Der blinde Anführer Zebul (Daniel Holzhauser) beschwört das Volk Israel: Mit seinem Bruder Jephta an der Spitze müssen sie in den Krieg gegen die Ammoniter ziehen.

Premiere

Bach-Chor begeistert mit "Jephta"

Fürstenfeldbruck - Alter Stoff in neuem Gewand: Bei der szenischen Aufführung des Händel-Oratoriums „Jephta“ im Veranstaltungsforum zeigten sich Bach-Chor und -Orchester von ihrer kreativen Seite. Nicht nur der Handlung drückten sie dabei ihren eigenen Stempel auf.

Warten auf die letzte Hoffnung: Zusammengekauert sitzen und liegen schwarz gekleidete Sänger auf einer erhöhten Bühne, in ihrer Mitte steht ein Mann mit Sonnenbrille und Blindenstab. Verhalten beobachtet der Chor, wie der Anführer Zebul (Daniel Holzhauser) zu ihm spricht, während hinter der Bühne eine folgsame Schafherde an die Glaswand projiziert wird.

Das Volk Israel wird von den Ammonitern bedroht. Ihr Führer Zebul beschwört die Israeliten, dass nun nur noch einer helfen kann: sein Halbbruder Jephta (Juan Carlos Falcón), der die Schlacht gegen die Ammoniter gewinnen soll. So kommt es zu einer Abmachung: Wenn Jephta im Krieg siegreich sein sollte, darf er der Anführer der Israeliten werden. Jephta schwört, dass er im Siegesfall das Erste, was aus seinem Haus auf ihn zukommt, Gott opfern will.

Als er siegreich heimkehrt, trifft er prompt seine Tochter Iphis an und begreift, dass er sein einziges Kind töten muss. Lange diskutiert er mit seiner Frau Stroge (eindrucksvoll gespielt von Barbara Schmidt-Gaden), Halbbruder Zebul und Mitstreiter Hamor (Stefan Steinemann), ob er das Opfer vollstrecken soll. Auch der dynamische Chor als das Volk Israel hinterfragt die bevorstehende Tat immer wieder. Doch Iphis selbst, authentisch dargestellt von Julla von Landsberg, fügt sich ihrem Schicksal.

Anders als im Alten Testament muss bei Händel Jephta das barbarische Menschenopfer jedoch nicht durchführen, im letzten Moment setzt sich der gesamte Chor in Bewegung, erhebt sich von seinen Hockern und erschafft einen Engel, der mit langem, weißen Gewand und zwei Flügelträgerinnen auf der Bühne erscheint und Jephta aufhält. Weil er sich als glaubensstark erwiesen habe, würde Iphis verschont. Stattdessen solle sie Gott als Jungfrau dienen.

Anders als im Alten Testament und bei Händel kann Iphis, die mit Hamor im Liebesglück schwelgte, dieses Schicksal aber nicht annehmen und begeht – unbemerkt von Chor und Familie – schließlich Selbstmord. Der Schlussakkord ist noch nicht verklungen, als schon der Applaus losbricht.

Vielen der überwiegend älteren Zuschauern hat die Inszenierung sehr zugesagt. „Die Chorleistung war wirklich unglaublich“, sagt Theresia Hofmann (68) aus Eichenau. Sie bewundert, dass die Sänger so präzise zusammengewirkt und sich aufeinander abgestimmt haben, obwohl sie während des Singens Hocker hochheben oder herumlaufen mussten.

Auch ihr Mann Dieter Hofmann ist begeistert. Ihm gefällt, dass die Geschichte mit einfachen Mitteln anschaulich in Szene gesetzt wurde. Besonders hat ihn die Videowand beeindruckt, die die passenden Bilder zur Handlung vermittelt.

Auch einige ehemalige Sänger aus dem Bach-Chor haben sich unter die Zuschauer gemischt. Claus Schmidwenzl (64), der früher in Eichenau gelebt und beim Chor mitgewirkt hat, lobt enthusiastisch: „Das ist eigentlich ein Profichor.“ Zudem findet er die vom Bach-Chor neu geschaffene Figur des Widder sehr interessant, Riikka Läser habe das Tier perfekt imitiert.

Von Maria-Mercedes Hering

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