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Brucks Landrat Thomas Karmasin

Wirbel um ein Wort

Der Begriff „Afrika-Soli“ und die Reaktionen darauf

Angesichts der Migrationsbewegungen wird sich jeder mit dem Thema Afrika beschäftigen müssen, sagt Landrat Thomas Karmasin.

Fürstenfeldbruck –  Er kann sich Zusammenarbeit auf kommunaler Ebene vorstellen. Ziel: Die Lebensbedingungen vor Ort verbessern, um weitere Migration zu verhindern.

Karmasin hatte in einem Interview mit einer lokalen Zeitung die Idee eines „Afrika-Soli“ geäußert. Die Vorstellung dahinter: Man müsse den Menschen in Afrika zu besseren Lebensbedingungen zuhause verhelfen – sonst würden immer mehr Migranten zu uns kommen, „was die schlechtere Variante wäre“, wie Karmasin jetzt bei einem Pressegespräch sagte.

Etliche Zuschriften

Der Begriff „Afrika-Soli“ und daraus resultierende Beiträge in Online-Medien bescherten ihm um die 40 teils äußerst kritische respektive aggressive und nicht immer rechtschreibfehlerfreie Zuschriften, wie er berichtete.

Die Mehrheit der Schreiber habe sich erbost darüber geäußert, dass die Deutschen überhaupt etwas zugunsten Afrika abgeben sollen. Als Gründe hierfür hätten sie Fehlverhalten von Afrikanern hier oder in ihrem Heimatland angeprangert oder auf die Armut hierzulande verwiesen. Oft sei aber auf eine Begründung verzichtet worden. Karmasin berichtet von pauschalen Verunglimpfungen deutscher Politiker, von der Unzufriedenheit der Absender mit der deutschen (Regierungs-)Politik im Allgemeinen, aber auch von „einer erschreckenden Respektlosigkeit“, mit der – auf elektronischem Wege – das Gegen-über behandelt werde.

Einige Zuschriften hätten aber auch auf die Vergeblichkeit der bisherigen Entwicklungshilfe hingewiesen. Einige wenige dagegen hätten die Notwendigkeit von Entwicklungshilfe anerkannt, störten sich aber etwa an dem Begriff „Soli“. Viele hätten zudem kritisiert, dass mit „Äußerungen wie den meinen weitere Menschen der AfD in die Arme getrieben“ würden, berichtete Karmasin, der auf die Zuschriften nun Stellung nehmen wollte.

Abschottung nicht praktizierbar

Er sei weder Steuerexperte noch Fachmann für Entwicklungshilfe, betonte er. Zum Ausdruck habe er bringen wollen, dass die reichen Gesellschaften Europas einen Beitrag dazu leisten müssten, in Afrika die Lebensbedingungen zu verbessern. „Ich denke, dass dieser Beitrag über einen marginalen Haushaltstitel im Bundeshaushalt hinaus gehen muss.“ Deshalb habe er die Idee geäußert, einen Teil des Solidaritätszuschlags zu verwenden. „Mir ist unverständlich, weshalb ich darauf Dutzende von teils beleidigenden Zuschriften erhalten habe, die auch zum Ausdruck bringen, dass wir nach Ansicht der Verfasser zu viele afrikanische Zuwanderer hier versorgen.“

Er vertrete seit Jahren die Auffassung, dass „wir die Zuwanderung aus Afrika begrenzen und stattdessen vor Ort helfen sollen“. Die Einstellung vieler Kritiker, man könne Deutschland abschotten, ohne sich um die Probleme in Afrika zu kümmern, sei nicht nur herzlos, sondern auch unvernünftig, weil nicht praktizierbar.

Partnerschaften auf kommunaler Ebene

Das Klischee, man würde nur irgendwelchen Despoten Geld überweisen, scheine außerdem, wenn es je richtig gewesen sein sollte, längst überholt. Wie Karmasin außerdem sagte, könnte er sich Partnerschaften auf kommunaler Ebener vorstellen. Ziel: Hilfe in vielerlei Hinsicht, etwa beim Aufbau einer funktionierenden Verwaltung, eines Bildungssystems oder einer Krankenversorgung. Konkrete Kontakte könne etwa das Eine-Welt-Netzwerk Bayern nennen, erklärte Margret Kopp von der Maisacher Togohilfe. Ziel auch dieser Aktion seien Dörfer, in denen die Menschen bleiben können.  st

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