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Jahresversammlung des Museumsvereins: Die Mitglieder verfolgten den Vortrag von Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl aufmerksam. In der vordersten Reihe ist der Vorsitzende Lutz von Meyer zu sehen. 

Germering

Archivar erinnert an KZ-Lager in Germering

  • vonHans Kürzl
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Stadtarchivar Marcus Guckenbiehl zeigte bei der Jahresversammlung des Fördervereins Stadtmuseums die Ergebnisse der archäologischen Untersuchungen des Vorjahres auf. Eine Rolle spielte dabei auch das Gefangenenlager der Nazis in der Dornierstraße.

Germering Stadtarchivar Guckenbiehl präsentierte in seinem Vortrag über die Grabungsergebnisse auch neue Erkenntnisse vom ehemaligen Gefangenenlager in der Dornierstraße. Während des Zweiten Weltkrieges war dort im Auftrag des Reichsministers Luftfahrt sowie des Oberbefehlshabers der Luftwaffe ein Lager gebaut worden. Dies geht aus Schriftstücken hervor.

KZ-Außenlager

„Produziert wurde dort aber nie“, erklärte der Archivar und passionierte Hobby-Archäologe. Allerdings waren im Lager von Häftlingen des Konzentrationslagers Dachau unter anderem Baracken für Wachpersonal gebaut worden.

Auf Luftaufnahmen, die Guckenbiehl zeigte, sind zudem vier Wachtürme sowie eine Einzäunung zu erkennen. Außerdem, so Guckenbiehl weiter, habe es spezielle Gräben gegeben, die durch ihre Bauweise die Wirkung von Luftdruckwellen bei Bombenabwürfen von den Bunkeranlagen abhalten sollte. Später wurden die Bunker unter anderem als Lagerraum genutzt.

„Es war per Definition eine KZ-Außenanlage,“ antwortete Marcus Guckenbiehl auf eine entsprechende Frage von Centa Kessler. Die Kulturreferentin des Stadtrats hatte angemerkt, dass diese Bezeichnung doch negativ für die Stadt sei.

Volksfestplatz

Bis weit in die 1940er-Jahre war auch der Volksfestplatz anders genutzt worden als ihn viele Germeringer heute kennen – nämlich als Kiesgrube für die Gemeinde Unterpfaffenhofen. Danach war das Areal aufgelassen und über die Jahrzehnte hinweg waren viele Bohrungen durchgeführt worden.

Immer wieder waren dem Stadtarchivar zufolge Gerüchte aufgekommen, was alles in der einstigen Kiesgrube verfüllt gewesen sei. Da sei von Waschmaschinen, Lastkraftwagen und Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg die Rede gewesen. Guckenbiehl: „Das einzige, was haufenweise vorhanden war, waren Verankerungen von Geschäften des früheren Volksfestes.“ Das hatte im Jahr 2014 zum letzten Mal stattgefunden.

Sonstige Funde

Das größte Bauvorhaben des vergangenen Jahres war der Beginn der Arbeiten am Hochrainweg. Hier entsteht ein Wohn- und Gewerbegebiet, zudem erhält die Feuerwehr Germering einen Anbau. Bei den archäologischen Untersuchungen vor Baubeginn wurden Artefakte aus der Latènezeit um 400 vor Christus zutage gefördert – unter anderem blaue Glasperlen.

Auch die Funde, die in Nebel gemacht wurden, fasste Guckenbiehl noch einmal zusammen – er hatte sie im Herbst in einem eigenen Vortrag ausführlich vorgestellt. „Nebel hat die Ortsgeschichte um 29 000 Jahre älter gemacht“, würdigte der Stadtarchivar diese Ergebnisse.

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