In Fürstenfeldbruck

Stehende Ovationen bei Premiere: Edigna-Spiel meistert Schritt in die Moderne

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Eine über 900 Jahre alte Legende lebendig werden lassen, eine oft erzählte Geschichte neu erfinden und ihre Botschaft klar verständlich in die Gegenwart holen – dieses Kunststück ist den Mitwirkenden der Edigna-Spielen auf beeindruckende Weise gelungen. Nach der Premiere wurden sie mit stehenden Ovationen belohnt.

PuchEine lange Wartezeit hatte ein Ende am Samstagabend im Pucher Gemeinschaftshaus. Zur Neuauflage der alle zehn Jahre stattfindenden Edigna-Spiele nahmen nicht nur Pucher Bürger und Vertreter der Kommunalpolitik, sondern auch überregionale Würdenträger auf harten Stühlen Platz. Als Schirmherrin konnte die strahlende Vereinsvorsitzende Edigna Kellermann die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner begrüßen, als Ehrengast den ukrainischen Generalkonsul Yuriy Yarmilko. Beide betonten die Bedeutung Edignas als europäische Integrationsfigur. Denn der Überlieferung nach war die Selige eine Tochter des französischen Königs Heinrich I. und seiner Frau Anna, einer Tochter des damaligen Fürsten von Kiew. Sie wird bis heute auch in der Ukraine verehrt.

Adelige Vernunftehen quer über den ganzen Kontinent hinweg waren zu Edignas Zeit üblich und im besten Fall sogar segensreich für das Gemeinwohl. „Die Heiratspolitik kluger Fürsten schuf der Bevölkerung Frieden“, lässt Autor und Regisseur Marcus Everding einen von vier Chronisten im ersten Teil des Stückes sagen. „Also kein Kriegsdienst, keine Verwüstungen des Landes, keine Hungersnöte.“

Der Zwangsheirat entzogen

War es demzufolge nicht höchst eigennützig von Edigna, sich einer politisch motivierten Zwangsheirat durch Flucht zu entziehen? Die Selige steht nicht nur für Offenheit und Hilfsbereitschaft, sie gilt auch als Beispiel für Selbstachtung und die Überwindung von Fremdbestimmung. Dass diese Themen in der scheinbar so freiheitlichen Gegenwart noch genauso aktuell sind wie im Mittelalter, demonstriert Everding im zweiten Teil des Stückes „Ex Voto Edigna – Was vom Baum blieb“.

Die aus reicher Familie stammende Catherine – in grandios facettenreichem Spiel dargestellt von Christina Probst – ist aus ihrem Schweizer Internat abgehauen, steigt an einem beliebigen Ort aus dem Zug und sitzt fortan auf einer Bank am Bahnhof. Sie will für Gespräche zur Verfügung stehen, den Menschen Zeit schenken („davon habe ich viel“).

Selbstbestimmte Wege

Die Dorfbewohner schmähen sie zunächst als Asoziale. Die Fremde ficht das nicht an, sie bleibt offen und freundlich. Nach und nach holt ihre Gegenwärtigkeit diejenigen, die sich darauf einlassen, ins Hier und Jetzt. Ihre Gelassenheit bringt sie dazu, die eigene Betriebsamkeit zu hinterfragen und selbstbestimmte Wege zu finden.

Alles an diesem Stück ist so klar, unmissverständlich und ungekünstelt wie Edigna selbst. Regisseur Everding setzt in einem einfachen Bühnenbild – Sitzbank, Abfalleimer, Baum-Bild – eine geschickte Inszenierung um. Während die Dorfbewohner hektisch über die Bühne wuseln, geplagt von Zugverspätungen und Termindruck, wirkt Catherines Sitzbank wie eine Insel der Ruhe. Durch Einfrieren der Szene erstarren die Gehetzten, werden zu Karikaturen ihrer selbst. Die entspannte Zeitlose auf ihrer Bank dagegen strahlt Ruhe und Kraft aus.

Präzises Timing

Beifall verdient das rund 30-köpfige Laienensemble nicht nur für die schauspielerische Leistung und das präzise Timing, mit dem etliche Szenen stehen oder fallen. Bei einem einzigen sekundenlangen Text-Blackout wurden Profi-Nerven bewiesen. Und sogar eine Umbesetzung in letzter Minute funktionierte perfekt – weil eine Darstellerin erkrankt war, musste die stellvertretende Spielleiterin Ulrike Buttner binnen 24 Stunden die Rolle übernehmen. Besonders schön: Sieben Kinder und Jugendliche unter den Darstellern verkörperten die nächste Generation. Der Fortbestand der Pucher Edigna-Spiele für die kommenden Jahrzehnte scheint gesichert.

Weitere Aufführungen

von „Ex Voto Edigna – Was vom Baum blieb“ sind an jedem Samstag und Sonntag bis einschließlich 17. März jeweils um 14 Uhr und 18.30 Uhr im Gemeinschaftshaus in Puch zu sehen. Für alle Vorstellungen können Karten (17 Euro, Kinder acht Euro) reserviert werden unter Telefon (0 81 41) 34 99 66, per E-Mail an info@edigna-puch.de.

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