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Henry Duda kauft sich im Lokschuppen regelmäßig eine Zeitung und Zigaretten. Mitarbeiterin Kristina Burisova bedient den Brucker. Oft muss es schnell gehen im Laden am Bahnhof.

Serie: Mein Kiosk 

Auf einen Plausch im Brucker Lokschuppen

Ein Kiosk ist mehr als nur ein Ort, an dem man Pommes, Zigaretten oder Bier kaufen kann. An den Buden und Läden treffen sich Menschen und kommen miteinander ins Gespräch. In der Serie „Mein Kiosk“ erzählen wir dieGeschichten, die sich täglich hinter und vor der Theke abspielen. Heute: Der Lokschuppen.

Fürstenfeldbruck – Der gebürtige Österreicher Michael Löcker ist Überzeugungstäter, wenn es um seinen Kiosk geht, den Lokschuppen beim Brucker S-Bahnhof. „Gut 95 Prozent meiner Gäste sind Stammkunden und obwohl die meisten von ihnen doch recht in Eile sind, bleibt immer noch ein bisserl Zeit für einen kleinen Ratsch und das lieben die Menschen“, sagt der 58-Jährige Kioskbetreiber.

Der Brucker Henry Duda ist grade mit der S-Bahn angekommen. Er kauft schnell eine Zeitung und Zigaretten, bevor die Reise weitergeht. „Ich bin hier regelmäßiger Kunde“, sagt er und eilt weiter. Ein durchreisender Bahnkunde lobt den Kaffee: „Der war richtig gut“ – doch auch er ist eher kurz angebunden, zahlt und geht seiner Wege.

Das Sortiment im Lokschuppen geht weit über die Kiosk-Klassiker hinaus

Lokschuppen-Chef Michael Löcker hat auch immer ein offenes Ohr für seine seine Stammkunden, wie Centa Oberbacher (r.) und Tochter Klara aus Jesenwang. Die beiden Frauen kehren auf ihrer Stammstrecke regelmäßig und mehrmals die Woche im Lockschuppen ein. Sie verweilen eine halbe Stunde, trinken Kaffee und essen Croissants.

Ganz anders erleben Centa Oberbacher (78) und ihre Tochter Klara (55) aus Jesenwang das Kommen und Gehen beim Brucker S-Bahnhof. Sie sind fast jeden Tag hier, lassen sich nicht aus der Ruhe bringen und tragen gemeinsam mit Michael Löcker ihren Kaffee und die Croissants zu ihrem Sitzplatz im Lokschuppen. Hier verweilen sie eine gute halbe Stunde, bevor sie in den Expressbus nach Germering einsteigen.

Das Sortiment im Lokschuppen geht weit über die Kiosk-Klassiker Zigaretten, Zeitschriften, Getränke und Süßigkeiten hinaus: Hier gibt es auch Bücher, diverse Snacks, Weinspezialitäten aus Österreich und natürlich Kaffee in vielen Variationen: Cappucchino, Latte Macchiato, aber auch einen „Kurzen Braunen“, sprich einen kleineren, dafür etwas stärkeren Bohnenkaffee – quasi eine Reminiszenz an die Wiener Kaffeehauskultur. „Bei mir gibt’s halt einfach guten Kaffee und ich habe dafür auch eine extra gute Maschine“, sagt der Österreicher.

Im täglichen Geschäft soll es zwar schnell, aber trotzdem – wenn möglich – auch persönlich zugehen. „Ich höre viel – ich kann schweigen, ich kann aber auch mitreden“, sagt Löcker. Manchmal seien seine Kunden erstaunt, wenn er zwei Wochen später nachfragt, wie denn die Operation eines Familienangehörigen verlaufen sei und ob hoffentlich wieder alles gut ist. „Die Menschen wundern sich dann, dass ich mich an das erinnere, was sie mir Wochen zuvor erzählt haben.“

Im Lokschuppen gibt es Wurstwaren eines Rosenheimer Metzgers

Michael Löcker kennt die Eigenarten seiner Kunden, die er, abseits von Persönlichem, gekonnt auf den Punkt bringt: „Die Brucker wollen Qualität und das möglichst zum kleinem Preis“, sagt er. Er ist seit etwa 30 Jahren im Brot- und Backwarengeschäft unterwegs und außerdem gelernter Hotelkaufmann. Und rein beruflich betrachtet ist er obendrein auch ein Europabummler: „Bevor ich vor gut 30 Jahren in Bayern sesshaft wurde, arbeitete ich auch in Holland und Frankreich“, erzählt der Salzburger.

„In der Brucker Lokstation habe ich so einiges ausprobiert, doch nicht alles kam bei den Kunden an, drum habe ich manches recht schnell wieder bleiben lassen.“ So konnte er zum Beispiel mit dem Chili-Leberkäse bei den Bruckern nicht punkten. „Dafür verkaufe ich Berge von normalen Leberkässemmeln und wahrscheinlich ein paar mehr als so mancher Brucker Metzger“, spekuliert er.

Was seine Wurstwaren angeht, da schwört er sowieso auf seinen Rosenheimer Metzger, denn: Bevor Löcker vor mehr als 13 Jahren die Brucker Lokstation eröffnete, bewirtete der Kioskwirt Kunden beim Münchner Ostbahnhof: „Der Rosenheimer Metzger beliefert mich seitdem auch in Bruck“, freut er sich. Seine Lokschuppen-Sandwiches verfeinert Löcker mit Zutaten von Feinkost Kugler. Der Kiosk-Chef sagt: „Diese Firma ist in München ein Begriff und meine belegten Brötchen kommen nicht ohne Grund auch in Bruck richtig gut an.“

„Mein Kiosk“ – eine Sommer-Serie des Fürstenfeldbrucker Tagblatts

Der Lokschuppen beim Fürstenfeldbrucker S-Bahnhof ist ein weiterer Teil der Serie „Mein Kiosk“. Außerdem hat das Brucker Tagblatt auch den Kiosk in der AmperOase in Fürstenfeldbruck, das „Espressino“ im City-Point in Fürstenfeldbruck und den Kiosk am S-Bahnhof Buchenau vorgestellt.

von Angi Kiener

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