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Noch arbeiten sie mit Metall-Bottichen: Rudolf Ende (l.) und Ulrich Bähr wollen Steinzeitbier herstellen.

Fund im Haspelmoor machte sie hellhörig

Historisches Experiment: Diese Zwei wollen Steinzeit-Bier brauen

Schon Steinzeitmenschen könnten Bier gebraut haben. Das lassen archäologische Funde vermuten. Eine Gruppe des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck möchte Bier wie unsere prähistorischen Vorfahren brauen.

So wird das Gebräu gefiltert.

Fürstenfeldbruck – Es war ein Fund im Haspelmoor, der den Schöngeisinger Ulrich Bähr (50) hellhörig werden ließ. „Dort wurden in einer Torfschicht aus dem Jahr 6000 vor Christus Weizenpollen entdeckt“, sagt der Hobby-Historiker, der hauptberuflich als Berater in der IT-Branche arbeitet. Was Bähr dabei stutzig macht: „6000 vor Christus ist lange vor der Ankunft der Neolithiker in unserer Gegend.“ Den Jungsteinzeitlern wird zugeschrieben, dass sie unter anderem den Getreideanbau mitbrachten.

Auch der Autor Josef H. Reichholf hat in einem Buch dargelegt, dass zwischen dem ersten Getreideanbau und dem ersten Backen vielerorts eine Zeitspanne von bis zu 1000 Jahren vergangen ist. „Was aber haben die Menschen in dieser Zeit mit dem Getreide gemacht?“ fragt sich Bähr. Er glaubt, dass es zum Bierbrauen verwendet wurde, und zitiert Reichholf: „Am Anfang war das Bier.“

Die Recherche gestaltet sich schwierig

Hier wird das Steinzeitbier erhitzt.

Wie aber haben die Steinzeitmenschen den Gerstensaft gebraut? Bähr ist auf Spurensuche und hat dazu eine Handvoll anderer Interessierter aus dem Umfeld des Historischen Vereins um sich geschart. „Unser Ziel ist es, einmal vom ersten bis zum letzten Schritt ein Bier mit steinzeitlichen Methoden zu brauen“, sagt der Schöngeisinger.

Das Problem: Ob in der Steinzeit tatsächlich Gerstensaft gebraut wurde – geschweige denn wie das gegangen sein soll – weiß laut Bähr eigentlich keiner. Entsprechend schwer gestaltet sich die Recherche. „Im Internet gibt es zwar viele Infos, aber nichts wirklich konkretes.“ Da die Menschen dieser Zeit aber gut mit Holz und Stein umgehen konnten – das beweisen archäologische Werkzeugfunde – versucht die Gruppe um Bähr nun mit genau diesen Mitteln den Brauvorgang nachzuvollziehen.

Das Steinzeit-Bier war vermutlich meistens lack

Die Hobby-Archäologen gehen davon aus, dass Steine im Feuer zum Glühen gebracht wurden, um damit dann Wasser in Holztrögen zu erhitzen. In das warme Wasser könnte schließlich gequetschtes Getreide gegeben worden sein. Die sogenannte Maische wird damit angesetzt. Die dabei entstehende Flüssigkeit, die Bierwürze, wird beim Läutern vom Malz getrennt.

Dass der Gärprozess in prähistorischer Zeit bereits mit Hefe in Gang gesetzt wurde, erscheint Bähr unwahrscheinlich. Stattdessen könnten zerstampfte Beeren – zum Beispiel Hagebutte oder Brombeeren – mit etwas Honig und Wasser angesetzt worden sein. „Nach drei Tagen entsteht dabei ein interessantes Getränk“, sagt Bähr. Das obergärige Bier sei etwas sauer, aufgrund des hohen Kohlesäuregehalts sehr sprudelig und erfrischend. „Die Kohlensäure verliert das Bier aber sehr schnell“, sagt Bähr. Er glaubt deshalb: „Wenn damals schon Bier getrunken wurde, war es wahrscheinlich weitgehend lack.“

Die Gruppe sucht noch Mitstreiter

Dreimal haben Bähr und seine Mitstreiter inzwischen gebraut. Dabei allerdings noch mit moderneren Hilfsmitteln wie Metallbottichen. Doch am Ende des Projekts wollen die Hobby-Historiker das Verfahren komplett in Steinzeit-Manier durchführen – vom Anbau des Getreides bis zum fertigen Gerstensaft. Dafür sucht die Arbeitsgruppe noch weitere Mitstreiter. „Wir wollen zum Beispiel eine Gruppe, die sich nur mit dem Ackerbau der damaligen Zeit beschäftigt“, erzählt er.

Ein erster Schritt dahin ist bereits gemacht. Die Gruppe kann auf einem Stück Land eines Mitglieds Brandrodung in alterhergerbachter Manier betreiben und dann Weizen anbauen. Geplant ist das für Ende März oder Anfang April. Außerdem wollen die Hobby-Historiker demnächst auch ihre eigenen Holztröge bauen.

Wer beim Projekt mitmachen will...

... oder sich weiter darüber informieren möchte, kann sich über den Internet-Blog unter steinzeitbier.wordpress.com/projekt/ oder auf Facebook bei der Gruppe „Steinzeitbier“ mit der Arbeitsgruppe in Verbindung setzen.

Die seltsamsten Biersorten der Welt

von Andreas Daschner

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