Bürger sind sich einig

Autor soll trotz rassistischer Aussagen Straßenpate bleiben

Puch – Für die Pucher ist die Sache klar: Die Langbehnstraße soll weiterhin so heißen. Momentan ist im Gespräch, dass der Weg umgetauft werden soll, weil Langbehn seinerzeit rassistische Thesen geäußert haben soll.

Dafür, dass die Straße weiter so heißt, sprachen sich nun aber fast alle Anwesenden (etwa 60) auf der Infoveranstaltung aus. Die Argumente dafür erschreckten einige der Stadträte – und sie werden letztlich darüber entscheiden, ob die Straße einen neuen Namen bekommt.

Das Streitthema hat seinen Anlass im Jahr 1969. Damals wurde die Dorf- in Langbehnstraße umbenannt. Das hatte vor 47 Jahren keine große Debatte ausgelöst, wie Franz-Josef Bauer (damals Vize-Bürgermeister) sagte. Die Fahrbahn wurde nach dem Schriftsteller August Julius Langbehn (1851 - 1907), der mit dem Werk „Rembrandt als Erzieher“ bekannt wurde und zu Füßen der Edigna-Linde in Puch begraben liegt, getauft.

Wie sehr die Fronten heute verhärtet sind, zeigte sich wieder bei der Infoveranstaltung. Fast keiner der Bürger, die sich zu Wort meldeten, teilt die Auffassung des Arbeitskreises Straßennamen und des Kultur- und Werkausschusses. Diese hatten im Zuge der Überprüfung aller Brucker Straßennamen einstimmig vorgeschlagen, die Langbehnstraße umzubenennen. Die Gründe dafür führte Arbeitskreis-Mitglied Gerhard Neumeier, Historiker und Stadtarchivar, an. Langbehn verbreitete laut Neumeier rassistisches, antisemitisches, antidemokratisches und völkisches Gedankengut in seinen Schriften. Beispielsweise schrieb dieser, Juden seien halb Affe, halb Klapperschlange. Der Autor forderte dazu auf, Deutschland „judenrein“ zu machen.

Den Einwendungen mancher Pucher, die antisemitischen Passagen seien später von Weggefährten Langbehns verschärft worden, trat Neumeier entgegen: „Sie stammen eindeutig von Langbehn selbst.“ Trotzdem, so die Bürger, sei die Haltung Langbehns im Lichte der damaligen Zeit zu betrachten. Über diese Argumente waren die Stadträte erschrocken. „Langbehn ist eine Schande für Puch“, sagte etwa Axel Lämmle (SPD).

Jonathan Grundmann, der für das Bündnis „FFB ist bunt, nicht braun“ sprach, meinte, eine Umbenennung sei geboten. Den Antisemitismus als Kunstfreiheit auszulegen, sei verfehlt. Eine Mittelposition vertrat Stefan Pals, der anregte, eine erklärende Tafel anzubringen. Zu einem Ergebnis kamen die Anwesenden bei der Infoveranstaltung nicht.

von Fabian Dilger

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