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Bilder der Bedrohung: Eva von Seckendorf (l.) und Angelika Mundorf vor einem Ausstellungsstück.

Werke vergessener Künstler 

Ausstellung: Kunst zwischen Idylle und Krieg

Am Sonntag ist Volkstrauertag. Es wird an die Kriegsopfer erinnert, darunter sind auch Künstler. In einer Ausstellung zeigt das Stadtmuseum ihre vergessenen Werke.

Fürstenfeldbruck – Grafische Arbeiten aus den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts zeigt das Museum Fürstenfeldbruck in seiner aktuellen Ausstellung „...und dann brach der Krieg herein“. Neben bekannten Namen wie Carl Thiemann, Ottohans Beier und Margarethe Geibel sind unter den Künstlern auch einige, die vergessen waren – zu Unrecht, wie der Blick auf ihre Arbeiten zeigt.

Die Werke stammen aus der Sammlung des 1992 verstorbenen Brucker Arztes Hans Kretschmer, die dem Museum vor einigen Jahren vermacht wurde. Kretschmer stammte ursprünglich aus Schlesien und hatte großes Interesse an osteuropäischen Künstlern. Von den insgesamt 3000 Arbeiten seiner Sammlung sind nun rund hundert im Rahmen der Sonderausstellung zu sehen. Die Holzschnitte, Lithografien und Radierungen werfen ein Schlaglicht auf ein Stück europäische Kulturgeschichte – und erinnern an eine Welt, die es nicht mehr gibt.

Idylle einerseits, Krieg andererseits – zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die Ausstellung. Die älteren Bilder zeigen eine heile Welt. Da werden großstädtische Geschäftigkeit und heimeliges Landleben liebevoll porträtiert, da wird traditionsreichen osteuropäischen Städten wie Prag, Karlsbad und Lemberg ein Denkmal gesetzt. „Sie waren damals geprägt vom friedlichen Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen, Ethnien und Religionen“, berichtet die stellvertretende Museumsleiterin Eva von Seckendorff. Überhaupt lebte der europäische Kunstbetrieb vom regen Austausch zwischen den Kulturnationen, von gegenseitiger Befruchtung und Respekt trotz möglicher Gegensätze.

Der herannahende Erste Weltkrieg setzte all dem ein jähes Ende. Die Werke zeigen ohne Worte, welchen Einbruch der Krieg für die Kunst bedeutete. Die Farbe verschwindet, plötzlich dominieren Schwarz und Weiß, Kriegsgräuel halten als Motive in die Grafik Einzug, und selbst unverfängliche Szenen strahlen ein Gefühl subtiler Bedrohung aus.

Der Kunstbetrieb verlagerte sich auf die nationale Ebene, und gerade die Grafik diente vielfach als Propagandainstrument. Carl Thiemann illustrierte eine Chronik zum hundertjährigen Bestehen der Rüstungsfirma Krupp, Karl Bauer stellte Goethe als nationales Leitbild in Führer-Pose dar. „Künstlerbiografien wurden durch den Krieg unterbrochen oder gar beendet“, so von Seckendorff. Manche Namen versanken in Vergessenheit. Künstler wie Odo Dobrowolski und Antonie Ritzerow, von der nicht einmal das Sterbedatum bekannt ist, waren selbst den kunsthistorischen Profis des Museums kein Begriff. Dabei gehören Ritzerows Frauenporträts zu den unbedingt sehenswerten Bildern der Ausstellung.

Die Ausstellung

„...und dann brach der Krieg herein – Grafische Arbeiten aus der Sammlung Kretschmer 1900 – 1918“ ist bis 15. April im Museum Fürstenfeldbruck zu sehen. Öffnungszeiten: dienstags bis samstags, 13 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 17 Uhr.

von Ulrike Osman

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