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Usman Naveed ist Imam der GemeindeAhmadiyya. 

Wenig Interesse an Diskussionsabend mit gläubigen Muslimen

Beim Kopftuch gehen die Meinungen auseinander

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 In einem kleinen Saal des Veranstaltungsforums versammeln sich alle zum gemeinsamen Gebet. Dabei beten nicht alle mit. Viele hören nur zu, wie ein Mitglied der islamischen Gemeinde Ahmadiyya Muslim Jamaat den Koran auf Arabisch rezitiert. Später übersetzt ein anderer Gläubiger: „Gehorchet denen, die die Befehlsgewalt unter euch haben.“

Fürstenfeldbruck – Donnerstagabend. Es ist der 9. November, ein Datum, an dem sich in der deutschen Geschichte viel Gutes (Fall der Mauer 1989), aber auch viel Schlechtes (Reichspogromnacht 1938) ereignet hat. Heute haben die Ahmadiyya-Muslime zu einer öffentlichen Veranstaltung geladen. Der Titel: „Wir sind alle Deutschland.“

Vor dem Hintergrund von islamistischen Terroranschlägen wollen die Mitglieder der islamischen Reformgemeinde den Vorwurf entgegentreten, für Muslime stehe das Gesetz Gottes über dem Bundesgesetz. Sie wollen über die aus ihrer Sicht wahren Inhalte ihrer Religion aufklären. Der Imam aus Neufahrn (bei Freising) Umsan Naveed (30) sagt: „Die Liebe zum Land, in dem man lebt, gehört zum Islam.“ Der Islam fordere gar zu einem aufrichtigen Patriotismus auf. Den gläubigen Muslimen werde gelehrt, sich die guten Eigenschaften eines Landes anzueignen. „Das ist wahre Integration.“

Die Veranstaltung in Bruck ist Teil einer ambitionierten Kampagne. Die Vertreter der bundesweiten Ahmadiyya-Gemeinde, die deutschlandweit ungefähr 45 000 Mitglieder zählt, haben sich vorgenommen, so viele Menschen wie möglich über den Islam aufzuklären und Vorurteile und Ängste gegenüber gläubigen Muslimen in der Gesellschaft abzubauen. Dazu wollen sie mit Bürgern ins Gespräch kommen.

In Fürstenfeldbruck gleichwohl stößt die Einladung zum Dialog auf wenig Interesse. Gerade mal sieben Interessierte sind gekommen. Doch in der kleinen Gruppe entwickelt sich eine lebhafte Diskussion insbesondere über das Kopftuch.

Der Imam sagt: „Das Kopftuch ist kein politisches Symbol, sondern ein religiöses Gebot.“ Es diene dem Selbstschutz der Frau in einer insbesondere für Männer reizüberfluteten Welt. Gleichwohl dürfe keine Frau gezwungen werden, es zu tragen. Gisela Hötker-Ponath aus Eichenau und Ursula Koster haben eine andere Meinung. Manche Muslima tun sich schwer, das Kopftuch abzulegen, weil es von ihren Männern oder der Gemeinde gewünscht ist, sagt Ponath. Der Imam entgegnet, dass weltweit Frauen vergewaltigt oder sexuell belästigt werden, was der #Me-Too-Aufschrei gezeigt habe. Das Kopftuch biete aus religiöser Sicht dafür einen Lösungsvorschlag, wenn auch der Islam den Männern lehre, Frauen gut zu behandeln. Koster verneint: Die Haltung mancher Männer sei das Problem. „Es müsste wenn dann der Mann erzogen werden.“ Und so geht die Diskussion weiter, bis der Imam sagt: „Wir müssen nicht auf einen Nenner kommen.“ Dem stimmen alle zu. 

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