Unmengen an Müll

Bäcker wehren sich gegen die Bon-Pflicht

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Hohe Kosten und Unmengen an Müll. Die Einführung neuer Kassensysteme wegen der Bon-Pflicht hat für viel Aufregung bei Bäckern und Metzgern gesorgt. Während die Politik noch über das Für und Wider der neuen Regeln diskutiert, kündigen die Bäcker Widerstand an.

Fürstenfeldbruck – Werner Nau (55), Obermeister der Bäckerinnung Fürstenfeldbruck, leitet schon in dritter Generation den 1909 gegründeten Familienbetrieb in Grunertshofen. Die vierte Generation stehe bereits in den Startlöchern, sagt der Bäckermeister. „Aber man muss sich echt überlegen, ob man das den Kindern antun will.“

Naus skeptischer Blick in die Zukunft hat einen guten Grund: Ab dem 1. Januar müssen für jeden Kunden Kassenbelege ausgegeben werden. Ein echtes Bürokratiemonster, zu dieser Einsicht sind nun auch einige Bundespolitiker gekommen. In der Großen Koalition ist ein Streit über den Sinn der Kassenbon-Pflicht entbrannt. Während die SPD die Neuerungen verteidigt, kommt von Seiten der Union scharfe Kritik. So forderte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU), „die Belegausgabe-Pflicht komplett abzuschaffen.“

Maßnahme gegen Tricksereien und Steuerbetrug

Deutschlandweit müssten ab dem neuen Jahr fünf Milliarden Kassenbons mehr gedruckt werden als bisher – und das allein in den Bäckereien. So sollen Tricksereien und Steuerbetrug an der Kasse verhindert werden. Für Nau ist die neue Regelung ein Unding: „Der Mittelstand wird unter Generalverdacht gestellt, und ihm wird unterstellt, schwarz zu verkaufen.“

Doch nicht nur deshalb steht er der Kassenbon-Pflicht kritisch gegenüber. Auch aus Umweltsicht seien die Belege höchst problematisch. „Die sind nix anderes wie Giftmüll“, sagt der Bäckermeister. Die Kassenbelege werden auf beschichtetem Thermopapier gedruckt. Das ist nicht wiederverwertbar und darf nicht in den Papiermüll geworfen werden. „In Zeiten, in denen besonders auf die Umwelt und den CO2-Ausstoß geachtet wird, so ein Gesetz rauszubringen, ist völlig unverständlich“, sagt Nau. Außerdem würden die meisten Kunden den Kassenzettel nach Naus Erfahrung gar nicht wollen und sofort wieder wegschmeißen.

Neues Sicherheitssystem für die Kassen

Dazu sei es eigentlich auch überflüssig, so der Bäckermeister. Denn bis September müssen alle Kassen mit einem neuen Sicherheitssystem ausgestattet werden. Bei diesem werden die Zahlungsvorgänge auf einem Server gespeichert, und sie sind so für die Finanzämter bis ins Detail nachvollziehbar. Kassenbetrug ist damit ausgeschlossen. Deshalb sollte man auf die Belegpflicht verzichten, findet Nau.

Die Kosten für die Umstellung auf die betrugssicheren Kassensysteme tragen die Betriebe. Zwischen 300 und 500 Euro kostet der Umbau pro Kasse. Allein bei den Bäckereien, die in der Innung Fürstenfeldbruck organisiert sind, sind das rund 120 Stück, rechnet Nau vor. Das ergibt Gesamtkosten zwischen 36 000 und 60 000 Euro für die Betriebe im Landkreis. Ausgaben, die von den Bäckereien wieder irgendwie ausgeglichen werden müssen. „Im Endeffekt müssen wir die auf die Produktpreise umlegen“, sagt Nau.

Das sagen die Metzger

Mit den Umrüstungskosten haben auch die Metzgereien zu kämpfen. „Das muss ein Betrieb erst einmal verkraften“, sagt Innungs-Obermeister Engelbert Jais (57). Weil bei den Metzgerein die Kassen oftmals direkt mit den Waagen verbunden sind, ist die Aufrüstung dort sogar noch teurer als bei den Bäckern. Dieses Geld müsse man auch verdienen. „Und du kannst nicht jedes Mal bei solchen Neuerungen eine Preissteigerung mitmachen“, sagt Jais.

Mit der teuren Umstellung der Kassensysteme hat sich Werner Nau mittlerweile abgefunden. Gegen die Belegpflicht will er sich aber wehren: „Ich werde die definitiv nicht umsetzen.“ Deshalb hat er beim Finanzamt einen Antrag auf Befreiung von der Belegpflicht eingereicht, so wie viele seiner Kollegen auch. Ob er damit Erfolg hat, kann er noch nicht abschätzen. Zu ungenau seien die Vorgaben und Hürden, die es dafür gibt. „Im Moment weiß man noch gar nix“, sagt Nau. Jetzt ginge es erst einmal darum, auf allen Ebenen Gegenwind zu erzeugen, so der 55-Jährige. „Wir werden uns mit Händen und Füßen dagegen sträuben“, verspricht er.

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