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Lauschen den Klängen der Nachwuchs-Pianisten (v.r.): Julian Nida-Rümeli n, OB Erich Raff mit Gattin Elke und Vize-Bürgermeister Christian Götz. 

Wirtschaftsempfang der Stadt

Appell an die Unternehmer: Bildet Fachkräfte aus

Sie stärken den Wirtschaftsstandort Fürstenfeldbruck: Vertreter von 120 Firmen waren der Einladung von OB Erich Raff (CSU) zum Wirtschaftsempfang der Stadt gefolgt. Was sie für das Wohl der Wirtschaft tun können, zeigte ihnen Professor Julian Nida-Rümelin, ehemaliger Staatsminister, in seinem Vortrag über die Zukunft der beruflichen und akademischen Bildung auf.

Fürstenfeldbruck–  Nida-Rümelin brach eine Lanze für die duale Bildung. Gerade die mittelständischen Unternehmer würden die Probleme vor Ort kennen: wenig Nachwuchs und freie Lehrstellen. Im Fachkräftemangel sieht er eine Fehlentwicklung: Seit 2006 steigt die Zahl der Studienanfänger sprunghaft an, erst seit 2014 ist die Zahl wieder rückläufig. Doch es würde der Wirtschaft nicht an Akademikern fehlen, sondern an Facharbeitern. „Es wäre ein Treppenwitz, wenn wir durch die Fehlsteuerung des Bildungssystems eine Deindustrialisierung Deutschlands erzwingen würden“, sagte der Wissenschaftler. Seine Theorie, die er mit einer Statistik belegte: „Länder mit einer niedrigen Akademisierungsrate haben die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit.“ Das seien neben Deutschland auch Österreich und die Schweiz.

Nida-Rümelin sieht den Bund in der Pflicht: „Das duale System ist das Kleinod des deutschen Bildungssystems.“ Daher müssten die Berufsschulen fit gemacht werden. Zudem forderte er spezifische Angebote für Studienabbrecher und Unterstützung für die Ausbildungsstätten.

Auch die anwesenden Unternehmer nahm er in die Pflicht: „Das duale System ist darauf angewiesen, dass die Unternehmen in der Ausbildung nicht nur an die eigenen Interessen denken.“ Denn die Zahl der Ausbildungsbetriebe sei auf rund 20 Prozent gesunken – und ohne sie funktioniere es nicht.

Im Podiumsgespräch betonte Alt-OB Sepp Kellerer, man müsse an die elterliche Vernunft appellieren, damit sie die Kinder nicht unter Druck durch die Schullaufbahn schleusen. „Die Botschaft, „wenn ihr nicht studiert, habt ihr versagt, ist falsch“, betonte Nida-Rümelin. Gewerbeverbands-Chef Franz Höfelsauer appellierte an die Betriebe, weiter auszubilden. Kreishandwerksmeister Harald Volkwein forderte, dass die Berufsbilder im Unterricht an der Mittelschule vermittelt werden.

OB Raff schnitt die finanziellen Schwierigkeiten im städtischen Etat an. Es werde trotzdem keine Steuererhöhung geben. „Die Stadt weiß, was sie an Ihnen hat.“ Er berichtete von weiteren Gewerbeflächen, die die Industha am Kugelfang bereitstellt, und vom Plan, bis 2020 die Breitbandversorgung sicher zu stellen. Seit 2013 seien 1216 zusätzliche Arbeitsplätze entstanden. Trotzdem gebe es ein negatives Pendlersaldo: 471 Menschen mehr würden auspendeln. Dennoch wolle er erst Arbeitsplätze schaffen und dann Wohnraum.

Dem Vorwurf, die Innenstadt sterbe aus, trat der Rathauschef entgegen. Aber der Handel müsse sich dem veränderten Kaufverhalten stellen. Daher lud er die mittelständischen Unternehmer zur Fortsetzung des runden Tischs Einzelhandel im Herbst ein. Das Thema lautet: die digitale Einkaufsstadt.

Umrahmt wurde der Empfang von jungen Pianisten der Kreismusikschule. Nach dem Vortrag blieb Zeit, bei einem Imbiss neue Kontakte zu knüpfen.imu

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