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Walpurga Mutto-Schwan lernte ihren Ehemann bei einer Bergtour kennen. 

Nachruf

Bei Onkel und Tante fand sie ihre Familie

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Eine glückliche Kindheit lernte Walpurga Mutto-Schwan erst kennen, als sie schon gar kein Kind mehr war. Mit 15 verließ sie ihr von Streit und Leid geprägtes Zuhause in Thüringen und wurde von einem Bruder ihrer Mutter und dessen Frau in Wolfratshausen aufgenommen. 

Fürstenfeldbruck – Onkel Martin und Tante Gretl waren bald „Vatl“ und „Muttl“ für sie, Cousin Richard wurde ein liebevoller großer Bruder. In dieser Familie erlebte Burgl, wie alle sie nannten, zum ersten Mal ein harmonisches Weihnachtsfest. Es rührte sie zu Tränen.

23 Jahre war die Absolventin einer kaufmännischen Berufsschule alt, als sie mit Onkel, Cousin und einer Freundin bei einer Bergtour von Gewitter und Wolkenbruch überrascht wurde. Pitschnass kamen die vier in einer Hütte an, wo schon einige junge Männer Zuflucht gesucht hatten. Einem von ihnen fiel die junge Frau wegen ihrer Schlagfertigkeit sofort auf. Von da an waren Burgl und Pernat Mutto-Schwan – der Name ist eine Kombination aus finnischen Wurzeln und deutschen Adoptiveltern – ein Doppelpack. Ein knappes Jahr später läuteten die Hochzeitsglocken.

Beruflich bedingte Umzüge führten das Paar an verschiedene Orte in Oberbayern und dann für vier Jahre nach Neu-Ulm an der Donau – „in die Verbannung“, wie Burgl Mutto-Schwan es nannte. Der viele Nebel im Herbst legte sich auf ihr Gemüt.

Umso glücklicher war sie, als ihr Mann 1973 auf den Brucker Fliegerhorst versetzt wurde. Sie fand bei der Möbelschreinerei Pulfer eine Stelle als Buchhalterin und machte sich später mit einem Buchhaltungsbüro selbstständig – auch, um möglichst viel für ihre Adoptivtochter da sein zu können, die als Achtjährige 1980 zur Familie kam.

In der evangelischen Gnadenkirche

Ab 2002 gehörte das Ehepaar der evangelischen Gnadenkirche an. Hier betätigte sich die stets tatkräftige Burgl Mutto-Schwan als Vorstandsmitglied und Kirchenpflegerin. Im Akkordeon-Club Eichenau, in dessen Orchester ihr Mann spielte, war sie 15 Jahre lang Schatzmeisterin. Außerdem sangen beide Eheleute im Chor der Gnadenkirche. Auf sogenannten Bibel-Reisen erkundeten sie Israel, Griechenland, Georgien, Zypern und Malta.

In ihrer Freizeit waren die beiden gerne draußen und hatten gemeinsam eine Menge Spaß beim Wandern, Bergsteigen, Skifahren, Schwimmen und Radeln. Genauso gerne gingen sie zusammen tanzen. Und wenn Burgl Mutto-Schwan doch einmal still saß, dann strickte sie oder stickte herrliche Bilder für die heimischen vier Wände.

„Und kochen konnte sie wie eine Weltmeisterin“, erzählt Pernat Mutto-Schwan. Sie sei in der Schule immer gut in Chemie gewesen, pflegte seine Frau augenzwinkernd zu sagen. Für ihr Leben gern probierte sie alle neuen Rezepte aus, die ihr irgendwo unter die Finger kamen. Das Gemüse dafür wurde im eigenen Garten angebaut – auch dies war eine Leidenschaft der lebensfrohen Bruckerin.

Lange ließ sich Burgl Mutto-Schwan von ihrer Krebserkrankung nicht unterkriegen, machte mit Arbeit und Ehrenamt trotz Schwächeanfällen tapfer weiter. Erst ganz zuletzt war der Lebenswille der starken, fröhlichen Frau gebrochen. Betreut vom ambulanten Brucker Palliativ-Team schlief sie ohne Schmerzen zu Hause ein. Burgl Mutto-Schwan wurde 78 Jahre alt. 

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