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Eine Dame und fünf Buben: (v.l.) Gerwig Wolf, Rainer Möses, Uwe Bauer, Sepp Peinhofer, Rolf Werrbach und Maya Hess.

„Amper Herz As“ 

Auf eine letzte Skat-Runde in der Hasenheide

Den Skatclub „Amper Herz As“ gibt es seit 40 Jahren. Die Mitglieder zocken im Gasthof Hasenheide, der nun eine Obdachlosenunterkunft werden soll. Fortan karteln sie im la campanella. Auf eine letzte Skat-Runde im alten Vereinsheim.

Fürstenfeldbruck – Viel Zeit, sich mit dem Meister zu messen, bleibt nicht gerade. Einen Grand mit drei Buben, den man wahrscheinlich selbst gewonnen hätte, schaukelt er sicher heim. Bei dem Pik-Spiel von Gerwig Wolf, kann man nur zuschauen und brav bedienen. Dann drängen die Umstehenden auf ein Ende der Vorführung für die Presse, sie wollen jetzt endlich selber die Karten sprechen lassen, nachdem auch die Grußworte zum Jubiläum schon etwas ausführlicher ausgefallen waren.

Es bleibt ein Geheimnis, mit welcher Spielkunst oder Taktik es Josef Painhofer neun Mal zum Clubmeister der Brucker Skatspieler gebracht hat. Seinen gerühmten Offensivgeist brauchte der Champion in den beiden Spielen jedenfalls nicht.

Kartenspielen ist nur Glück – von wegen!

Es kommt halt doch auf die Kartenverteilung an, auch wenn sie beim Verein „Amper Herz As“ bestreiten, dass Skat nur mit Glück zu tun hätte. Ebensowenig übrigens wie Schafkopfen, hierzulande der einzige Maßstab für ein gescheites Kartenspiel. Viele im Club beherrschen auch das Trumpfspiel für vier und gehen manchmal fremd. So auch Meister Painhofer, einer der wenigen mit bayerischem Akzent am Vereinsabend. Er findet dennoch, dass man beim Skat weniger dem Kartenglück ausgeliefert ist: „Man hat mehr Möglichkeiten, sich zu wehren.“ Bei seinem Grand, einem Buben-Solo, gab es für die Gegenspieler allerdings wenig Gelegenheit zum Widerstand.

Ob dem Skat immer noch der Makel anhaftet, ein preußischer Import zu sein? Nun ja, so verbreitet sei es hier nicht, räumt Wolf ein, dessen Aufgabe als Spielleiter darin besteht, „den Koffer mit den Karten und den Listen zu tragen“. Aber immerhin gab es schon deutsche Einzel- und Mannschaftsmeister aus München, auch im Freistaat wird in allen Ligen gekartelt.

Umzug in neues Vereinsheim

Die Brucker waren mit der Mannschaft sogar mal Dritte in der Bayernliga, der vierthöchsten Klasse. Außerdem gibt es im Landkreis noch Kollegen in Gröbenzell, die „Asquetscher“, und den SC Germering. Bei der Namensgebung sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt, es gibt die „Goldenen Buben Husum“ oder die „Höllenasse Duisburg“. Warum man in Bruck die Herz As als Patin wählte, nicht etwa den Kreuz Buben als ranghöchste Karte, ist unbekannt. Von den 17 Gründungsmitgliedern aus dem Jahr 1977 ist nur mehr Anton Müller, in der Großen Kreisstadt lange als „Taxi-Toni“ bekannt, aktiv.

Heute zählt der Verein noch 20 Mitglieder, darunter eine Frau. Das Durchschnittsalter liegt dem Augenschein nach jenseits der Ruhestandsgrenze. Aber dieses überschaubare Häuflein kommt jeden Dienstag fast vollständig zusammen, die durchschnittliche Beteiligung am Spielabend liegt bei 90 Prozent. Und daran dürfte wohl auch der bevorstehende Umzug nichts ändern.

Ausgerechnet in dieser Woche, als der Chef des Bezirksverbandes zum Gratulieren (und Mitspielen) kam, wurde zum letzten Mal im Gasthof Hasenheide gekartelt, den die Stadt zur Obdachlosen-Unterkunft machen will. Es war das zweite Vereinsheim nach dem Sommerkeller, in dem heute andere Vergnügungen angesagt sind. Künftig wird im Il Campanello gezockt.

von Olf Paschen

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