In Bruck

Amtsgericht: Kontrollen gegen Anschläge

Fürstenfeldbruck – Das Brucker Amtsgericht ist sicherer geworden. Zu den Umbauten hatte man sich nach den Schüssen in einem Dachauer Prozess entschlossen. Rund eine Million Euro wurden in Bruck verbaut – und das nicht nur für die Kontrollen.

Eineinhalb Jahre gingen die Handwerker in dem Gebäude an der Stadelbergerstraße ein und aus. Baulärm erschwerte so manche Verhandlung. Doch jetzt ist alles fertig – bis auf wenige Restarbeiten.

Jeder Besucher, der das Amtsgericht betritt, wird nun gründlich kontrolliert. Denn nicht jeder kommt unbelastet in das Gebäude. Manch einem droht eine Gefängnisstrafe, anderen steht unter Umständen eine schwierige Scheidung bevor – oder eine emotional aufgeheizte Mietstreitigkeit.

Am Dachauer Amtsgericht war im Januar 2012 eine Verhandlung eskaliert. Ein Angeklagter hatte eine Pistole gezogen, den Staatsanwalt tödlich getroffen und versucht, auch Richter, Rechtsanwalt und Protokollführer zu erschießen. Das war ein Schock. Bereits damals wurden am Brucker Amtsgericht gründliche Einlasskontrollen eingeführt. Fünf Jahre lang mussten die Mitarbeiter diese in einem kalten zugigen Flur erledigen. Künftig steht ihnen dafür ein abgeschlossener Raum zur Verfügung.

Die Besucher müssen ein mit Metalldetektoren ausgestattetes Tor durchqueren. Ertönt ein Signal, werden sie zudem mit einer Handsonde abgetastet. Dabei ist bereits so mancher gefährliche Gegenstand ans Tageslicht gekommen. Hin und wieder musste sogar die Polizei gerufen werden. Etwa wenn ein Messer entdeckt wurde, das eine längere Klinge aufwies, als das Gesetz es zulässt. Auch Pfefferspray müssen Besucher abgeben.

Abgenommen werden sogar Deosprays. Diese können – direkt ins Gesicht gesprüht – das Gegenüber außer Gefecht setzen.

Der Umbau des Gerichtsgebäudes war nicht einfach. Front sowie Eingangsbereich stammen aus dem Jahr 1911 und stehen unter Denkmalschutz. Einfacher war die Umgestaltung an dem Neubau an der Hindenburgstraße. Auch dort kann kein Besucher mehr unangemeldet eintreten. Auf Dauer sollen die Türen nur auf Läuten geöffnet werden.

Zwei Gerichtssäle, die bisher dort untergebracht waren, wurden deshalb in das Erdgeschoss des Altbaus verlegt. Die früheren Säle wurden zu Büros. Zudem wurde im Erdgeschoss ein verglaster Wartebereich geschaffen. Im Zuge des Umbaus wurde auch der Brandschutz verbessert, neu eingebaute Türen in den Fluren schließen sich im Falle eines Feuers und verhindern so, dass sich Rauch im gesamten Gebäude ausbreitet.

Über eine am Neubau angebaute Außentreppe kann man das Gebäude im Notfall schnell verlassen. „Mitarbeiter, die im zweiten Stock arbeiten, hätten bei einem Feuer ohne die Treppe keine Chance“, erläutert Richter Christoph Schütte.

Die meisten Handwerker haben das Gebäude zwar mittlerweile verlassen. Doch irgendwann sollen sie zurückkehren. Denn noch ist es für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte schwierig, das Amtsgericht zu betreten. Es fehlt ein Aufzug. Wann dieser kommt, ist bisher völlig offen. Wenn er kommt, wird es wieder laut und auch schmutzig, denn dann muss die Treppe des Altbaus verschmälert werden. Auch ein Behinderten-WC soll dann entstehen.

Die Kosten für den Umbau sind auf eine Million Euro veranschlagt. Wie teuer er tatsächlich kommt, steht noch nicht endgültig fest.

Mehr Platz ist durch die Maßnahmen nicht entstanden. Dabei wäre dies dringend notwendig. Es gibt immer mehr Teilzeitstellen. Damit steigt der Bedarf an Büroräumen. Auch die Registratur benötigt dringend zusätzliche Kapazitäten. Gerichtsakten müssen jahrzehntelang aufbewahrt werden. Einen Vorteil haben die rund 100 Mitarbeiter allerdings gegenüber den Besuchern: Sie sind die einzigen, die unkontrolliert ins Gerichtsgebäude kommen. (sus)

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