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Fürstenfeldbruck

Wohnbau verschoben: Neuer Hort zieht an die Cerveteristraße

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Die Stadt baut einen neuen Hort für Grundschüler, wechselt aber den geplanten Standort: Statt an den Sulzbogen kommt der Hort nun an die Cerveteristraße. Für einige Stadträte ist das ein gangbarer Kompromiss, um eines der größten Bauprojekte weiterzuführen. Für andere ist es der falsche Standort.

Fürstenfeldbruck – Die öffentliche Stadtratssitzung lief schon mehr als zwei Stunden, aber es war trotzdem die Zeit für Privatgespräche. Um 21.45 Uhr standen Vize-Bürgermeister Christian Götz (BBV) und CSU-Fraktionschef Andreas Lohde abseits der laufenden Diskussion und berieten sich. Drei Minuten später steckten Götz und BBV-Fraktionschef Tommy Beer die Köpfe über einem Blatt Papier zusammen. Nochmal eine halbe Stunde später wurde endlich abgestimmt – wobei die BBV eine entscheidende Rolle spielte: Einige BBV-Stadträte stimmten für, andere gegen den neuen Standort an der Cerveteristraße.

Knappe Mehrheit

Nach namentlicher Abstimmung wurde mit 22 zu 17 Stimmen festgelegt: Der Hort soll an der Cerveteristraße gebaut werden, auf dem Gelände der neuen Grundschule West. Am alten Standort Am Sulzbogen passiert erst einmal nichts, im nächsten Jahr sollen dort nur Wohnungen errichtet werden. Das Vorgehen ist ähnlich wie beim Sportzentrum III: Weil die Stadt nicht genügend Geld für alles hat, wird ein großes Bauprojekt gestückelt.

Der ursprüngliche Plan: Die Stadt wollte Am Sulzbogen in einem Gebäude 13 geförderte Wohnungen und einen zwei-gruppigen Hort unterbringen. Im Sommer wurde es Oberbürgermeister Erich Raff (CSU) aber mulmig. Die ersten Angebote ließen vermuten, dass es deutlich teurer wird als die geplanten 5,2 Millionen. Gleichzeitig soll der Hort aber im Herbst 2020 bezugsfertig sein.

Es hagelt Kritik

Raff präsentierte dem Stadtrat die Alternative: Den Hort an die Cerveteristraße verschieben und die Wohnungen Am Sulzbogen später bauen. So würde der Haushalt 2019 entlastet. Der Hort in Holzbauweise würde 2,25 Millionen Euro brutto kosten, schätzt die Verwaltung.

Für einige Fraktionen sind diese Pläne grundfalsch. Besonders kritisierten sie den neuen Standort an der Cerveteristraße. Der zusätzliche Flächenverbrauch macht SPD, Grüne und Partei & Frei wütend. Wenn der Hort zuerst einzeln gebaut wird, ist die Zukunft der geplanten Wohnungen am Sulzbogen auch unsicher, monierte die Opposition. „Am Sulzbogen könnte man jetzt loslegen, die Planung ist da“, sagte Mirko Pötzsch (SPD). „Es ist ein Schlag ins Gesicht der Familien, die auf Warteliste für bezahlbare Wohnungen sind“, sagte Alexa Zierl (Partei & Frei). Planungsreferent Christian Stangl (Grüne) sprach die bisherigen Planungskosten für den Sulzbogen an, welche die Stadt wahrscheinlich größtenteils abschreiben muss. Es sei „unerträglich, dass man eine Dreiviertelmillion in den Sand setzt“.

Für die CSU ist der neue Standort richtig, weil die Baukosten Am Sulzbogen sonst zu hoch wären. „Der OB hat ein Zeichen gesetzt“, sagte Hans Schilling. Man müsse bei den steigenden Baukosten schon überlegen, inwieweit man mitgehe. Der Hort werde bald dringend gebraucht, sagte Andreas Lohde: „Wir müssen zügig in die richtige Richtung gehen.“

BBV will Kompromiss

Die Schlüsselrolle bei der Entscheidung hatte die BBV. Die Fraktionsmitglieder waren sich uneinig und stimmten letztendlich teils für, teils gegen den neuen Standort. Zuvor forderten die Befürworter des neuen Standorts aber Kompromisse. Das Grundstück Am Sulzbogen soll in städtischem Besitz bleiben und nicht verkauft oder verpachtet werden. Die Stadt soll die Wohnungen selbst bauen und vermieten.

Das Gedankenspiel, das Sulzbogen-Grundstück an eine Wohnungsbaugesellschaft zu vergeben, ist damit vom Tisch. „Das ist für uns existenziell“, sagte Thommy Beer. Damit die Sulzbogen-Wohnungen nicht aufgeschoben sind, wurde der Baubeginn auf 2020 festgelegt. Beim Hort an der Cerveteristraße soll zudem so gebaut werden, dass man ein zweites Stockwerk aufsetzen kann, das würde den Flächenverbrauch besser legitimieren.

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