Reinhold Messnerkommt ins Veranstaltungsforum.

Reinhold Messner kommt nach Bruck

Aus dem Leben einer Bergsteiger-Legende

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Als Bergsteiger brachte es Reinhold Messner zu großer Bekanntheit. Auf Achttausender stürmt er nicht mehr. 

Fürstenfeldbruck – Was ihn heute, mit 74 Jahren, antreibt und was die Besucher im Veranstaltungsforum erwartet, erzählt er im Gespräch mit dem Tagblatt.

Herr Messner, Ihr Vortrag, mit dem Sie im Veranstaltungsforum zu Gast sein werden, heißt „ÜberLeben“. Die Ankündigung liest sich, als würden Sie auf der Bühne eine Art Bilanz ziehen. Was erwartet die Zuhörer?

Meine Vorträge sollen keine Litanei sein. Sie entstehen jedes Mal völlig neu auf der Bühne, während des Redens. Ich erzähle inzwischen auch gerne mehr über andere als über mich selbst. Zum Beispiel über den Polarforscher Frank Wild, der von 1901 bis 1904 an der ersten offiziellen britschen Antarktis-Expedition teilnahm. So lassen sich leichter Emotionen an den Mann bringen. Im Vortrag „ÜberLeben“ ist der Schwerpunkt aber ein etwas anderer.

Man erfährt auch etwas über ihr abenteuerliches Leben?

Ich spreche auch über mein Leben und meine Erfahrungen im Alpinismus. Es ist aber eher eine Zusammenfassung auf der emotionalen Ebene, keine sachliche Abhandlung. Es geht um das Leben und um meine Erfahrungen.

Wenn Sie den Alpinismus betrachten: Was ist heute anders als zu der Zeit, zu der Sie aktiv waren?

Ich bin dankbar, früh geboren zu sein. Wir hatten die beste Zeit, um Abenteuer zu erleben. Vor uns lag eine wilde Welt. Wir konnten unsere Reisen noch selbst finanzieren. Berge sind heute Touristenziele. Wenn man Klienten über präparierte Pisten auf Achttausender führt, ist das legitim, aber etwas anderes. Die Wildnis schrumpft.

Sie beteiligen sich an dieser neuen Form des Bergtourismus nicht. Wo suchen Sie heute Ihre Herausforderungen?

Bis ich 25 Jahre alt war, war ich ein besessener Felskletterer. Das ging irgendwann wegen erfrorener Zehen nicht mehr. Ich habe mich dann dem Höhenbergsteigen zugewandt und habe die Achttausender bestiegen. Ich kann mich aber nicht wiederholen. Also habe ich mich mit 40 Jahren den Sand- und Eiswüsten zugewandt. Mit 50 Jahren habe ich mir dann das Fersenbein zertrümmert. Ich habe meine Forschungsarbeit zum Yeti begonnen, dann kam die Zeit im Europaparlament. Ich habe in mehreren Ländern Museen aufgebaut, die das Narrativ des traditionellen Alpinismus lebendig halten sollen. Um die Museen kümmert sich inzwischen weitgehend meine Tochter. Jetzt mache ich Filme über das Bergsteigen, mit der gleichen Begeisterung, mit der ich Bergsteiger war.

Welche Art von Filmen machen Sie?

Filme über das Bergsteigen. Teilweise mit meinem Sohn als Double erzählen wir Geschichten aus dem Alpinismus.

Ihre Zeit im Europaparlament liegt nun schon 14 Jahre zurück. Sind Sie noch politisch engagiert?

Ich bin ein durch und durch politischer Mensch. Für die Geschichte des Dritten Reiches etwa, die auch für meine Heimat Südtirol eine Rolle spielte, hat mich meine deutsche Frau sensibilisiert. Weil es von einem Bergsteiger nicht erwartet wird, dass er sich politisch einmischt, hat er in vielen Dingen viel mehr Glaubwürdigkeit als ein Politiker. Ich habe das gesehen, als ich selbst Politiker war. Da kamen dann zu einer meiner offiziellen Wahlkampfveranstaltungen fünf Leute statt bis zu 1000 wie zu meinen Vorträgen.

Wie zeigt sich Ihr politisches Engagement heute?

Ich wollte nicht in einem Parlament ein Altersauskommen haben. Aber ich habe zum Beispiel Matteo Salvini (Italienischer Innenminister von der Lega Nord, Anm. d. Red.) über die Medien meine Meinung gesagt. Ein wichtiges Thema ist auch die Umweltpolitik. Wir müssen alle wieder mit ins Boot holen. Trump und die Chinesen. Und wenn ich zu einem Thema gefragt werde, sage ich auch etwas.

Laut Ankündigung geht es in ihrem Vortrag auch um Heimat. Werden Sie in jüngster Zeit auch vermehrt nach diesem Thema gefragt, das vielen Menschen wichtig zu sein scheint?

Das liegt, glaube ich, daran, dass Menschen sich verloren fühlen in einer schnelllebigen Welt.

Haben Sie eine Idee, wie sich Heimat heute definieren oder gestalten ließe? Sich einfach nur auf Althergebrachtes zu besinnen, dürfte nicht reichen.

Man muss vor allem offen darüber reden. Man muss die Geschichte der Heimat aus der Vergangenheit erzählen. Macron zum Beispiel tut das, von der französischen Revolution bis heute. Politiker in ganz Europa sollten das nachmachen.

Interview: Stefan Reich

„ÜberLeben“

heißt der Vortrag, mit dem Reinhold Messner am 12. März im Veranstaltungsforum zu Gast sein wird. Karten gibt es beim Veranstaltungsforum und unter www.messner-live.de.

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