Rund 40 Gläubige erhalten zu Beginn der Langen Nacht der Christen in der Freien evangelischen Gemeinde eine Einweisung in die Hygiene-Regeln.
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Rund 40 Gläubige erhalten zu Beginn der Langen Nacht der Christen in der Freien evangelischen Gemeinde eine Einweisung in die Hygiene-Regeln.

Fürstenfeldbruck

Auf den Spuren der Widerstandskämpfer

  • vonHans Kürzl
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Nach der Corona-Pause sind die Christen wieder durch die Stadt gezogen. Bei ihrer Langen Nacht beschäftigten sie sich in ökumenischer Verbundenheit mit Menschen, die dem NS-Regime die Stirn geboten haben.

Fürstenfeldbruck – „Die Kirche muss aus ihrer Stagnation heraus.“ Dieser Satz des lutherischen Theologen Dietrich Bonhoeffer ist so etwas wie ein verbindendes Element zwischen den Jahrzehnten. Die Worte sind vor fast 80 Jahren gesprochen, aber sie reichen bis in die heutige Zeit. Pfarrer Valentin Wendebourg von der evangelischen Erlöserkirche gibt sie den Teilnehmern der „Langen Nacht der Christen“ mit auf den Weg.

Der Vorplatz der Erlöserkirche ist eine von sechs Stationen auf dem Weg durch die Nacht. Sie steht unter dem Motto „76 Jahre nach Kriegsende: Glaubenszeugnisse von damals – Ermunterung für heute“. An jedem Halt beschäftigen sich die Teilnehmer mit Persönlichkeiten, die sich gegen das Regime des Dritten Reiches gestellt haben – je drei Frauen und Männer. Gleichzeitig sind die sechs Stationen Beleg des ökumenischen Geistes. „Verschiedene Pfarreien und Kirchen haben sich zu einem gemeinsamen Thema zusammen gefunden“, fasst Friedrich Deschauer als einer der Mitorganisatoren des Christenrates Fürstenfeldbruck/Emmering das Geschehen zusammen.

Ökumenische Nacht

Seit 2007 gibt es die ökumenische Nacht kurz vor Ostern. Im vergangenen Jahr musste sie wegen der Corona-Pandemie ausfallen. An der ersten Station, der Freien evangelischen Gemeinde, weist Deschauer die Christen eindringlich auf das Einhalten der Pandemie-Regeln hin. „Wir haben es nur unter strengen Auflagen des Landratsamtes genehmigt bekommen“, erklärt er. Nachlegen muss er in dieser Beziehung nicht mehr. „Alle haben sich daran gehalten.“ Auch mit den rund 40 Teilnehmern könne man zufrieden sein. Zwar waren es in den vergangenen Jahren gut ein Drittel mehr. Aber angesichts der Pandemie sei das in Ordnung, so Deschauer.

Bewusst hat man die Strecke im Zentrum gehalten. „Der kurzen Wege willen“, sagt Deschauer. So kann der vorgegebene Zeitplan eingehalten werden. Genauso sind die Beiträge der einzelnen Pfarreien gut getaktet. Aber trotzdem noch ausführlich genug, um etwas von dem Motto und dem Zeitgeist jener Jahre, deren Wiederkehr keiner möchte, widerzuspiegeln.

„Der Blick in jene Zeit ist lehrreich“, betont Traugott Hopp, Pastor der Freien evangelischen Gemeinde. Er berichtet über Friedrich von Bodelschwingh junior, der im Juni 1933 als Reichsbischof der evangelischen Kirche zurücktreten musste. Er führte das Werk seines Vaters weiter und leitete ein Heim für Schwachsinnige, wie man die Menschen damals nannte.

Am Wegkreuz im Stadtpark erinnert Simone Kuhbander, Gemeindereferentin von St. Bernhard, mit ihrem Team an die als Ordensschwester wirkende Edith Stein. Sie gilt als Brückenbauerin zwischen Christen und Juden und kam am 9. August 1942 in Auschwitz ums Leben. Drei Töne auf der Klangschale vertiefen das Gedenken.

im Freien versammelt

An der Leonhardikirche versammelt man sich coronabedingt im Freien. Dort wird an die Widerstandskämpferin Freya Gräfin von Moltke erinnert. 2010 verstorben trug sie stets den Geist und das Wirken ihres 1945 hingerichteten Mannes Helmuth James Graf von Moltke weiter.

An der vorletzten Station, St. Magdalena, begeben sich die Teilnehmer ins Kircheninnere. Hier steht das Gedenken an den Jesuitenpater Rupert Mayer im Mittelpunkt. Der hatte im Dritten Reich Predigtverbot. Das Kriegsende erlebte er, weil die damaligen Machthaber keinen Märtyrer aus dem beliebten Geistlichen machen wollten.

Den Schlusspunkt setzt die Neuapostolische Kirche, wo das Wirken von Katharina Staritz gewürdigt wird. Sie setzte sich Ende der 1930er-Jahre als Breslauer Stadtvikarin dafür ein, jüdische Christen in Gemeinden zu integrieren. Dennoch blieb ihr in der evangelischen Kirche lange eine Pfarrstelle verwehrt.

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