Musik-Phänomen

Der beste Elvis seit Elvis rockt Bruck

Seine Fans feiern ihn als den besten Elvis seit Elvis. Und auch wenn Shawn Vegvary noch viel mehr auf dem Kasten hat, als den King of Rock’n’Roll zu imitieren – ohne „Blue Suade Shoes“ und Co. lässt man ihn nicht von der Bühne.

Fürstenfeldbruck – Der Mann ist ein Phänomen. Nicht nur, dass er klingt und aussieht wie die 1977 verstorbene Musiklegende. Nicht nur, dass er mit fitten 74 bei seinen Auftritten im Biergarten immer noch auf die Tische springen kann. Sondern auch, weil seine Biographie sich liest wie ein Filmdrehbuch.

Vegvary stammt aus Ungarn und macht mit seinem Namen gern folgendes Wortspiel: Weg war i. Das war er tatsächlich. 1969 floh der damals 26-Jährige mit dem Motorrad nach Österreich. Er wollte nach Amerika, „um Musik zu lernen“ – die Musik, die er nachts auf „Radio Free Europe“ hörte, wenn der Sender nicht von den Russen gestört wurde. Seine Freundin („meine Braut“) folgte ihm nach drei Wochen mit dem Zug in einer Touristengruppe. In einer geliehenen Gepäckträgeruniform gelang es Vegvary, die 18-Jährige auf den 300 Metern zwischen Bahn und Bus von ihrer streng bewachten Gruppe zu trennen.

Als die beiden es nach Monaten in die USA geschafft hatten, heirateten sie in einer ungarischen Kirche in Los Angeles. Im Land von Freiheit und Abenteuer war das Leben zunächst hart. Das junge Ehepaar schuftete für wenig Geld in einem Restaurant, bevor Vegvary einen Job als Chauffeur und Tankwart im reichen Palm Springs bekam.

Als er bei einem Überfall verletzt wurde, zahlte der für seine Großzügigkeit bekannte Elvis die Krankenhausrechnung – er hatte über Vegvarys Arzt davon erfahren, mit dem er befreundet war. Es gab sogar eine persönliche Begegnung zwischen dem King und dem jungen Musiker, der gern am Steuer teurer Autos die großen Elvis-Songs schmetterte. „Du hast seine Stimme, das musst du weitermachen“, drängten ihn Freunde.

Er spricht leise und bedacht

Der Früchtetee wird kalt, während Shawn Vegvary seine Lebensgeschichte erzählt. Er spricht leise und bedachtsam, mit einem Akzent, der sowohl die ungarische Abstammung als auch die amerikanische Vergangenheit anklingen lässt. Den Cowboy-Hut, die Jeansjacke und den blau-weißen Schal hat er auch im Café nicht abgelegt.

Vegwary ist schon lange wieder weg aus den USA. Nachdem er in Los Angeles einen Elvis-Wettbewerb gewonnen hatte und in 35 Staaten aufgetreten war, gab es dort drüben nicht mehr viel zu erreichen. Außerdem wollte er wieder in die Nähe seiner Eltern und nahm deshalb das Angebot an, in München Musik zu unterrichten.

Inzwischen lebt Vegvary schon lange in Fürstenfeldbruck – mit neun Gitarren, einem Banjo, einer Ukulele und seiner dritten Ehefrau („sie ist die Beste, wir sind ein Team“). Er hat zwei Söhne – der ältere, Zoltan Elvis, ist ebenfalls Musiker und begleitet seinen Vater oft auf dem Klavier. Der 74-Jährige tritt überall auf – in Konzerthallen, Biergärten, Seniorenheimen, auf Geburtstagsfeiern, Hochzeiten und Christkindlmärkten. Zu seinem Repertoire gehören Oldies, Country, Rock’n’Roll und selbst geschriebene Songs, zu denen seine Frau die Texte verfasst.

Das alles macht viel zu viel Spaß, als dass er an Ruhestand denken würde. Warum auch, wenn man so gut beieinander ist. Dafür sorgen ein täglicher Zehn-Kilometer-Lauf und im Sommer die Saisonkarte fürs Freibad. „Musik und Sport halten mich jung“, sagt Vegvary, trinkt den letzten Schluck Früchtetee und schmunzelt. „Und die Liebe.“ (os)

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