Sonnenuntergang vor den Eisbergen: Dieses Naturschauspiel genießt Theresa Thoma in der Antarktis.
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Sonnenuntergang vor den Eisbergen: Dieses Naturschauspiel genießt Theresa Thoma in der Antarktis.

Fürstenfeldbruck

Arbeitsplatz mit Blick auf Eisberge

  • Ingrid Zeilinger
    VonIngrid Zeilinger
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Ein Sonnenuntergang vor Eisbergen, ein Spaziergang zu Pinguinen. Und Eis, wohin man nur blickt. Einen einsameren Arbeitsplatz hätte sich Theresa Thoma kaum aussuchen können als auf einer Forschungsstation in der Antarktis – fernab von Familie, Freunden und Corona.

Fürstenfeldbruck – Lockdown, Maske, Abstand halten: Was für die Menschen hier zum Alltag gehört, spielt im Leben von Theresa Thoma derzeit keine Rolle. „Ich habe mir die beste Zeit ausgesucht, um für ein Jahr abzuhauen“, sagt die 26-Jährige. Seit Mitte Januar ist sie auf der Forschungsstation Neumeier III in der Antarktis, die das Alfred-Wegener-Institut betreibt. Anfangs war viel Trubel im ewigen Eis. Bauteams warteten die Geräte und installierten neue. Pinguin- und Eisforscher waren auf der Station zu Gast – wenn auch aufgrund der Pandemie weniger als sonst. „Es war recht anstrengend und viel los“, erzählt die Bruckerin.

Inzwischen sind nur noch die Überwinterer in der Forschungsstation: Fünf Wissenschaftler, drei Techniker – darunter Theresa Thoma –, ein Arzt und ein Koch. Sie halten alles am Laufen und arbeiten, bis im Sommer die Forscher wieder kommen. Thoma kümmert sich um Funk und IT. Sie hilft bei Computerproblemen, betreut die Satellitenantennen und Funkgeräte. Zudem betreut sie das WSPR-Projekt, das die Ausbreitung von Funkwellen rund um die Welt erforscht.

Pinguin-Kino

Und sie hat eine schöne antarktische Aufgabe: Alle paar Wochen schmiert sie die Windkraftanlagen am Pinguin-Observatorium. Dann bleibt Zeit, den gefiederten Tieren zuzuschauen. „Pinguin-Kino“ nennt die 26-Jährige das. „Die Pinguine sind einfach putzig.“

Überhaupt genießt sie die Landschaft im Eis. Eine Stunde mit dem Pistenbully zur Arbeit und das Panorama der Eisberge genießen – davon können andere nur träumen. „Die Luft ist klar und der Nachthimmel einfach toll. Man sieht unendlich viele Sterne und die Milchstraße.“ Auch Wale und Robben hat Theresa Thoma schon gehört. Denn sie liest regelmäßig die Daten der Unterwassermikrofone aus. „Da hört man die Robben rufen und die Wale, das ist spannend.“ Aber dorthin ist es kein Katzensprung. Denn die Schelfeis-Kante, an der die Mikrofone angebracht sind, liegt dort, wo der Gletscher ins Meer fliest. „Die Küste.“ Die ist weit weg, denn die Forschungsstation liegt auf 200 Meter dickem Eis.

Haus auf Stelzen

Doch wie lebt man dort? „Die Station ist ein Zwischending aus Haus, Schiff und Raumstation“, erzählt die 26-Jährige. Der Containerbau steht auf Stelzen, die hydraulisch angehoben werden können. Pro Jahr kommt in der Antarktis ein Meter Schnee hinzu. Einmal im Jahr wird die Neumeier-Station angehoben. „So kann sie mit der Schneedecke mitwachsen.“ Im Inneren sieht es aus wie in einem Bürogebäude – aber wohnlich eingerichtet. Es gibt eine Sportecke und eine Spiele- und Filmsammlung.

Die Forschungsstation Neumayer III steht auf Stelzen auf der dicken Eisfläche. So kann sie mit der Schneedecke mitwachsen.

Bei gutem Wetter geht es raus zum Langlaufen, zur Pinguin-Kolonie oder zu den Eisbergen. „Dann muss man sich aber einpacken und schauen, dass kein Fitzelchen Haut raus schaut“, erzählt Thoma. Sonst gibt es schnell Erfrierungen. Skiunterwäsche, Fleecekleidung, darüber der rote Polaranzug sowie Skibrille und Schal im Gesicht sind Standard. Und wenn es ganz eisig wird – also im Winter bis Minus 45 Grad – gibt es noch Jacke und Hose aus Daunen. Derzeit hat es um die minus 14 Grad – gefühlt minus 20. „Das ist noch erträglich“, sagt Thoma.

Um die Verpflegung kümmert sich ein Koch. Einmal im Jahr liefert ein Schiff containerweise Vorräte – vor allem haltbare Lebensmittel und Tiefkühlkost. Doch ganz auf frische Kost muss die Belegschaft nicht verzichten. In einem Gewächshaus wachsen Kohlrabi, Paprika, Salat, Gurken und Kräuter. „Wir freuen uns schon auf die erste Ernte.“

Denn frisches Essen vermisst sie schon ein bisschen. Und die Pferde, denn sie ist eine begeisterte Reiterin. Zu Familie und Freunden hält sie vor allem über Telefon und E-Mail Kontakt. Und auch mit den Brucker Amateurfunkern aus ihrem Verein hat sie schon über Funk gesprochen. Das war eigentlich auch mit Schulen geplant. Schüler können nämlich über Funk die Polarforscher ausfragen. Sobald Corona wieder Gruppenprojekte zulässt, soll es losgehen. „Darauf freue ich mich.“

Leben ohne Corona

Apropos Corona: Die Pandemie können die Antarktis-Überwinterer völlig ausblenden. „Hier ist das Leben wie 2019“, erzählt die 26-Jährige. Vor der Abfahrt mit dem Schiff hat Theresa Thoma drei Corona-Tests gemacht und eine Woche in Quarantäne im Hotelzimmer verbracht. Nach der ersten Woche auf dem Meer war klar, alle sind gesund. Nun sind Abstand halten und Verzicht auf Feiern kein Thema mehr. Es kommt ja niemand, der das Virus einschleppen kann. Und auch die Sommer-Forscher sind lang genug mit dem Schiff unterwegs, um nichts einzuschleppen. Dann wird Theresa Thoma noch ihren Nachfolger einarbeiten. Im Februar 2022 kehrt sie dann wieder heim ins dann hoffentlich Covid-freie Bruck.

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