bestimmen, dass Arbeitnehmer eine Maske tragen? Droht bei Missachtung Kündigung?
Darf der Chef bestimmen, dass Arbeitnehmer eine Maske tragen? Droht bei Missachtung Kündigung?
Diese unerwartete Frage im Bewerbungsgespräch ist bei Weitem nicht so banal, wie Sie denken
Diese unerwartete Frage im Bewerbungsgespräch ist bei Weitem nicht so banal, wie Sie denken
Welchen Urlaubsanspruch habe ich bei Kündigung?
Welchen Urlaubsanspruch habe ich bei Kündigung?

Kommentare