Eine Schwimminsel
+
Eine Schwimminsel.

Fürstenfeldbruck

„Berechtigte Erwartung auf Aufsicht“: Die Versenkung der Bade-Inseln

  • Thomas Steinhardt
    vonThomas Steinhardt
    schließen

Die Entfernung der allermeisten Schwimminseln aus den Seen war im vergangenen Sommer eines der großen Aufregerthemen. Was ist eigentlich aus den Inseln geworden? Kommen sie zurück?

  • Im vergangenen Jahr wurden praktisch alle Schwimminseln aus den Seen entfernt
  • Hintergrund ist die Angst vor Haftungsansprüchen
  • Daran wird sich wohl nichts ändern

Fürstenfeldbruck - In Bruck wurde eine Petition gestartet, es gab einen runden Tisch mit Experten und etliche Debatten: Das Aus der Badeinseln in den Seen auch in der Region zog weite Kreise. Anlass für die Entfernung der Inseln nach einer entsprechenden Rechtsprechung war die Sorge der Verantwortlichen, bei denkbaren Unfällen haftbar gemacht zu werden. Wenn es Einbauten an einem See gibt, so vereinfacht die Logik, dann müsse auch eine Aufsicht vor Ort sein. Problem: Kaum eine Kommune kann sich so viele Bademeister leisten - wenn es überhaupt so viele Bademeister gäbe.

„Berechtigte Nutzererwartung“

Wie nun aus einem Schreiben der Deutschen Gesellschaft für das Badewesen ans Brucker Landratsamt hervorgeht, hat sich an der skeptischen Haltung gegen den Einbauten an Seen nichts geändert. „Der rechtliche Hintergrund ist hier die berechtigte Nutzererwartung, nach der ein Besucher eine Wasseraufsicht erwarten darf, wenn er den Eindruck hat, dass es sich bei der Wasserfläche um ein Naturbad mit dessen typischen Einrichtungen handelt und in dem üblicherweise eine Wasseraufsicht vorhanden ist“, heißt es in dem Schreiben. „Es ist deshalb derzeit nicht geplant, unser Regelwerk im Hinblick auf Badeinseln zu verändern.“ Ein Kernpunkt der Richtlinie ist, dass an Badestellen keine „Badeinfrastruktur“ geschaffen werden darf. Zwar seien zum Beispiel neutrale Stege zulässig, aber eine Badestelle sei vor allem „eine jederzeit frei zugängliche Wasserfläche eines Badegewässers, in der Sprungeinrichtungen, Badestege, Wasserrutschen und andere bädertypische Anlagen im Wasser nicht vorhanden sind.“ Als größtes Problem in der Realität erweise sich das Herunterspringen von einer Insel mit der Gefahr, sich am Kopf zu verletzen und im Wasser ohnmächtig zu werden., erklärte eine Sprecherin des Landratsamts.

Die Kommunen müssen entscheiden

Ob sie Inseln in den Seen haben will oder nicht, obliegt letztlich der Entscheidung der jeweils zuständigen Kommune. Sie muss selbst beurteilen, ob sie das Risiko einer Unfallhaftung eingehen will. Das Landratsamt jedenfalls hat in seiner eigenen Zuständigkeit entschieden, dass im Mammendorfer See keine Insel mehr installiert wird. Das Schreiben der Gesellschaft für das Badewesen ging auch den örtlichen Gemeindetag. Nur der Gesetzgeber könnte mit einer klaren Regelung die herrschende Rechtsmeinung verändern.

Die deutsche Gesellschaft für das Badewesen gilt als der Interessenvertreter der deutschen Badbetreiber. Die Gesellschaft gibt ein Regelwerk heraus, dessen Richtlinien in der Fachwelt und auch in der Rechtsprechung den Status anerkannter Regeln besitzen.

Auch interessant

Kommentare