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Anerkannter Maler mit brauner Gesinnung

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Von: Ingrid Zeilinger

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In Bruck ist eine Straße nach dem Maler benannt.
In Bruck ist eine Straße nach dem Maler benannt. © Weber

Mit seinen Märchen-Illustrationen hat sich Otto Kubel einen Namen gemacht. Der Maler lebte 20 Jahre in Fürstenfeldbruck. Die Stadt hat ihm eine Straße gewidmet.

Fürstenfeldbruck – Doch da Kubel dem Nationalsozialismus nahestand, stand der Straßenname zur Disposition. Ein Beispiel für unvorhergesehenen Schwierigkeiten mit Namenspatronen.

Wer in alte Schul- und Märchenbücher schaut, der sieht zwangsläufig Bilder von Otto Kubel. Denn der 1868 in Dresden geborene Maler hat sich auf Illustrationen der Märchen der Gebrüder Grimm spezialisiert. Doch auch seine Ölgemälde mit lockerem Pinselstrich haben Aufmerksamkeit erweckt.

Kubel machte zunächst eine Schreinerlehre, dann eine Ausbildung an der Kunstgewerbeschule. 1895 schrieb er sich an der Akademie der Bildenden Künste in München ein. Mit seiner Frau Laura – seine Jugendliebe – zog er im Jahr 1902 nach Fürstenfeldbruck. Seine drei Töchter wuchsen in der Künstlervilla an der Feuerhausstraße 22 auf. Sein Atelier hatte Kubel zwei Häuser weiter in einem Obergeschoss. Als sich 1907 sein Freund Eugen von Ruckteschell in der Amperstadt niederließ, durfte Kubel dessen Atelierräume an der Dachauer Straße mitnutzen.

Otto Kubel (o.r.) wurde bekannt als Illustrator Grimm’scher Märchen. Erhalten ist auch eine Skizze anlässlich einer Feier des Brucker Männer-Gesangsvereins. Kubels Grabstein steht heute in Bruck.
Otto Kubel (o.r.) wurde bekannt als Illustrator Grimm’scher Märchen. Erhalten ist auch eine Skizze anlässlich einer Feier des Brucker Männer-Gesangsvereins. Kubels Grabstein steht heute in Bruck. © mm

Kubel brachte sich auch im Landkreis ein. Er beteiligte sich an der ersten Brucker Kunstausstellung im Jahr 1914. Er war Hilfsschöffe am Amtsgericht. Und er war auch beim Männergesangsverein Fürstenfeldbruck. Unter anderem porträtierte er den damaligen Emmeringer Chorleiter und Oberlehrer Pentele, der aktiver Sänger war, berichtet Helga Lindner, Vorsitzende der Chorgemeinschaft Fürstenfeldbruck. Die Skizze stammt vom 16. Dezember 1920, als der Männergesangverein die 9. Sinfonie von Beethoven aufführte.

1922 zog Otto Kubel mit seiner Familie nach München. Doch die Bande nach Bruck blieben. Denn 1924 wurde die Brucker Künstlervereinigung gegründet, und Kubel trat ihr bei. 1951 starb er im Alter von 82 Jahren. Beigesetzt wurde er in München. Doch seit der Auflösung des Grabes steht der Grabstein auf dem Friedhof von St. Magdalena – bei weiteren Künstlergräbern.

Verdienste um die Stadt

Für seine Verdienste widmete die Stadt Kubel – wie vielen anderen Kunstmalern – am 9. September 1963 eine Straße – die frühere Balduin-Helm-Straße. Das hatte einen einfachen Grund, wie der damalige Bürgermeister Willy Buchauer einem Anwohner schrieb: Denn die Straßen im damals neuen Baugebiet im Brucker Westen sollten im Wesentlichen nach Personen aus der Geschichte des Zisterzienserklosters Fürstenfeld benannt werden. Der Abt Balduin Helm sei also „keineswegs in Ungnade gefallen, er musste nur innerhalb der Stadt umziehen“.

Beitritt zur NSDAP

Als Maler war Otto Kubel tatsächlich unumstritten. Doch seine Weste hatte braune Flecken. Denn Otto Kubel war im Nationalsozialismus kein unbeschriebenes Blatt. Am 1. Mai 1933 trat er der NSDAP bei. Er wurde zu den Anhängern und Stützen des Systems gezählt. Das zeigte er auch. So verließ er den Brucker Kunstring und sprach sich 1933 für die Auflösung der Brucker Künstlervereinigung aus.

Daher spielte der Stadtrat im Jahr 2015 mit dem Gedanken, die ihm gewidmete Straße – wie andere auch – umzubenennen. Ein Arbeitskreis durchleuchtete Kubels Vita – und kam letztlich zu dem Schluss, dass der Makel nicht so groß war, um den Straßennamen aus dem Stadtbild zu verbannen.

Die Otto-Kubel-Straße blieb. Ein Schild, das auf seine Rolle im Dritten Reich hinweist – wie es etwa zu Wernher von Braun und Julius Langbehn (siehe Kasten) der Fall ist – wurde nicht angebracht. Dennoch zeigt dieses Beispiel deutlich, wie genau man sich mit den Personen beschäftigen muss, denen man eine Straße widmen möchte.

Die Serie

Viele Straßen in Fürstenfeldbruck sind nach verdienten Bürger, Künstlern und Äbten benannt. In der Tagblatt-Serie werden die Persönlichkeiten vorgestellt. Mit der heutigen Folge über Otto Kubel endet die Serie.

Weitere umstrittene Straßennamen: Stadt setzte auf Information statt auf Umbenennung

Im Zuge der Diskussion um die Straßennamen rückte auch eine Straße in Puch in den Fokus. Sie ist nach dem Autor Julius Langbehn benannt. Seine Schriftstücke gelten als antisemitisch. Vor allem in seinem Buch „Rembrandt als Erzieher“ formulierte er eine rassistische Naturphilosophie. Seine Äußerungen gelten als geistige Wegbereiter des Nationalsozialismus. Warum er überhaupt Namenspatron wurde, liegt an seiner letzten Ruhestätte. Denn Langbehn wurde auf eigenen Wunsch auf dem Friedhof der Kirche St. Sebastian beerdigt – bei der Edigna-Linde. Denn Langbehn war wohl ein Verehrer der Seligen Edigna. In den 1960er Jahren wurde ihm daher eine Straße in Puch gewidmet. Im Jahr 2015 stimmte der Stadtrat geschlossen für eine Umwidmung. Doch Anwohner protestierten erfolgreich dagegen. Daher entschied sich der Stadtrat drei Jahre später, eine Informationstafel am Straßenschild anzubringen, statt die Straße umzubenennen. Dieses Vorgehen wählte man auch bei anderen historisch belasteten Straßennamen. imu

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