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Hinter ihrem Tresen: Petra und Joachim Meisner. Seit April 2009 betreibt das Ehepaar den Kiosk im Blauen Haus am S-Bahnhof Buchenau.

Letzte Folge der Serie: mein Kiosk

Die Anlaufstelle am Bahnhof Buchenau

Ein Kiosk ist mehr als nur ein Ort, an dem man Pommes, Zigaretten oder Bier kaufen kann. An den Buden und Läden treffen sich Menschen und kommen miteinander ins Gespräch. In der Serie „Mein Kiosk“ erzählen wir die Geschichten, die sich täglich hinter und vor der Theke abspielen. Heute: der Kiosk am S-Bahnhof Buchenau.

Fürstenfeldbruck– Seit 2009ist Joachim Meisner mit seinem Kiosk am S-Bahnhof Buchenau im Blauen Haus präsent. Doch schon seine Eltern haben zuvor ein Kioskgeschäft in Fürstenfeldbruck betrieben. Seit 1965 kaufen die Kunden bei den Meisners ein.

Die Eltern von Joachim Meisner starteten in den 1960er-Jahren am Bahnhof Fürstenfeldbruck. Damals verkaufte er als Achtjähriger Bier an die Kiosk-Kunden, erinnert sich der heute 59-Jährige. „Das war damals so.“

1989 übernahm er dann das Geschäft. Zusammen mit Ehefrau Petra betrieb er dann von 1998 bis 2008 den Stadtkiosk am Geschwister-Scholl-Platz. Während des Umbaus am S-Bahnhof war der Laden ein Jahr lang in einem Container beheimatet. Und im April 2009 zog das Ehepaar ins neue Blaue Haus direkt vor dem Bahnsteig um – als erster Mieter.

Früher strömten viele Kunden morgens den Kiosk, heute ist das anders

Das Arbeiten an den verschiedenen Standorten hat sich unterschieden, berichtet Meisner. Früher am Brucker Bahnhof kamen in der Früh vier, fünf Linienbusse hintereinander, und die Kunden strömten ins Geschäft „Das war Stress“, so Meisner. Jetzt in der Buchenau, wo der Kiosk sieben Tage die Woche geöffnet hat, verteilten sich die Kunden eher über den Tag. „Die Leute haben keine Zeit mehr“, sagt Meisner. Dann kommt es schon mal vor, dass sich besonders Eilige schnell in der Schlange vordrängeln wollen.

Kurios ist es auch, wenn die Bahnfahrer zuerst am Automaten ihr Glück versuchen, dann aber doch zu den Meisners kommen – weil die Maschine keinen 20er-Schein wechselt oder weil sie das falsche Ticket gezogen haben. Sie verstehe die gestressten Bahnkunden aber auch, wirft Ehefrau Petra ein. Denn gefühlsmäßig hätten die Verspätungen über die Jahre hinweg zugenommen. Der Lärm der durchrauschenden Züge stört die Meisners übrigens nicht. „Das ist Gewohnheitssache.“

Neben dem Fahrkartenverkauf und dem klassischen Kiosk-Geschäft wie Presseartikel, Zigaretten und Getränke betreiben die Meisners in ihrem Kiosk auch noch ein kleines Stüberl im rückwärtigen Bereich. Dort finden zwei Kühlschränke und eine Handvoll Gäste Platz. „Das mache ich für meine Stammgäste“, erklärt Joachim Meisner. Einer der Stammgäste muss für den Tagblatt-Gesprächstermin sogar von seinem angestammten Platz ausweichen.

Viele ältere Leute kommen in den Kiosk, weil sie auf einen Ratsch aus sind

Früher sei das Stüberl jedoch belebter gewesen, da ging dann zum Beispiel ein Schafkopf zusammen, erzählt Meisner. Seit dem strikten Rauchverbot hätten Flair und Gemütlichkeit abgenommen.

Das Schöne an dem Beruf, den die Meisners sieben Tage die Woche ausüben, sei jedoch immer noch die persönliche Ansprache, wenn man mit den Kunden sprechen könne. Viele ältere Leute kämen auch deswegen in den Kiosk, weil sie auf einen kleinen Ratsch aus sind, erzählt Petra Meisner.

Eine Botschaft an seine Stamm-Kunden möchte Joachim Meisner unbedingt loswerden. „Ich möchte mich bei den treuen Kunden bedanken, welche die Existenz des Ladens sichern“, sagt der Arbeitgeber von vier Angestellten. Und bei denen, die vielleicht einmal unzufrieden mit ihm waren, will er es in Zukunft besser machen.

„Mein Kiosk“ – eine Sommer-Serie des Fürstenfeldbrucker Tagblatts

Mit dem Kiosk am S-Bahnhof Buchenau Ende die Serie „Mein Kiosk“. Zuvor hat das Brucker Tagblatt auch den Kiosk in der AmperOase in Fürstenfeldbruck, den Lokschuppen beim Fürstenfeldbrucker S-Bahnhof und das „Espressino“ im City-Point in Fürstenfeldbruck vorgestellt.

von Fabian Dilger

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