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1000 Personen leben in der Unterkunft am Fliegerhorst. Daran wird in absehbarer Zeit nicht gerüttelt. 

Nach den Tumulten

Ankerzentrum Fürstenfeldbruck: Verbesserungen im Kleinen

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Nach den Tumulten in der Asyl-Unterkunft am Fliegerhorst hat es Gespräche darüber gegeben, wie die Lage verbessert werden könnte. An einigen Stellschrauben soll nun gedreht werden. Prinzipiell wird sich auf absehbare Zeit aber nichts daran ändern, dass um die 1000 Menschen in der Unterkunft leben.

Fürstenfeldbruck Die Regierung von Oberbayern ist Betreiber des Heims. Es ist eine Dependance des Ankerzentrums für Oberbayern in Manching bei Ingolstadt. Nach den Tumulten will sie nun unter anderem überprüfen, ob es möglich ist, Wohncontainer in dem Areal aufzustellen, um mehr Platz für die jetzt hier schon untergebrachten Personen zu schaffen – speziell für Frauen. Denn viele Stuben sind sehr dicht belegt, was per se schon zu Konflikten führen kann. Bereits eingerichtet ist ein Wäsche- und ein Trockenraum sowie eine Kinderbetreuung. Im Hof wurden zusätzliche Toilettencontainer aufgestellt. Sicherheitskräfte kontrollieren dort die Geschlechtertrennung. Die Eingangskontrollen zum Areal wurden verbessert.

Das von einigen verbreitete Gerücht, die Kinder bekämen nichts oder zu wenig zu essen, stellte sich bei den Gesprächen als kompletter Unsinn heraus. Allerdings galt das Essen, das dem Nachwuchs mit in die Schule gegeben wurde, als nicht kindgerecht. Konkret: Die kleinen bekamen zwar alles Nötige, mussten die Brote aber selbst schmieren, was nicht klappte. Nun bekommen die kleineren Schüler, es sind um die zwölf, geschmierte Brote mit auf den Weg. Außerdem dürfen sie die Mittagsbetreuung besuchen.

Insgesamt ein Thema war erneut die Qualität des Essens auch für die Erwachsenen. Hier stellte sich allerdings heraus, dass viele Nigerianer einfach am liebsten sieben Mal die Woche Hühnchen essen würden, wie etwas flapsig berichtet wurde. Und das gehe natürlich nicht. Insgesamt glauben die Verantwortlichen aber, dieses Thema im Griff zu haben. Bei einer Großküche alle Beteiligten zufrieden zu stellen, sei auch etwas schwierig bis unmöglich, hieß es.

Wie bei den Gesprächen ebenfalls deutlich wurde, gab es in der Tat ein Problem mit den Waschmaschinen, für das die Flüchtlinge aber nichts können: Nach Jahren des ständigen Massiv-Betriebs (für bis zu 1000 Personen) waren die Geräte hinüber und mussten ersetzt werden. Das wurde offenbar versäumt. Übrigens wäscht in der Unterkunft nicht jeder Flüchtling selbst. Die Wäsche wird abgegeben. Ein Nigerianer übernimmt als 80-Cent-Kraft diesen Job und hat ihn auch im Griff, soweit das bei dieser Masse an Menschen möglich ist.

Sehr differenziert gestaltet sich auch das Bild, das ehrenamtliche Helfer zeichnen. Insgesamt ist die Zahl der Freiwilligen deutlich zurückgegangen. Beim Sport herrscht weiterhin großer Andrang, gerade die Fitnessgeräte seien sehr beliebt. Der in der Anfangszeit von den Helfern auch gegen Widerstände der Regierung und andere Widrigkeiten hart erkämpfte Computerraum steht dagegen kurz vor der Aufgabe. Grund: Mangelndes Interesse der Flüchtlinge.

Dasselbe gelte für die Deutschkurse. Aus Helfersicht ergebe es keinen Sinn, Sprach- oder Computer-Stunden anzubieten, wenn man dann (fast) alleine da sitze. Wobei das mangelnde Interesse am Sprache lernen auch an den geringen Bleibeperspektiven liegen könne.

Unabhängig davon hat die Polizei nach den Tumulten einige Rädelsführer ausfindig gemacht und festgesetzt. Namentlich die letzte Begehung, bei der auch Drogen gefunden wurden, wurde hinterher (trotz eines Ausrasters und trotz Verhaftungen) von dem Beamten als friedlich mit Kooperationsbereitschaft von Seiten der Geflüchteten beschrieben. Ein Mädchen sei sogar dabei beobachtet worden, wie es Polizisten spielerisch knuffte, hieß es – also eine völlig andere Lage als die Polizisten zuletzt angetroffen hatten.

