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Schraubt gerne an seinen Autos: Für Tuner Adrian La nge zählt in erster Linie die Optik der Karossen. 

Tuning liegt im Trend

Aufgemotzte Autos: Zwischen Faszination und Ärger

Sie legen ihre Autos tiefer, kitzeln die letzten Pferdestärken aus den Motoren oder verpassen ihren Karossen einen neuen Look: Tuning liegt im Trend. Die Polizei verfolgt diese Entwicklung mit Argwohn. Die Tuner selbst sehen sich allerdings zu Unrecht an den Pranger gestellt.

Fürstenfeldbruck – Was für die Stars die Promenade von St. Tropez ist, ist für viele Tuner die Tankstelle. Sehen und gesehen werden, hören und gehört werden, lautet die Devise. Da wird der Drehzahlmesser schon mal bis kurz vor den roten Bereich hochgejagt, die Reifen zum Qualmen gebracht. Man will zeigen, was man hat und kann. Schließlich haben viele der jungen Männer kleine Vermögen in ihre Karossen gesteckt. Doch wie so oft ist des einen Freud des anderen Leid. Vor allem bei der Germeringer Polizei gehen immer öfter Beschwerden genervter Anwohner ein, die sich über das Treiben der PS-Protze beschweren.

Szene soll sich nicht etablieren

In der Großen Kreisstadt kristallisiert sich dabei vor allem die Gegend um den S-Bahnhof Germering heraus. „Dort wird oft mit quietschenden Reifen losgefahren“, sagt Polizei-Vize Andreas Ruch. Zum Haupt-Treffpunkt der Tuner entwickelt sich aber eine Tankstelle an der Autobahnausfahrt Oberpfaffenhofen in Gilching, erklärt Ruch. Vor allem in den Abendstunden an Wochenenden würden sich die meist jungen Männer dort „austoben“. Deshalb fahren die Beamten jetzt verstärkt Streife. „Wir wollen nicht, dass sich eine Szene etabliert“, sagt Ruch.

Neben quietschenden Reifen, aufheulenden Motoren und überhöhter Geschwindigkeit haben es die Ordnungshüter immer öfter mit nicht ganz legalen Umbauten an den Fahrzeugen zu tun. Ein 18-Jähriger etwa hatte an seinem Mercedes alle Scheiben mit dunkler Tönungsfolie überzogen. Die Betriebserlaubnis war damit erloschen. Der junge Mann durfte nur noch nach Hause fahren – mit heruntergelassenen Scheiben. Auch für einen Audifahrer war die Fahrt zu Ende. Er hatte seine Blinker auf Dauerleuchten gestellt – im Szenejargon nennt sich das „US-Style-Codierung“.

Für Ruch ist der Trend zum Tuning eine Zeiterscheinung. „Die Veränderung von Fahrzeugen erlebt momentan eine Renaissance.“ Das hänge auch mit gewissen Sendungen im Fernsehen und einschlägigen Internetvideos zusammen.

Tuner können Kritik oft nicht verstehen

Den Fahrern illegale Umbauten nachzuweisen ist allerdings nicht ganz einfach. Es erfordere einiges an Fachwissen (Kasten). Deshalb gingen vor allem Kollegen mit entsprechenden Kenntnissen in Zivil auf die Jagd, so Ruch. Spielraum hätten die Beamten nur wenig. Führten unerlaubte Veränderungen zum Erlöschen der Betriebserlaubnis, hätten seine Kollegen gar keine andere Wahl, als das Auto stillzulegen.

Für Tuner wie Adrian Lange aus Esting ist das der Super-Gau. Seit der 25-Jährige einen Führerschein hat, schraubt er an seinen Autos, bei ihm steht die Optik im Vordergrund. Wenn man mit einem getunten Auto unterwegs sei, dauere es oft nicht lang bis zur ersten Kontrolle. „Teilweise spürt man von Anfang an eine starke Ablehnung“, sagt Lange. Geht es um sicherheitsrelevante Umbauten wie etwa an den Bremsen, kann der Hotelfachmann die Besorgnis der Polizei gut nachvollziehen. „Wenn man wegen eines fünf Millimeter zu tief gelegten Autos zum TÜV muss, ist das aber sehr ärgerlich.“

Lange ist gut vernetzt in der Tuning-Szene. Im Landkreis gibt es mehrere hundert Gleichgesinnte, schätzt der 25-Jährige. Regelmäßig organisiert der Estinger Tuner-Treffen – etwa am Flugplatz in Jesenwang. Probleme mit der Polizei habe es dort noch nie gegeben. Mit Leuten die rasen, die Reifen quietschen lassen oder die ihren Auspuff unerträglich laut machen, wollen Lange und seine Kollegen nichts zu tun haben. „Dafür wären uns unsere Autos viel zu schade.“ (Tobias Gehre)

„Mich wundert fast nichts mehr“: Das der Dekra-Prüfer

Tiefer legen, breitere Reifen, mehr Pferdestärken: Matthias Schuster weiß, was die Tuner wollen. Der Ingenieur für Fahrzeugtechnik ist der Tuning-Experte in der Dekra-Niederlassung in Germering und beschäftigt sich regelmäßig mit den Umbauten der Tuner. „Mich wundert fast nichts mehr“, sagt Schuster.

 Einmal habe ein junger Mann in einen alten Dreier-BMW einen 400-PS-V8-Motor eingebaut. „Da habe ich mich gefragt, wie hat der den da überhaupt reingebracht.“ Rechtlich ist das Thema alles andere als einfach. Was erlaubt ist und was nicht, regelt die Straßenverkehrszulassungsordnung (StVZO). Aber auch EU-Richtlinien und sogenannte ECE-Richtlinien spielen eine Rolle. Besonders knifflig wird es für Schuster, wenn Umbauten vorgenommen werden, die sich gegenseitig beeinflussen – etwa bei neuen Rädern und einem neuen Fahrwerk. 

Bei den Tunern selbst hat Schuster zwei unterschiedliche Gruppen ausgemacht. Zum einen die jungen Führerscheinneulinge, bei denen das Geld nicht so locker sitzt. Diese werkelten oft selbst an ihren Karossen – mit entsprechenden handwerklichen Fehlern. „Da gibt es schon manchmal Diskussionen“, sagt Schuster. Und dann sind da noch die über 40-Jährigen, die ihre Porsches, Mercedes oder BMWs von Profis aufmotzen lassen. „Geld spielt da oft keine Rolle“, erklärt Schuster. Beanstandungen seien bei dieser Klientel entsprechend selten. (tog)

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