+
Als Stimme des Volkes wirken Schöffen bei der Urteilsfindung in Orts-, Amts- und Landgerichten mit.  

in Fürstenfeldbruck

Amtsgericht sucht neue Schöffen

Der Landkreis ist auf der Suche nach Schöffen. Die neue fünfjährige Amtsperiode für die Laien-Richter beginnt 2019. Einer von ihnen ist Hans Lienert. Der Pensionär liebt sein Ehrenamt, muss es aber aufgeben. Nun wirbt er um Nachfolger.

Fürstenfeldbruck Hans Lienert geht ohne Richterrobe und ohne juristische Ausbildung zum Amtsgericht. Trotzdem spricht er Recht. Lienert ist Schöffe. Ein Laie, der mit Richtern Urteile fällt. Da Anfang 2019 eine neue Amtsperiode beginnt, sucht der Kreis Bruck für die Zeit von 2019 bis 2023 neue Schöffen.

Hans Lienert (69) hatte immer mit jungen Menschen zu tun. Als früherer Berufsschullehrer versuchte er, das Leben seiner Schützlinge in richtige Bahnen zu lenken. Und wenn es unter den Schülern krachte, schlichtete er. Bemühte sich, eine Lösung zu finden. Mittlerweile macht der Pensionär das ehrenamtlich. Als Schöffe am Brucker Amtsgericht – zumindest bis seine letzte Amtsperiode Ende des Jahres vorbei ist.

Gleichberechtigt mit Berufsrichtern fällen die Laien-Richter Urteile in Strafprozessen. Minder schwere Fälle entscheidet ein Berufsrichter allein. Schöffen kommen erst bei erst schwereren Straftaten ins Spiel. Sowohl an Land- als auch an Amtsgerichten wie in Bruck wohnen Schöffen den Strafkammern bei. Dann sitzen zwei Laien neben dem hauptamtlichen Richter – und können ihn gemeinsam überstimmen.

Einmal im Monat ist Gabriele Loder aus Maisach als Schöffin am Amtsgericht in Fürstenfeldbruck. „Wir müssen sehr gut zuhören, um uns eine Meinung zu bilden“, sagt sie. „Schließlich wird ja im Namen des Volkes Recht gesprochen. Wir Schöffen sind die Stimme des Volkes.“ Sie sei Laien-Richterin, weil sie sich für die Allgemeinheit engagieren wolle, sagt Gabriele Loder.

Auf der Suche nach dem richtigen Ehrenamt war auch Birgit Hartmann. „Ich bin kein Vereinsmeier“, sagt die Bankkauffrau und Betriebswirtin. „Da hat das Schöffenamt einfach gepasst. Die Juristerei hat mich ohnehin schon immer brennend interessiert.“

In den Prozessen lerne sie viel über das Wesen der Menschen, sagt Birgit Hartmann. Sie würde Teile der Gesellschaft kennenlernen, mit denen sie im Alltag nicht in Berührung komme. Würde sich fragen, warum der Angeklagte die Tat wohl begangen hat. Kalt lassen Birgit Hartmann die Prozesse nicht. „Es sind schon oft aufwühlende Sachen mit dabei. Das geht einem dann noch eine Weile durch den Kopf“, sagt sie.

Nicht öfter als zwölf Tage pro Jahr sollte ein Schöffe bei Gericht sein – so die Richtlinie. Dadurch soll sichergestellt werden, dass die Männer und Frauen aus dem Volk mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Vor diesem Hintergrund betrachten sie die Fälle aus anderen Blickwinkeln als Berufsrichter es tun würden. „Wir Schöffen sagen schon manchmal: „’Das und das muss man noch beachten’“, sagt Hans Lienert.

Freuen würde sich Birgit Hartmann vor vor allem über mehr weibliche Laien-Richter. Gerade, wenn es um häusliche Gewalt gehe, sagt sie. „Da halte ich es für sehr wichtig, dass auch eine Frau unter den Schöffen ist.“

Genau wie sie dürfen sich auch Hans Lienert und Gabriele Loder nicht für die kommende Amtsperiode von 2019 bis 2023 bewerben. Sie wären zwar alle drei weiterhin gern Laien-Richter, nach zwei mal fünf Jahren müssen sie allerdings pausieren. Zudem darf niemand das Ehrenamt bekleiden, der beim Antritt älter als 70 Jahre ist.

