Kreisgeschäftsführer

Anwalt der Schwächeren: VdK unter neuer Leitung

Fürstenfeldbruck  - Es ist seine erste Stelle nach dem Studium und gleich eine Leitungsfunktion: Felix Hechtel (26) ist seit kurzem neuer Geschäftsführer des VdK-Kreisverbands Fürstenfeldbruck. Seine soziale Ader entdeckte er schon im Sandkasten.

 Als Sohn eines evangelischen Pfarrerehepaares wuchs Hechtel neben dem Friedhof auf und hatte großen Spaß daran, sich mit den älteren Damen zu unterhalten, die zum Blumengießen kamen. Später, als Schüler des Sozialzweigs der Fachoberschule, machte er Praktika in einer Tagespflege und einer Blindenschule. „Ich finde es spannend, mit Menschen zu arbeiten“, sagt Hechtel. „Sie können einem immer etwas mitgeben und es ist nachhaltiger, als für den Gewinn eines Konzerns oder einer Bank zu arbeiten.“

Der gebürtige Ansbacher – groß gewachsen, drahtig, energiegeladen – studierte Sozialmanagement, machte seinen Master in Sozialrecht und ließ sich zum Ehrenamtskoordinator ausbilden. Auf seinem neuen Posten in der VdK-Geschätsstelle ist er Chef von sechs Mitarbeiterinnen und zuständig für alles – von Beratungsgesprächen über Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Betreuung von 16 VdK-Ortsverbänden. Im Inklusionsforum des Landkreises setzt er sich für Barrierefreiheit in öffentlichen Gebäuden ein („da ist noch sehr, sehr viel zu tun“). Im Namen der VdK-Mitglieder, die bei ihm Hilfe suchen, kämpft er mit Krankenkassen und Sozialversicherungen.

"Enorme Ökonomisierung"

Denen gehe es immer weniger um ihre Kunden und immer mehr um ihre Zahlen. Hechtel beklagt eine „enorme Ökonomisierung“ der Sozialversicherer und die Tatsache, dass deren Mitarbeiter intern unter erheblichem Druck stünden. „Es gilt das Prinzip: Wer das meiste Geld ausgibt, hat verloren.“ Dass Leistungen abgelehnt werden, auf die die Versicherten Anspruch hätten, erlebt Hechtel immer wieder. Im Namen von Mitgliedern Widerspruch gegen rechtswidrige Bescheide zu erheben, ist sein täglich Brot. Wenn der 26-Jährige auf Reisen geht, dann nicht, um irgendwo am Strand zu liegen. Vielmehr zieht es ihn in die Camps des Internationalen Bauordens, wo Freiwillige bei Bau- und Renovierungsarbeiten in ganz Europa anpacken.

Auf diesem Wege hat er Länder wie Rumänien, Litauen und Ungarn ganz anders kennengelernt, als es ein Tourist je könnte. In Rumänien hat er dabei geholfen, dass abgebrannte Haus einer Roma-Familie wieder aufzubauen – und den Hass erlebt, der dieser Bevölkerungsgruppe entgegenschlägt und der auch vor den Helfern nicht Halt machte. „Unsere Unterkunft lag hinter einer zwei Meter hohen Mauer mit Stacheldraht“, erzählt er. „Und das war nicht übertrieben.“ In der Brucker Gegend gefällt es dem Mittelfranken gut, auch wenn ihm sein Job nicht viel Zeit lässt, den Freizeitwert seiner neuen Heimat auszukosten. „In den Alpen war ich noch nicht.“ Ein bisschen Zeit bleibt immerhin für seine Hobbys Lesen und Kochen mit Freunden, wenn sie ihn in seiner neuen Wohnung in Mering besuchen. „Näher an Bruck zu wohnen, war auf die Schnelle unmöglich. (Ulrike Osman)

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