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Fast 400 Demonstranten fordern Recht auf Arbeit für Flüchtlinge.

Protestaktion in Fürstenfeldbruck

Asyl-Demo für leichteren Zugang zur Arbeit

Rhythmische Trommelklänge und schrille Pfiffe in der Brucker Innenstadt: An die 400 Menschen demonstrierten am Sonntagnachmittag für umfassende Arbeitserlaubnisse für Flüchtlinge. Vertreter der Parteien mit Ausnahme von CSU und FDP kritisierten Staatsregierung und Landratsamt.

Fürstenfeldbruck– Auf einem Plakat war ein Bett mit rot durchgestrichenem weiß-blauen Bettzeug zu sehen: Die Leute nicht rumhängen, sondern arbeiten lassen, sollte die Botschaft sein. „Arbeit statt Depression“ hatte Chukwedi (28) auf sein Transparent pinseln lassen. Der Nigerianer durfte ein Jahr in Gröbenzell als Auto-Lackierer lernen, mehr als diese „Einstiegsqualifikation“ wurde ihm nicht genehmigt. Aber auch Werbung in eigener Sache wurde präsentiert: „Gut, dass es Asylhelfer gibt,“ lautete eine Plakat-Aufschrift.

Unter den Teilnehmern sah man natürlich viele Asylhelfer, eine Gruppe der Puchheimer Pfadfinder, nicht allzuviele Politiker und mit Gröbenzells Martin Schäfer nur einen Bürgermeister: „Jeder, der arbeiten will und nicht darf, ist einer zuviel,“ meinte der Rathaus-Chef.

Trotz des geräuschvollen Zugs durch die Stadt standen die wenigsten Anwohner an den Fenstern oder in den Gärten. Ein Nachbar in der Jakob-Groß-Straße kam immerhin zum Zuschauen raus: „Ich find’s gut,“ meinte er. „Es geht darum, dass die Leute eine Perspektive haben und nicht nur zwischengeparkt werden.“ Ähnlich sah es ein älteres Ehepaar aus Puchheim, das – nicht mehr so gut zu Fuß – den Weg vom Volksfestplatz zum Landratsamt mit dem Auto abgekürzt hatte. Es sei schon gut, dass mal demonstriert werde. Der Staat spare Geld und die Menschen würden integriert, wenn sie arbeiten dürften. „Das sind eh so arme Leut.“

Auf dem Parkplatz der Kreisbehörde kamen dann mehrere der Betroffenen zu Wort. „Ich schäme mich. Ich gehe zum Landratsamt jeden Monat für Taschengeld. Ich bin ein Mensch,“ sagte Ali aus Pakistan. Priscilla aus Nigeria erzählte, dass sie und ihr Mann schon gearbeitet und Steuern gezahlt hätten, jetzt aber zum Nichtstun verurteilt seien. „Wir machen doch alles, was man von uns verlangt, wir sind anständig und ehrlich,“ meinte sie.

„Viel zu wenige“ Demonstranten hatte Martin Runge (Grüne) gesehen. Eigentlich müssten 4000 statt 400 Menschen gegen die „unsägliche“ Behandlung von Menschen auf die Straße gehen. Mit ihrer Politik schade die Staatsregierung im Grunde auch Bayern als Wirtschaftsstandort. Wir Runge kritisierte auch Peter Falk (SPD) die Handhabung mit Arbeitserlaubnissen speziell im Landkreis: Wer als Flüchtling in Lochhausen wohne, tue sich viel leichter als der in der Nachbargemeinde Gröbenzell. Zu Wort kamen auch Freie Wähler und Vertreter exotischer Parteien wie MUT oder den Veganern von V-Partei. Fast mehr Pfiffe als der abwesende Landrat, der laut Hans Sautmann vom Eichenauer Asylhelferkreis ausdrücklich nicht eingeladen war, erntete aber die Kandidatin der Linken. Die nutzte ihren Auftritt auch für reine Wahlwerbung: „Die Linke muss in den Landtag. Ich stehe auf Listenplatz 13.“

Olf Paschen

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