1. Startseite
  2. Lokales
  3. Fürstenfeldbruck
  4. Fürstenfeldbruck

Ansprechpartner für Menschen in seelischer Not

Erstellt:

Kommentare

null
Informierten über die psychiatrische Soforthilfe (v.l.): Andrea Kreppold Roth (Moderatorin), Josef Mederer (Bezirkstagspräsident), Petra Brandmaier (Leitstelle Krisendienst), Nicolay Marstrander (Chefarzt kbo-Isar-Amper-Klinikum FFB), Monika Fußeder (Sozialpsychiatrischer Dienst FFB), Alexandra Gorges (aufsuchender Dienst am Abend und Wochenende).

Der Krisendienst Psychiatrie unterstützt seit knapp zwei Jahren Menschen in den Landkreisen Fürstenfeldbruck und Dachau, die psychiatrische Soforthilfe benötigen. Mittlerweile sogar 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr und vor allem außerhalb der üblichen Sprechzeiten.

Fürstenfeldbruck – „Man sieht, wie groß der Bedarf ist“, sagt Bezirkstagspräsident Josef Mederer und belegt das mit konkreten Zahlen. In der Leitstelle des Krisendienstes gingen 2017 rund 20 000 Anrufe ein, für heuer rechnet man nach jetzigem Stand mit etwa 22 000. Im Zeitraum von Januar bis Juni 2018 haben auch 230 Menschen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, darunter Angehörige und Nachbarn von Betroffenen, die Nummer (01 80) 6 55 30 00 gewählt. 178 waren es in Dachau. „Rund 200 der Fälle konnten schon am Telefon gelöst werden“, berichtet die stellvertretende ärztliche Leiterin der Leitstelle, Petra Brandmaier.

In der Leitstelle des Krisendienstes Psychiatrie bewerten dann erfahrene Psychologen, Fachkrankenpfleger und Sozialpädagogen die Situation. Wenn ein Telefongespräch nicht ausreicht, können umgehend mobile Einsatzteams zu den Leuten nach Hause geschickt werden. „Wir rücken als Tandem aus“, sagt Monika Fußeder, die Fachdienstleiterin des Sozialpsychiatrischen Dienstes Fürstenfeldbruck. Dabei sei es wichtig, dass die Teams aus Nicht-Ärzten bestehen. „Das baut Hemmschwellen ab.“ Die mobilen Helfer entscheiden dann auch, ob eine Nachsorge nötig ist, zum Beispiel in Form einer Erstvermittlung an Therapeuten, oder ob der Fall abgeschlossen werden kann.

In der Zeit zwischen 9 und 16 Uhr sind für die Hausbesuche die Sozialpsychiatrischen Dienste (SpDi) zuständig, danach übernimmt der aufsuchende Dienst am Abend, Wochenende und Feiertagen (AWF). Ein Einsatz könne bis zu sechs Stunden dauern, sagt Fußeder. Insgesamt gab es in Oberbayern in diesem Jahr bislang 980 solcher Hausbesuche, davon 44 im Raum Fürstenfeldbruck und 31 in Dachau.

Dennoch kommt es auch vor, dass Hilfsbedürftige in Ambulanzen vermittelt werden. Im Kreis Bruck und Dachau trat dieser Fall im ersten Halbjahr sechs beziehungsweise drei Mal ein. „Wir versuchen, die Menschen draußen in ihrem Umfeld zu halten“, so Nicolay Marstrander, Chefarzt des kbo-Isar-Amper-Klinikums Fürstenfeldbruck sowie der kbo-Tagesklinik in Dachau. Eine Zwangseinweisung, betont auch Bezirkstagspräsident Mederer, sollte immer Ultima Ratio sein.

Die sogenannten Psychiatrischen Institutsambulanzen sind einer von vielen Netzwerkpartnern, die dieses umfassende Hilfsangebot für Menschen mit akuten seelischen Problemen erst ermöglichen. Daneben sind auch karitative Fachstellen ein wichtiger Ansprechpartner sowie die Heckscherklinik für Kinder und Jugendliche. „Die Zusammenarbeit in beiden Landkreisen hat sich sehr gut entwickelt“, sagt Marstrander.

Finanziert wird der Krisendienst Psychiatrie durch den Bezirk Oberbayern. Im aktuellen Haushalt habe man dafür über sieben Millionen Euro eingestellt, berichtet Josef Mederer. Durch das im August in Kraft getretene „Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetz“ muss nun auch der Freistaat finanzielle Hilfe leisten. Er übernimmt die Kosten der Leitstelle in Höhe von rund zwei Millionen Euro.

Ein Ärgernis für Bezirkstagspräsident Mederer stellen allerdings die Krankenkassen da. Von denen bekomme man keinen Cent, geschweige denn ein „Dankeschön“ und das, obwohl man sehe, „mit welchem Aufwand wir auch präventiv dafür sorgen, dass Klinikaufenthalte verhindert werden und Krankenkassen dadurch Geld sparen.“ SEBASTIAN ÖL

Auch interessant

Kommentare