Diese Grenze überschreite er bald, sagt Hans Lienert. In seiner Stimme schwingt ein wenig Wehmut mit. „Es ist ja schon etwas Besonderes, Schöffe zu sein. Ich bin auch stolz darauf.“ Kürzlich habe ihn allerdings eine ehemalige Kollegin aus seiner Zeit als Berufsschullehrer besucht. Als als er ihr von seinem Ehrenamt erzählte, sei sie begeistert gewesen. „Bewirb dich!“, empfahl er ihr. Er sei schließlich sehr gern Schöffe.

Was Laien-Richter tun und wie man sich für das Ehrenamt bewerben kann

Eine juristische Ausbildung darf niemand haben, der das Ehrenamt bekleiden möchte. Dennoch sind Schöffen an Recht und Gesetz gebunden. Als Laien treffen sie bei Prozessen gemeinsam mit hauptamtlichen Richtern Entscheidungen. Bei der Urteilsfindung zählt ihre Stimme genauso viel wie die des Berufsrichters. 

Das Schöffenamt ist ein verpflichtendes Ehrenamt. Das heißt, dass jeder dazu verpflichtet werden kann, es zu übernehmen. In der Regel bewirbt man sich aber auf die verantwortungsvolle Tätigkeit. Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit sind Pflicht. Fünf Jahre dauert die Amtsperiode eines Schöffen in der Regel. An Amts- und Landgerichten wirken die Laien-Richter bei der Urteilsfindung mit. Für die Verfahren müssen Schöffen vom Arbeitgeber freigestellt werden. Für den hierdurch entstehenden Verdienstausfall bekommen die Ehrenamtlichen eine Entschädigung. Zu Beginn ihrer Amtszeit müssen Schöffen zwischen 25 und 70 Jahre alt sein. Künftige Laien-Richter dürfen weder vorbestraft noch überschuldet sein. 

Eine weitere Voraussetzung für Bewerber ist die deutsche Staatsangehörigkeit. Akteneinsicht und die Teilnahme an Beratungen während der Verhandlungen gehören zum Alltag der Schöffen. Somit sind sie die demokratische Kontrollinstanz für das, was sich im Richterzimmer abspielt. Allerdings unterliegen die Schöffen der Schweigepflicht. Bewerben kann man sich als Schöffe am Amtsgericht Bruck oder am Landgericht München II bis Freitag, 16. März. 

Das Bewerbungsformular gibt es online unter www.fürstenfeldbruck.de. Interessenten werden in eine Vorschlagsliste aufgenommen. Für Fragen steht bei der Stadt Bruck Christine Hess unter Telefon (0 81 41) 2 81 30 01 zur Verfügung. Jugendschöffen sucht das Landratsamt. Sie müssen im Landkreis wohnen und Erziehungserfahrung haben – etwa als Eltern, Ausbilder oder durch Jugendarbeit. Bewerben kann man sich bis 22. März. Formulare gibt es beim Landratsamt und im Netz auf www.lra-ffb.de

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Angst vor Schäferhund der Nachbarn: Bürgermeister erlaubt aber keinen hohen Zaun
Um Kinder vor einem benachbarten Schäferhund zu schützen, wollten Anwohner im neuen Baugebiet „Lichtenberg“ einen hohen Zaun errichten. 
Angst vor Schäferhund der Nachbarn: Bürgermeister erlaubt aber keinen hohen Zaun
Amtsgericht fordert SCF zu Wahltermin auf
Das Amtsgericht München hat das Präsidium des insolvenzbedrohten SC Fürstenfeldbruck aufgefordert, die Mitglieder binnen zwei Wochen zu einer Jahreshauptversammlung …
Amtsgericht fordert SCF zu Wahltermin auf
Trotz Sabotage: Vogelpark Olching öffnet wieder
Die größte Taube der Welt, Seeschwalben vom anderen Ende der Erde und ein fast 80-jähriger Kondor: Der Olchinger Vogelpark wartet heuer mit einigen Superlativen auf. In …
Trotz Sabotage: Vogelpark Olching öffnet wieder
Projekt für mehr Artenvielfalt: Adelshofen will aufblühen
Artenvielfalt durch mehr einheimische Pflanzen – das ist das Ziel des Projekts „Brucker Land blüht auf“. 
Projekt für mehr Artenvielfalt: Adelshofen will aufblühen

Kommentare