Am Hauptgrund für die (erneute) Begehung der Unterkunft lasse sich aber nichts ändern: Aus Brandschutzgründen ist es verboten, Elektrogeräte (beliebt sind vor allem Wasserkocher oder Heizplatten) in den Stuben zu betreiben. Dieses Verbot müsse aus Sicherheitsgründen unbedingt aufrechterhalten und in den teils recht zugestellten Zimmern auch durchgesetzt werden, heißt es bei Verantwortlichen – auch wenn der Wunsch nach einem Wasserkocher im Zimmer nachvollziehbar sei.

Häufig gestellte Fragen

Das Zusammenleben so vieler Menschen wie in der Unterkunft am Fliegerhorst muss geregelt werden. Deshalb gibt es dort eine Hausordnung. Die Regierung von Oberbayern erklärt die wichtigsten Punkte. 

Die Hausausweise

 Bereits vor ihrer Verteilung in die Anker--Einrichtung Manching/Ingolstadt sowie die Unterkunfts-Dependancen wie Fürstenfeldbruck erhalten Asylbewerber Hausausweise. Diese sollen den Alltag der Flüchtlinge durch eine bessere Zuordnung und einen reibungslosen Zugang zu ihrer Einrichtung erleichtern. Der Hausausweis enthält auch einen „Laufzettel“ mit wichtigen Informationen und Terminen. 

Warum ist Alkohol verboten?

 Um ein sozialverträgliches Zusammenleben sowie die Sicherheit – vor allem von besonders schutzbedürftigen Personen und Familien – zu gewährleisten, sind alkoholische Getränke in den Einrichtungen verboten. Zudem möchten wir den Handel mit Alkohol vermeiden. 

Warum gibt es eine Ausweispflicht am Eingang? 

Aufgabe der Regierung von Oberbayern ist es in erster Linie, im Anker-Oberbayern einen geschützten Wohnbereich zu schaffen und den Asylbewerbern einen Raum zu bieten, in dem sie zur Ruhe kommen können. Deshalb und aus sicherheitsrechtlichen Aspekten ist der Zugang reglementiert. Grundsätzlich hat nur Zugang, wer dort wohnt oder zum Betrieb beiträgt. Dies ist auch durch die Ausübung des Hausrechts in der Hausordnung entsprechend geregelt. Warum werden Rucksäcke durchsucht? Die Hausordnung dient vorrangig dem Schutz der Asylbewerber und schließt etwa brandgefährliche Gegenstände, Waffen und gefährliche Werkzeuge sowie verderbliche Lebensmittel aus Hygienegründen aus. Um die Einhaltung der Hausordnung sicherzustellen, werden möglichst schonend, aber dennoch konsequent Sichtungen der mitgeführten Gegenstände vorgenommen.

 Warum dürfen die Asylbewerber in ihren Stuben nicht selbst kochen? 

Der Bedarf an Ernährung wird im Anker-Oberbayern durch Sachleistungen gedeckt. Dies ergibt sich unmittelbar aus dem Gesetz (§ 3 Absatz 1 Asylbewerberleistungsgesetz). Die Asylbewerber erhalten Verpflegung nach den Vorgaben der deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Eine ausgewogene, abwechslungsreiche und gesunde Verpflegung der Asylbewerber ist sichergestellt. Auf Alter, Gesundheit, kulturelle sowie religiöse Gebote und Besonderheiten der Bewohnerinnen und Bewohner (beispielsweise vegetarische Ernährung, Diätkost auf Grund ärztlicher Anordnung, keine Verwendung von Schweinefleisch) wird Rücksicht genommen. Darüber hinaus gehende Vorlieben der Bewohner werden ebenfalls berücksichtigt, soweit dies in diesem Rahmen möglich ist. Es gibt daher grundsätzlich keine Möglichkeit der Bewohner, in ihren Zimmern selbst Essen zuzubereiten. Dies ist auch im Lichte des Brandschutzes nicht möglich.

 Wie ist mittlerweile eigentlich die Taschengeld- beziehungsweise Sachleistungsfrage geregelt

Der Gesetzgeber sieht in Paragraph 3 Asylbewerberleistungsgesetz auch für Bewohner des Anker-Oberbayern für den sogenannten notwendigen Bedarf Sachleistungen vor. Dazu zählen Ernährung, Unterkunft oder Heizung. Die Bewohner erhalten etwa ein Bett zur Nutzung in den Unterkunftsgebäuden und dreimal am Tag ein Essensangebot, basierend auf ernährungswissenschaftlichen Vorgaben unter Berücksichtigung religiöser Gebote. Der notwendige persönliche Bedarf soll ebenfalls durch Sachleistungen abgedeckt werden, so wird etwa der Bedarf für „Mobilität“ durch ÖPNV-Fahrkarten abgedeckt. Die Bedarfe, die nicht durch Sachleistungen abgedeckt werden, werden durch Geldleistung abgedeckt.

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