Die Sandsackfüllanlage der Stadt Fürstenfeldbruck war beim Hochwasser im Jahr 2013 gefragt. Die Säcke wurden vom Technischen Hilfswerk im Landkreis verteilt.
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Die Sandsackfüllanlage der Stadt Fürstenfeldbruck war beim Hochwasser im Jahr 2013 gefragt. Die Säcke wurden vom Technischen Hilfswerk im Landkreis verteilt.

Fürstenfeldbruck

Bei Flut läuft alles nach Alarmplan

  • Ingrid Zeilinger
    VonIngrid Zeilinger
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Nach der Flut-Katastrophe im Westen Deutschlands dürften sich viele die Frage stellen: Ist mein Ort eigentlich ausreichend geschützt? In Fürstenfeldbruck greift bei Hochwasser ein Katastrophenschutz-Sonderplan. Seine Bewährungsprobe hat er bereits bestanden.

Fürstenfeldbruck – Nach den großen Überschwemmungen aus den Jahren 1999 und 2002 hat der Stadtrat seine Lehren gezogen: Ein Hochwasserschutzkonzept wurde erarbeitet – als Handlungsanweisung für den Notfall. Die Stadt rüstete materiell auf. Und auch baulich ist einiges passiert, damit die gefährdeten Gebiete nicht mehr überflutet werden.

Hier wird es kritisch

Besonders bedroht sind die Straßenzüge direkt an der Amper: die Lederer- und Bullachstraße sowie das Areal rund um die Aumühle und Lände. Auch das Gebiet am Krebsenbach beim Tulpenfeld wurde bei den vergangenen Starkregenereignissen immer wieder überflutet. Im Stadtteil Puch mussten zudem regelmäßig Keller ausgepumpt werden, weil die Böden die Massen nicht mehr aufnehmen konnten.

Baulicher Schutz

Inzwischen hat die Stadt am Krebsenbach Flutpolder errichtet – ein Gebiet, das als Rückhalteraum dient, wenn das Wasser nicht mehr ablaufen kann. „Diese waren noch nicht bis zur Kante voll“, berichtet Andreas Lohde, Stadtrat und Referent für Katastrophenschutz (CSU). In Puch baute man Retentionsbecken, in die das Wasser über ein Röhrensystem laufen kann. Auch hier kam es bisher bei Starkregen nicht wieder zu Überschwemmungen.

Die Stadt profitiert zudem von der Sohlschwellen-Erhöhung der Amper bei Grafrath, berichtet Lohde. „Das Grafrather Moor füllt sich.“ Die Flut kommt langsamer nach Bruck. Um die Straßen an der Amper zu schützen, denke man über Spundwände nach. Doch das würde erst im Rahmen der Umgestaltung des Aumühlen- und Ländequartiers realisiert.

Stoff für Sperren

Also sind weiterhin Sandsäcke an den Ufern des Flusses die erste Wahl. Die Stadt besitzt eine eigene Sandsackfüllanlage – samt Anhänger und Radlader. Die steht beim Bauhof. Im Jahr 2013 lieferte das Technische Hilfswerk Sandsäcke im Landkreis aus.

Noch schneller und weniger kraftraubend lässt sich das Hochwasserschutzsystem Beaver aufbauen. Ein mobiler Schlauchdamm wird mit Wasser gefüllt. Durch das Gewicht bieten die Schläuche Stabilität. „Und man kann eine große Zahl von Sandsäcken sparen“, sagt Lohde.

Da die Feuerwehr in diesen Katastrophenfällen an den kritischen Ecken gebraucht wird, hat man außerdem noch Bürgerpumpen angeschafft. Mit diesen können die Betroffenen in den Kellern schon mal loslegen.

Der Sonderalarmplan

Im Ernstfall muss es schnell gehen. Aus den Hochwasser-Erfahrungen hat die Stadt einen Sonderalarmplan erstellt. In diesem ist genau festgehalten, bei welchen Pegelständen welche Maßnahmen ergriffen werden, erklärt Lohde. Dabei wird nach vier Alarmstufen unterschieden – die erste bei einem Pegelstand von 120 Zentimetern, die letzte bei 190. Auch bei vier Meldestufen gibt man den Einsatzkräften genau vor, wann die Deichkontrollen an der Amper beginnen, welche Straßenzüge beobachtet werden und wann man die Bewohner warnt. „Es gibt vorformulierte Durchsagen und Dienstanweisungen“, erklärt Lohde.

Die Bewährungsprobe

Die Bewährungsprobe hat der Sonderalarmplan beim Hochwasser 2013 bestanden. „Wir konnten relativ organisiert agieren“, bilanziert Lohde. Noch besser kann der Krisenstab arbeiten, wenn der Bauhof auf sein neues Areal neben der Feuerwehr gezogen ist. Auf Hochwasser sei die Stadt gut vorbereitet. Anders sieht es bei Starkregen aus. „Wenn das an anderen Ecken entsteht, kann niemand die Hand ins Feuer legen, dass es nicht zu Überschwemmungen kommt.“

Katastrophenschutz-Referent Andreas Lohde (r.) im Gespräch mit Einsatzkräften.

Aus diesem Grund sei es weiter wichtig, die Bürger rechtzeitig zu warnen. Und zwar nicht nur über soziale Medien und Apps. Denn stehe der Funkmast unter Wasser, helfen Nina und Katwarn nicht mehr. Zwar hat die Stadt mobile Sirenen angeschafft, aber das reicht Lohde nicht. „Das funktioniert nur beschränkt. Die beiden Dachsirenen in Aich und Puch hört man im ganzen Ort.“

Daher will die CSU wieder Dachsirenen anschaffen. Fünf bis acht Standorte seien nötig, schätzt Lohde. Wo, das sollten Fachleute prüfen. Das kostet zwar Geld, doch der Freistaat hat 90 Millionen Euro freigegeben, um die Alarmierung zu verbessern.

ÖDP fordert angepasste Bauleitplanung

Die Baugebiete am Krebsenbach Nord und Aumühle/Lände werden in den amtlichen Hochwassergefahrenkarten als „HQextrem“ klassifiziert. Das bedeutet, dass extreme Hochwasser eintreten können. Um besser vorbereitet zu sein, fordert die ÖDP in einem Antrag Grundsätze für die Bauleitplanung: Bauwerber müssen nachweisen, wie sie die Gebäude gegen Hochwasser schützen und dass sie die Hochwasserresilienz der Nachbarschaft nicht verschlechtern. Die für Katastrophenschutz zuständigen Stellen sollen im Vorfeld prüfen, wie man im Ernstfall evakuieren kann.

Zudem fordert die ÖDP, bei Berechnungen das jüngste Hochwasser als Worst-Case-Szenario zu nehmen. Und es soll eine Gefahrenkarte fürs Stadtgebiet erstellt werden, die zeigt, welchen Einfluss Starkregen auf die Grundwasserhöhe hat.

Die Serie

Nach der Flut-Katastrophe im Westen Deutschlands beleuchtet das Tagblatt in einer losen Serie, wie es derzeit um den Hochwasserschutz in den einzelnen Kommunen steht. Auch interessant: Neues Abwassersystem sorgt für Entlastung

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