Andrea Reuss will ihre Schützlinge fürdas Thema sensibilisieren.

Neues Projekt ist gestartet

Berufsschule macht den Stress zum Thema

Immer mehr Menschen leiden unter Stress – auch schon in jungen Jahren. Die Berufsschule startet deshalb ein neues Programm für ihre Auszubildenden: „Stark“.

FürstenfeldbruckDie Schüler der Berufsschule Fürstenfeldbruck leiden nicht auffällig stark unter Stresssymptomen wie Depressionen, Burnout oder Rückenschmerzen, betont Schulleiterin Andrea Reuss. „Aber es kommt immer wieder mal vor.“ Sie ist auf das bayernweite Projekt „Stark“ aufmerksam geworden. Es steht für Resilienz und Stresskompetenz in Schule und Ausbildung und wird wissenschaftlich von der Schule-Wirtschaft-Akademie und dem Gesundheitsministerium begleitet. Das Ziel: Junge Menschen früh zu sensibilisieren. „Das Projekt ist für unsere Schüler sinnvoll, denn Stress ist eines der Haupterkrankungsfelder im Berufsleben“, sagt auch Reuss.

Das bestätigt auch Schulpsychologin Irene Timm. Auf die Jugendlichen prassle in der Übergangsphase vieles ein: der erste Freund, der Start ins Berufsleben, die erste eigene Wohnung. Der Unterricht an der Berufsschule ist da sicher nicht der Auslöser für negativen Stress. Doch der Druck am Arbeitsplatz, die Sorge, ob man übernommen wird, und familiäre Probleme können schnell unangenehme Gefühle auslösen. Der eine steckt das gut weg, beim anderen zeigen sich Symptome wie Depressionen, Antriebslosigkeit oder körperliche Schmerzen. Ein erstes Anzeichen für eine Stresserkrankung können häufige Fehltage im Job und im Unterricht oder ein plötzlicher Leistungsabfall sein. Und das bemerken Ausbilder und Lehrer.

Bis vor einigen Jahren war das noch kein Thema, auch die Schulpsychologie steckte da noch in den Kinderschuhen. Inzwischen schaut man sensibler hin, daher werden auch die Pädagogen mit geschult. In mehreren Modulen werden ausgewählte Test-Klassen sich damit beschäftigen, wie Stress überhaupt entsteht, welche Rolle die innere Einstellung eines Menschen spielt, wie Zeitmanagement funktioniert und wo man sich Unterstützung holen kann. Der Vergleich mit anderen Klassen soll zeigen, was die Schulung bewirkt.

Irene Timm hofft, den Schülern so gute Impulse geben zu können. Sie sollen selbst aufmerksamer auf sich und ihre Gefühle schauen. Und die 50-Jährige möchte auch das Beratungsangebot an der Berufsschule greifbarerer machen. Oft sei die Hemmschwelle, zur Psychologin zu gehen, doch hoch. „Viele denken, dann sind sie gleich krank.“ Doch oft reiche ein Gespräch, um individuell Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man mit dem Stress umgeht, ohne dass es zum Burnout kommt. „Denn da gibt es kein allgemeingültiges Rezept.“ (imu)

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