In Fürstenfeldbruck

Ausstellung über die NS-Geschichte der Polizeischule

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Mit seinem Buch „Täter auf der Schulbank“ hat der Historiker Sven Deppisch aus Gröbenzell Licht auf das dunkelste Kapitel der Brucker Geschichte geworfen – die NS-Vergangenheit der Polizeischule. Das Museum Fürstenfeldbruck widmet dem Thema nun eine Ausstellung – die den Besuchern einiges abverlangt.

Fürstenfeldbruck – „Ausbildung – Enthemmung – Verbrechen“, so der Titel, beschäftigt sich differenziert und eindringlich mit der Kaderschmiede, in der junge Männer gezielt für den Holocaust trainiert wurden. Großformatige Fotos, manche bewusst unscharf gehalten, zeigen Täter und Opfer, ohne dabei plakativ zu sein. Eine Uniform hängt halbversteckt zwischen zwei Stellwänden.

Die Museumsleiterinnen Angelika Mundorff und Barbara Kink haben sich mit Objekten bewusst zurückgehalten, um nicht die Täterperspektive in den Vordergrund zu stellen. Postkarten, Nippes und eine Auflistung von Einkäufen der Schule bei Brucker Betrieben erinnern daran, dass die Lehranstalt in der wirtschaftlich schweren Zeit der 1920er und 30er Jahre für die Stadt ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war.

Trotzdem war das Verhältnis der Polizeischüler zu den Bruckern alles andere als spannungsfrei – dies, obwohl die Anstalt bemüht war, sich in der Öffentlichkeit in einem guten Licht zu präsentieren. Doch es gab auch die Alkoholexzesse, Pöbeleien und Gewalttaten, die Bespitzelung der Bürger und die kirchenfeindlichen Aktionen, die das tief katholische Bruck schockierten.

Eine bemerkenswerte Figur im Spannungsfeld zwischen Stadt und NS-Macht war Johann Edin, der Leiter der Brucker Gendarmerie. Er bekannte sich weiter offen zu seinem katholischen Glauben und setzte sich zur Wehr, als im März 1933 vor dem Bezirksamt die Hakenkreuzfahne gehisst werden sollte.

Die Szene ist in der Ausstellung auf einem Bild zu sehen, davor klebt ein roter Punkt am Boden. Es ist einer von mehreren „Standpunkten“, die sich über die ganze Ausstellung verteilen. Die Besucher sind aufgefordert, innezuhalten und zu überlegen – wie hätten sie sich in dieser Situation verhalten?

Die allermeisten der Polizeischüler waren NSDAP- und SS-Mitglieder. Im Unterricht wurde ihnen die nationalsozialistische Ideologie eingetrichtert, und ebenso unablässig wurde der „Bandenkampf“ trainiert, wie der militärische Einsatz gegen Partisanen genannt wurde.

„Uns hat die Frage umgetrieben, wie diese jungen Menschen zu Killern geworden sind“, sagt Angelika Mundorff. Die Enthemmung, die im Lauf der Ausbildung stattgefunden haben muss, führte zu unsäglichen Gräueltaten. Die Polizeibataillone hatten in den Ostgebieten unter anderem die Aufgabe, für angebliche Sabotage-Akte „Vergeltung“ an der Zivilbevölkerung zu üben. Es wurde geplündert, vergewaltigt, gemordet. Es gab Massenerschießungen, ganze Dörfer wurden vernichtet.

Bei der Vorbereitung der Ausstellung hat Angelika Mundorff viele Fotos gesehen, „die man eigentlich nicht aushält“. Wie groß die Rolle der Polizei bei den NS-Verbrechen war, fasst die Historikerin Barbara Kink mit dem Satz zusammen: „Ohne die Mitwirkung der Polizei wäre der Holocaust nicht möglich gewesen.“

Nach dem Krieg konnten viele Täter ihre Karrieren unbehelligt fortführen. Schon 1946 wurde die Polizeischule wieder als solche in Betrieb genommen. Alte Lehrer kehrten zurück, Unterrichtsinhalte und Lehrmaterialien blieben die gleichen. Erst die 1970er Jahre brachten eine umfassende Reform.

Die Ausstellung

„Ausbildung - Enthemmung - Verbrechen“ ist bis zum 7. Juli im Kunsthaus Fürstenfeldbruck zu sehen (Dienstag bis Samstag 13 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage 11 bis 17 Uhr).

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